Exklusive Zahlen

5000 Verdachtsfälle: Mietwucher trifft massiv Treptow und Köpenick

Knapp 5000 Verdachtsmeldungen in Treptow-Köpenick, viele Mieten sind um 60 Prozent höher als zulässig.

Author - Norbert Koch-Klaucke
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Die Mieten steigen in Berlin drastisch – auch in Treptow-Köpenick.  Die Anzahl der Verdachtsfälle wegen Wuchermieten nimmt zu.
Die Mieten steigen in Berlin drastisch – auch in Treptow-Köpenick. Die Anzahl der Verdachtsfälle wegen Wuchermieten nimmt zu.KURIER-Illustration (von KI erstellt)

Treptow‑Köpenick galt lange als grüner, günstiger Außenbezirk. Doch damit ist es vorbei. Immer öfter klagen Mieter über knackig steigende Preise für ihre Wohnungen – und schießen oft über das gesetzlich erlaubte Ziel hinaus. Mietwucher herrscht nicht nur in Berliner Szene-Kiezen wie in Friedrichshain-Kreuzberg. Auch in Bezirken wie in Treptow-Köpenick fangen die Warnlampen an zu blinken.

Mietwucher-App zeigt klare Zahlen

Mieten, die mehr als 50 Prozent über der vergleichbaren Ortsmiete liegen – Mietwucher nennt man so etwas, wenn der gesetzlich vorgegebene Rahmen deutlich überschritten wird. Und obwohl harte Strafen drohen, greifen Gier-Vermieter tief in die Geldbeutel der Berliner. Das ist auch in Treptow-Köpenick so.

Seit Herbst 2024 kann man in Berlin und auch in diesem Bezirk im Südosten der Stadt besonders deutlich sehen, wie drastisch die Mietpreise steigen. Der Grund ist eine Mietwucher-Verdachts-App, die die Linkspartei damals im Bundeswahlkampf geschaltet hatte – und die noch immer im Einsatz ist.

Fast 75.000 Meldungen von Berlinern gingen dort bis heute ein, die den Verdacht hatten, dass ihre Miete um mindestens 20 Prozent die vorgeschriebene ortsübliche Miete übersteigt. Davon kamen 4865 Verdachtsmeldungen aus Treptow-Köpenick. Die eingereichten Fälle wurden von Experten überprüft.

249 Mietwucher-Verfahren in Treptow-Köpenick

Das Ergebnis: Im Schnitt lagen die Mieten um 37 Prozent über der ortsüblichen Miete. Über 20 Prozent über Vergleichsmiete kann bereits eine Ordnungswidrigkeit sein, deutlich darüber mit Ausnutzung einer Notlage ist es sogar strafbarer Mietwucher.

Und so war es auch bei 278 der insgesamt 4865 Verdachtsmeldungen aus Treptow-Köpenick. Im Durchschnitt lag hier die Miete bei über 60 Prozent der ortsüblichen Vergleichsmiete – also Mietwucher! Die aus diesen Fällen berechnete Mietsumme, die monatlich zu viel gezahlt wurde, beträgt insgesamt 1,2 Millionen Euro.

Niklas Schenker, Mieten-Experte der Linkspartei
Niklas Schenker, Mieten-Experte der LinksparteiAnika Bauer

Laut der Linkspartei wurden diese Fälle beim Bezirksamt Treptow-Köpenick als Mietwucher-Verdachtsfälle eingereicht. Niklas Schenker, Mieten-Experte der Linkspartei, wollte nun wissen, was aus diesen eingereichten Fällen geworden ist.

Dazu reichte er eine parlamentarische Anfrage, die alle Berliner Bezirke zum Thema Mietwucher einbezog, bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ein. Die Antwort liegt jetzt vor. Danach hat das Bezirksamt Treptow-Köpenick in 249 Fällen ein Verfahren gegen Vermieter wegen des Verdachts auf Wuchermieten eröffnet.

Wie viele Verfahren vor Gericht landeten, ist aus der Antwort des Senats nicht zu entnehmen. Fakt ist aber: 190 Verdachtsfälle wurden zwar eingestellt. Aber 59 Verfahren laufen noch. „Insgesamt laufen aktuell in Berlin knapp 2000 Verfahren bei den Behörden wegen illegal überhöhter Mieten“, sagt Niklas Schenker dem KURIER.

Hier steigen die Mieten in Treptow-Köpenick

Vor allem dort, wo Wasser, S‑Bahn und Neubau zusammentreffen, schnellen die Preise in Treptow-Köpenick hoch. Etwa in Alt‑Köpenick und Spindlersfeld, wo historischer Charme plus Nähe zur Altstadt die Wohnungen begehrt und damit teuer macht.

Wohnen in Treptow-Köpenick: Besonders in den Quartieren, die am Wasser liegen, steigen die Mieten.
Wohnen in Treptow-Köpenick: Besonders in den Quartieren, die am Wasser liegen, steigen die Mieten.Gaby Wojciech/imago

Auch in Adlershof gehen die Mieten nach oben. Der Wissenschafts‑, Medien‑ und Start‑up‑Standort ist begehrt. Neubauten, möblierte Apartments, Kurzzeitverträge – hier wird kräftig verlangt.

Laut dem Internet-Portal Immobilienscout24 lag der mittlere Angebotsmietpreis in Adlershof vor einem Jahr bei 12,07 Euro pro Quadratmeter. Jetzt sind es 12,61 Euro pro Quadratmeter. Das entspricht einer Mietsteigerung von rund 4,5 Prozent innerhalb eines Jahres.

Die Dörpfeldstraße in Berlin-Adlershof: Auch in diesem Ortsteil von Treptow-Köpenick wird das Wohnen teurer.
Die Dörpfeldstraße in Berlin-Adlershof: Auch in diesem Ortsteil von Treptow-Köpenick wird das Wohnen teurer.Dirk Sattler/imago

Noch drastischer ist die Entwicklung bei den Kaltmieten in Adlershof. Sie stiegen von rund 10 Euro pro Quadratmeter auf 14 bis 16 Euro pro Quadratmeter. Das entspricht einer Steigerung von bis zu 60 Prozent.

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