Die Hoffnung, sie stirbt zuletzt. Die Hoffnung, eine böse Krankheit endlich bekämpft zu haben. Eine Hoffnung, die Angelika Mann hatte. Diese großartige Entertainerin aus der DDR, die alle „Lütte“ nannten.
Vor vier Jahren dachte sie, den Krebs in ihrem Körper besiegt zu haben. Doch er kam mit aller Macht zurück. Nur wenige wussten davon – und schwiegen. Die „Lütte“ wollte selber bestimmen, wann sie ihre Krankheit öffentlich macht. Nun teilte die Familie mit, dass Angelika Mann am 20. Januar den Kampf gegen den Krebs verloren hat.
2022 sprach Angelika Mann erstmals über Krebs
Im Sommer 2022 sprach sie erstmals darüber. Angelika Mann erzählte damals, dass sie an Brustkrebs erkrankt war, und wie sie monatelang dagegen angekämpft hatte.
Ein Jahr zuvor fing alles an. „Ich hatte an der rechten Brust einen Knoten bemerkt. Zunächst dachte ich, es sei eine Zyste“, sagte sie damals dem KURIER. „Aber als Arzttochter und gelernte Apothekerin nehme ich so etwas nicht auf die leichte Schulter und ging zum Arzt.“
Die Untersuchungen bestätigten: „Ich hatte einen etwa 3,2 Zentimeter großen Tumor in meiner Brust, der sehr aggressiv war. Zum Glück hatte er noch keine Metastasen gestreut“, sagte die Sängerin damals.
Und die Lütte kämpfte. Neben den belastenden Chemo-Therapien machte sie ihren Job weiter, als wäre nichts geschehen. Sie stand mit dem Musical „Himmlische Zeiten“ auf der Bühne, gab Konzerte.
„Ich bin ein sehr pragmatischer Mensch, habe keine Träne geweint, sondern sofort Maßnahmen ergriffen. Mein Mann Ralf und meine Tochter Ulrike unterstützen mich. Und ich habe den Ärzten vertraut“, sagte die Lütte.
Mit einer Perücke stand sie auf der Bühne, die ihre kurzen Haare darunter verbarg. „Das Theaterspielen war für mich die beste Therapie. Wenn ich auf der Bühne stand und das Scheinwerferlicht anging, habe ich alles andere vergessen.“
„Theaterspielen half, den Krebs zu vergessen“
Das war im Sommer 2022, als das die Lütte alles dies dem KURIER erzählte. Sie wollte damit Frauen Mut machen, die vom Brustkrebs betroffen waren. Die Diagnose sei kein Todesurteil, sagte die Lütte und verkündete uns stolz: „Ich bin jetzt krebsfrei.“
So schien es. Die Lütte stand auf der Bühne, machte Konzerte. Auch ein neues Theaterstück war mit ihr in Vorbereitung. Im Mai begannen mit ihr die Proben zu „Weiße Zeiten“ in der Comödie Dresden. Bei der Premiere im November steht die Lütte aber nicht auf der Bühne. Aus gesundheitlichen Gründen.

Die Lütte sitzt im Publikum, mit einer Wintermütze und Schal. Auf Facebook schreibt sie: „Ich bin total glücklich, dass ich hier war. Das Stück und meine Kolleginnen sind wunderbar. Und mir wurde vom Publikum so viel Interesse, Liebe und Zuneigung entgegengebracht, dass ich weinen könnte.“ Nur wenige wissen um die Dramatik dieser Zeilen.
Tumor im Kopf: 2025 ist der Krebs wieder da
Denn bei Angelika Mann ist der Krebs wieder da, schon seit Monaten. Ein Tumor im Kopf. Die Lütte kämpft. Auf ihrer Facebook-Seite versucht sie noch ein wenig normales Leben zu zeigen. Bilder mit ihrem Mann Ralf, mit Kolleginnen und Freundinnen wie die DDR-Jazz-Königin Uschi Brüning oder Entertainerin Dagmar Gelbke.

Die Lütte kämpft und macht sich Sorgen. Nicht um sich, sondern um ihren geliebten Mann Ralle und um ihre Tochter Ulrike, die wie ihre Mama Sängerin ist. „Ich hatte mit der Lütten noch im Dezember telefoniert“, sagt Dagmar Gelbke (76) dem KURIER. „Sie war vorbereitet.“
Vorbereitet auf den Tag des Abschieds. „Die Lütte war ein Teil meines Lebens“, sagt Dagmar Gelbke. Sie spricht damit vielen Menschen aus der Seele, die Angelika Mann kannten, sie als Künstlerin verehrten.
Lütte, mach es jut! Wir werden dich vermissen!




