Hertha BSC

Hertha-Fans und Polizei, gegen den KSC fing der Zoff an

Beim Fan-Freundschaftsspiel zwischen Hertha BSC und Karlsruher SC vor zehn Monaten kam die Polizei mit massiven Aufgebot und Hubschrauber.

Author - Wolfgang Heise
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Am 29. März feierten die Fans von Hertha BSC und Karlsruher ihre Fanfreundschaft im Olympiastadion. Damals überraschte die Polizei mit einem massiven Aufgebot und Hubschrauber.
Am 29. März feierten die Fans von Hertha BSC und Karlsruher ihre Fanfreundschaft im Olympiastadion. Damals überraschte die Polizei mit einem massiven Aufgebot und Hubschrauber.IMAGO/Sebastian Räppold/Matthias Koch

Hertha BSC gegen den Karlsruher SC. Sonnabend (13 Uhr) steigt wieder Deutschlands größtes Freundschaftsspiel. Zum Glück in Karlsruhe, da können die Fans beider Klubs in Ruhe ihre über 50-jährige Freundschaft zelebrieren. Massiven Polizeieinsatz wird es wie in Berlin nicht geben. Warum auch?

Polizei-Hubschrauber beim Hertha-Spiel gegen den KSC

„Warum denn?“, fragten sich Herthas und Karlsruhes Fans am 29. März 2025 beim Heimspiel im Olympiastadion. Jeder weiß in Deutschland, dass die Anhänger beider Lager Arm in Arm friedlich feiern wollen – es ist ein Sinnbild für vorbildliche Harmonie in der Fankultur.

Doch was machte die Berliner Polizei an diesem Tag? Es gab ein Aufgebot von mehreren tausend Beamten und ein Hubschrauber flog permanent über das Olympiastadion. Danach veröffentlichte die Fanhilfe von Hertha BSC ein Schreiben: „Wieder einmal handelte die Berliner Polizei entgegen jeder rationalen Denkweise. Denn zum Einstand der neuen Polizei-Einsatzleiterin wurde massiv aufgefahren. Die Kirsche auf der überflüssigen Repressionstorte war dann aber der Polizeihelikopter, der über mehrere Stunden hinweg über dem Stadiongelände kreiste.”

Mit diesem Polizeieinsatz fing alles an. Seitdem beschweren sich die Fans über das provokative Auftreten der Sicherheitskräfte. Die Eskalationsspirale ging immer weiter. Beim Spiel gegen Dynamo Dresden, das als Hochsicherheitsrisiko-Spiel wegen der harten Dynamo-Szene, die mit 18.000 Mann kam, eingestuft wurde, gab es zusätzlich noch zwei Wasserwerfer der Polizei. Ein kurzes Scharmützel von einigen Krawallbrüdern konnte trotzdem nicht verhindert werden.

Beim Herthas Heimspiel gegen Dynamo Dresden fuhr die Polizei Wasserwerfer auf.
Beim Herthas Heimspiel gegen Dynamo Dresden fuhr die Polizei Wasserwerfer auf.IMAGO/Sebastian Räppold/Matthias Koch

Wasserwerfer beim Spiel gegen Dynamo Dresden

Vergangenes Wochenende dann dieser Pfeffersprayeinsatz der Polizei mit 52 Verletzten am Eingang der Ostkurve. Die Angaben von Polizei und Fans widersprechen sich, wer daran Schuld war. Völlig unabhängig davon fühlten sich viele Fußballfans beim Stadionbesuch unwohl, nicht wegen angeblich gewaltbereiter Anhänger, sondern wegen des Verhaltens der Polizei, das bei vielen Angst auslöste. Es gibt zahlreiche Kommentare in allen Internetforen, bei denen sich auch Väter und Mütter, die mit ihren Kindern da waren, darüber äußern.

Die Fanhilfe erhebt noch schwerere Vorwürfe. So sollen Freunde und Angehörige von Verletzten der Zutritt zum Krankenhaus von der Polizei verweigert worden. Es wird im neuesten Protestschreiben durch ein Foto mit behelmten Beamten in schwerer Montur vor einer Notfallaufnahme untermauert.

Fünf Polizisten bewachten die Notaufnahme, auf der verletzte Hertha-Fans behandelt wurden.
Fünf Polizisten bewachten die Notaufnahme, auf der verletzte Hertha-Fans behandelt wurden.Fanhilfe Hertha BSC

Polizisten vor der Krankenhaus-Notaufnahme

Da ist etwas komplett aus dem Ruder gelaufen. Vergangenen Mittwoch gab es jetzt ein erstes Krisengespräch zwischen Hertha-Boss Dr. Peter Görlich, Innensenatorin Iris Spranger und der Polizei. Alle Seiten wollen Aufarbeitung des Vorfalls und mehr Dialog miteinander. Keine Eskalation mehr, sondern ein Sicherheitskonzept mit allen Seiten soll ausgearbeitet werden.

Spranger erklärte danach: „Es gab über viele Jahre eine sehr gute Abstimmung zwischen der Polizei und Hertha BSC, auch im Rahmen von regelmäßigen Sicherheitsgesprächen. Beide Seiten haben vereinbart, dass sie daran anknüpfen und diese Abstimmung intensivieren - das betrifft auch die Nachbereitung der Geschehnisse beim Spiel Hertha BSC gegen den FC Schalke 04.“

So trat die Polizei am Eingang der Ostkurve des Olympiastadions vergangenen Sonnabend auf.
So trat die Polizei am Eingang der Ostkurve des Olympiastadions vergangenen Sonnabend auf.IMAGO/Sebastian Räppold/Matthias Koch

Endlich wird miteinander geredet

Ja, das gab es mal. Doch seit 10 Monaten ist es damit vorbei gewesen. Was jetzt weiter herauskommt, wird sich vielleicht schon beim nächsten Heimspiel gegen Darmstadt in neun Tagen zeigen. So geht es auf alle Fälle nicht weiter. Denn die Dimension dieses Einsatzes schlugen auch in Gelsenkirchen Wellen.

Auch die Schalker Fans beschwerten sich über die Polizei. Das hat dann noch mal eine andere Dimension. Hat ein Besuch des Olympiastadions erstmal den Ruf weg, dass es dort wegen der Polizei ungemütlich ist, könnten in Zukunft auch Gästefans fehlen. Heißt weniger Einnahmen durch Ticket und Verzehr.

Wie ist Ihre Meinung zu der Entwicklung bei Hertha BSC?  Schicken Sie uns Ihre Meinung an leser-bk@berlinerverlag.com