Immer wieder sind die Regionalzüge der Deutschen Bahn überfüllt – doch vor allem an den Wochenenden ist es oft besonders schlimm. Denn dann mischen sich unter die Fahrgäste, die einfach nur einen Ausflug machen wollen, auch Fußballfans, die zu den Spielen ihrer Mannschaften gelangen wollen. Eine Mitarbeiterin der Bahn packt jetzt aus – und verrät, wie nervig Fußballfans sind.
Wie anstrengend sind Fußballfans im Regionalzug?
Die Bilder sind bekannt: Wenn Fan-Gruppen auf dem Weg zu Fußballspielen mit dem Zug unterwegs waren, müssen die Bahnen danach oft grundgereinigt werden. Der Boden klebt vor lauter Bier, es stapeln sich Abfälle. Nicht selten sind auch Vandalismus-Schäden zu sehen, etwa Schmierereien oder Fußball-Aufkleber an den Wänden. Aber: Wie geht es Bahn-Mitarbeitern, wenn sie in Zügen mit den Fan-Horden arbeiten?
Eine Zugbegleiterin, die als Kundenbetreuerin bei DB Regio arbeitet, hat ihre Erlebnisse auf der Schiene aufgeschrieben. Sie ist unter anderem auf der Strecke zwischen Rostock und Berlin unterwegs, die Berliner Zeitung (erscheint, wie der KURIER, im Berliner Verlag) veröffentlichte jetzt zwei ihrer anonymen Erfahrungsberichte. Eine davon dreht sich um ein Fußballspiel, das die Fans einen Zug zwischen Berlin und Rostock stürmen ließ. Die Fahrt nach Rostock sei zunächst normal gewesen, schreibt die Frau. „Doch ich weiß nicht, was für eine Überraschung die Rückfahrt bereithält.“

Im Zug werden Zigaretten angezündet, Bier getrunken
Am Zug zurück in Richtung Berlin habe sie am Bahnsteig eine große, bunte und laute Menschenmenge gesehen. „Das sind Fußballfans, und sie wollen mit mir nach Berlin.“ Schnell habe sie im Zug Lärm bemerkt. „Neugierig verlasse ich mein Abteil. Ich traue meinen Sinnen nicht: Tabakgeruch schießt mir durch die Nase. Ich frage mich, ob ich in einer Kneipe gelandet bin.“ Sie habe eher den Eindruck gehabt, auf einem Dorffest unterwegs gewesen zu sein.

Zunächst sei die Lage nicht bedrohlich gewesen, die Fans hätten ihren Sieg gefeiert. Mehrere hätten sogar Klappstühle aufgestellt, mit Bier angestoßen, die Zugbegleiterin eingeladen. „Wäre ich nicht im Dienst, würde ich annehmen“, schreibt sie. Doch dann sei die Stimmung gekippt. Denn plötzlich habe sie gehört, wie etwas aus Metall in ihre Richtung rollte. „Ich sehe, dass einer der Feuerlöscher, die normalerweise unter den Sitzen in einer sicheren Befestigung untergebracht sind, auf mich zusteuert. Bis zu diesem Moment war ich gelassen, jetzt nicht mehr.“
Langsam gerät die Lage im Zug außer Kontrolle
Die Lage sei langsam außer Kontrolle geraten. „Den Fans scheint es egal zu sein, dass ich stolpere und fast nach vorne fliege, weil ich die leeren Flaschen auf dem Fußboden übersehe.“ Der Boden sei immer klebriger geworden. „Ich muss aufpassen, dass ich jetzt nicht auch noch wegrutsche“, schildert sie. „Mir ist es peinlich, so einen Zug später der Reinigung zu übergeben.“ Fahrgäste hätten außerdem geraucht, etwa vier junge Männer an einem Vierertisch. „Einer von ihnen pustet Ringe in die Luft und lacht laut, in der linken Hand hat er eine Bierflasche.“
Doch am Ende sei die Stimmung wieder besser geworden. Nach einer Ermahnung verschwanden die Kippen. „Wir verstehen uns, sie benehmen sich. Zigaretten werden nicht mehr ausgepackt.“ Am Ende habe ihr im Bahnhof Gesundbrunnen sogar noch einer der Fahrgäste zwei Flaschen Bier für den Feierabend in die Hand gedrückt. „In der Ringbahn auf dem Weg nach Hause ist eine Flasche bald leer. Das habe ich mir heute verdient.“




