Die Stimmung in Deutschland ist angespannt – teilweise sogar gereizt. Immer mehr Menschen hierzulande haben den Eindruck, dass man nicht mehr alles sagen darf und von Chefs und Politikern gemaßregelt wird.
Immer mehr Berliner sehen die Demokratie skeptisch
Hinzukommt: Immer mehr Menschen in der Hauptstadt stehen der Demokratie skeptisch gegenüber. Zu diesem Ergebnis kommt der „Berlin-Monitor“. Für die Studie befragten Wissenschaftler der Uni Leipzig im vergangenen Jahr wie schon 2019, 2021 und 2023 rund 2.000 repräsentativ ausgewählte Berlinerinnen und Berliner nach ihren politischen und gesellschaftlichen Einstellungen.
40 Prozent wollen eine antidemokratische Alternative
Die Zahlen zeigen eine klare Tendenz. 40 Prozent der Befragten befürworten neben der Demokratie antidemokratische Alternativen und sprechen sich demnach für einen starken Führer, ein Einparteiensystem oder eine Diktatur aus. Von den Autoren der Studie werden sie daher als „fragile Demokraten“ eingestuft.
86 Prozent hingegen sind der Meinung, dass die Demokratie am besten zur deutschen Gesellschaft passt. Was sich nach viel anhört, ist aber der niedrigste Wert seit 2019. Und nur noch 62 Prozent sind mit der hierzulande bestehenden Demokratieform zufrieden. Auch hier gilt: In früheren Befragungen war dieser Wert höher.

Wunsch nach Diktatur und Führer ist groß
Ein ähnliches Bild ergab sich bei den anderen Fragen. 8,7 Prozent befürworten eine rechtsautoritäre Diktatur, und sogar 17,6 Prozent haben den Wunsch nach einem Führer. 27,9 Prozent der Befragten sehnen sich nach einer einzig starken Partei – bei 19,7 Prozent trifft das teilweise auf Zustimmung.
Große Angst vor Überfremdung in Deutschland
24,4 Prozent der Befragten bekennen sich klar zu chauvinistischen Einstellungen. Gemeint ist damit eine Form von Nationalismus, bei der man sich über andere erhebt. Dieser Wert – und die 8,7 Prozent Befürworter einer rechtsautoritären Diktatur – fallen zwar etwas geringer als bei früheren Befragungen aus, sind aber höher als in vergleichbaren Untersuchungen für Ost- und Westdeutschland.
Zu Ausländerfeindlichkeit bekennen sich 15,1 Prozent. Auch dieser Wert ging etwas zurück. Das Phänomen ist zudem in Berlin weniger ausgeprägt, als es andere Studien für Ost- und Westdeutschland ergaben.
Für 30,7 Prozent stimmt die These zu, Deutschland sei durch zu viele Ausländer überfremdet. Weitere 19,8 Prozent stimmen dem teilweise zu.
Antisemitismus bleibt ein zentrales Risiko für die demokratische Kultur.
Antisemitische Ressentiments nehmen zu
Die Macher der Studie kommen angesichts der Zahlen zu dem Ergebnis: „Antisemitismus bleibt ein zentrales Risiko für die demokratische Kultur“, heißt es. Antisemitische Ressentiments hätten zugenommen und seien weit verbreitet, in Berlin sogar mehr als in Ost- und Westdeutschland.
Die Politik wertet die Ergebnisse des „Berlin-Monitors“ als „Warnsignal“. Sie zeigten, dass Demokratie nicht selbstverständlich sei und verteidigt werden müsse, sagt Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe. Die SPD-Politikerin verwies auf ihre Pläne, noch in dieser Legislaturperiode in Berlin als erstem Bundesland ein Demokratiefördergesetz zu beschließen. Ziel sei, eine kontinuierliche Förderung von Trägern gesetzlich festzuschreiben, die mit ihren Projekten wichtige Arbeit für die Demokratie leisteten.




