Diese Geschichte ist so furchtbar, dass sie einem direkt eine Gänsehaut verpasst. Ein Vater aus Deutschland hat sein Kind zwangsverheiratet. An einen Mann, der eine Jungfrau haben wollte. Als der Vertrag unterschrieben wurde, war Romina S. erst 16 Jahre alt. Im Gerichtsprozess kommen jetzt die schlimmen Details aus dem Schriftstück ans Licht.
Romina für 85.000 Euro verkauft
Was Ermittler in einer Kölner Villa entdeckten, wirkt wie ein Dokument aus einer finsteren Schattenwelt. Unter der harmlos klingenden Überschrift „Heiratsverpflichtungen“ versteckt sich ein regelrechter Kaufvertrag für minderjährige Mädchen – ein Formular, sauber gedruckt, bereit zum Ausfüllen. Name, Preis, Bedingungen: menschenverachtend präzise vorbereitet. Wer so etwas liest, versteht sofort – hier geht es nicht um Kultur, hier geht es um knallharten Menschenhandel.

Doch das Papier ist kein Einzelfall, sondern Teil eines Prozesses gegen fünf Mitglieder des serbischen Rom-Clans Jovanovi, der seit Donnerstag in Köln läuft. Bild berichtet. In ihrer luxuriösen Villa stießen Ermittler neben Schmuck, Autos und Bargeld auch auf das Formular. Der schwerwiegende Vorwurf: Die Familie soll für 85.000 Euro eine junge Frau gekauft, missbraucht und über Jahre ausgebeutet haben.
Der Albtraum der jungen Romina: gefangen im Clan
Für Romina S., gerade einmal 16 Jahre alt, beginnt der Horror, als sie in die Villa der Familie einzieht. Dort wird sie mit Leonardo (25), dem Enkel des Clan-Chefs Drasko (68), „verheiratet“. Laut Anklage muss sie sofort ihren Pass und ihr Handy abgeben – die totale Kontrolle. Ohne Begleitung darf sie das Haus nicht verlassen, über ihr Leben entscheidet fortan der Clan.
Schnell bekommt sie zwei Kinder, doch statt Schutz werden die Kleinen zum Druckmittel. Der Clan zwingt Romina, mit Bandenmitgliedern auf Diebestour zu gehen. Vor allem ältere Menschen werden Opfer. Die perfide Begründung: Romina müsse „abbezahlen“, was die Familie für sie ausgegeben habe. Als sie sich weigert, soll man ihr gedroht haben, ihr die Kinder wegzunehmen oder sie auf die Straße zu setzen.
Widerliche Vertragsdetails: „Muss Jungfrau sein“
Laut Staatsanwaltschaft liefert Romina über die Jahre 100.000 Euro Beute ab – Geld, mit dem der Clan sogar den Kredit für die Villa getilgt haben soll. Und das Drama beginnt schon weit vor Köln: Ihr eigener Vater verkauft die Mazedonierin an den Clan. Angeblich pries er seine Tochter sogar als „gute Diebin“ an – ein Detail, das selbst vor Gericht für entsetztes Murmeln sorgt.

Und dann dieses Blanko-Dokument, das Ermittler in der Villa fanden: Ein Vertrag, der den Mädchenhandel geradezu bürokratisch abwickelt. Dort wird nicht nur der Kaufpreis geregelt, sondern auch eine Anzahlung. Weiter heißt es: „Der noch offene Betrag von … Euro wird in bar übergeben, sobald der Bräutigam und die Braut miteinander geschlafen haben.“
Zudem steht schwarz auf weiß: „… seine Schwiegertochter muss Jungfrau sein … Sie muss ihre Schwiegermutter, ihren Mann sowie ihren Schwiegervater respektieren und gehorchen.“ Falls nicht – kann der Käufer zurücktreten. Eine Kälte, die selbst hartgesottene Ermittler sprachlos macht.
Ermittler zerschlagen den Familienring
Erst 2020 gelingt es den Behörden, den kriminellen Familienverbund ins Visier zu bekommen. Bei einer großangelegten Razzia stellen Beamte teure Autos sicher, finden Schmuck, Bargeld – und eben diesen „Heiratsvertrag“. Ein Dokument, das tief in die Strukturen einer Parallelwelt blicken lässt, die mitten in Deutschland existierte.
Seit Donnerstag nun stehen Leonardo, seine Mutter Jagoda (46), Tante Jadranka (44) sowie Großvater und Großmutter Drasko und Bisa (beide 68) vor Gericht. Die Liste der Vorwürfe ist lang: Menschenhandel, Betrug, Bildung einer kriminellen Vereinigung, Beihilfe zum schweren Bandendiebstahl. Am ersten Verhandlungstag bestreitet Jadranka alle Vorwürfe, die übrigen schweigen.
Anwälte kämpfen, ein Opfer bleibt zurück
„In der Anklage gibt es viele Behauptungen. Die Staatsanwaltschaft muss erst mal dafür einen Nachweis erbringen“, sagt Mutlu Günal, der Anwalt von Großmutter Bisa. Er hält sogar einen Freispruch für möglich. In den kommenden Wochen wird sich zeigen, wie tief die Beweise tatsächlich reichen.

Romina dagegen hat ihre Strafe längst abgesessen. 2021 wurde sie wegen der Diebstähle zu drei Jahren Haft verurteilt – als Einzige innerhalb des Clans, der man konkret etwas nachweisen konnte. Doch ob sie sich heute, nach all den Jahren der Abhängigkeit, wirklich aus dem Griff der Familie lösen konnte, bleibt unklar.


