Wenn die Lohntüte schrumpft

Immer mehr Austritte: Berliner kehren der Kirche den Rücken

In Berlin treten immer mehr Menschen aus Kirchen aus, um sich die Kirchensteuer zu sparen. So viel Geld fehlt den Kirchen nun.

Author - Sebastian Karkos
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Für einige Bürger in Berlin und Brandenburg ist der Posten Kirchensteuer zu hoch.
Für einige Bürger in Berlin und Brandenburg ist der Posten Kirchensteuer zu hoch.Hendrik Schmidt/DPA

Die Lohntüte der Berliner wird immer magerer. Und weil am Monatsende immer weniger übrig bleibt, sparen die Menschen, wo sie nur können. Das bekommt auch die Kirche zu spüren.

Über 17. 000 Berliner sind 2025 ausgetreten

Immer mehr Berlinerinnen und Berliner sparen sich die Kirchensteuer. Sie ist die wichtigste Einnahmequelle der beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland. 17.681 Berliner sind im vergangenen Jahr aus einer Glaubensgemeinschaft ausgetreten.

So viele Menschen traten aus den Glaubensgemeinschaften aus:
  • Aus der evangelischen Kirche waren es 10.703.
  • Aus der römisch-katholischen Kirche 6.840.
  • 106 Menschen jüdischen Glaubens kehrten der Jüdischen Gemeinde den Rücken.
  • 32 weitere Austritte entfallen auf sonstige Religionsgemeinschaften, wie es in den Angaben heißt.

Am meisten wird in Schöneberg gespart. Die meisten Austritte wurden dort beim Amtsgericht (2.663) gemeldet.

Die Kirchen profitieren von den Steuer-Einnahmen in ganz Deutschland.
Die Kirchen profitieren von den Steuer-Einnahmen in ganz Deutschland.Thomas Imo/photothek.net

Zum Vergleich: 2024 hatte die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) für beide Bundesländer 16.519 Austritte gemeldet. Dem Erzbistum Berlin kehrten 9.172 katholische Christinnen und Christen den Rücken.

Wer aus einer Religionsgemeinschaft austreten will, muss persönlich eine entsprechende Erklärung abgeben. In Berlin kostet der Austritt 30 Euro; die Gebühr ist in allen Bezirken gleich. Der Austritt muss persönlich beim Amtsgericht oder bei einem Notar erklärt werden. Viel Mühe – aber für manche scheint es sich zu lohnen.

In Berlin beträgt die Kirchensteuer neun Prozent

In Berlin beträgt die Kirchensteuer neun Prozent der festgesetzten Lohn- oder Einkommensteuer. Sie wird für Mitglieder der katholischen und evangelischen Kirche erhoben. Wohin das Geld fließt?

In Gehälter etwa für Pfarrerinnen, Pfarrer und Priester – aber auch in Kitas, Schulen und soziale Einrichtungen. Schulen und Beratungsstellen werden damit finanziert (wie Caritas und Diakonie), ebenso Hospize und Pflegeeinrichtungen.

Laut Erzbistum Berlin betrug der Gesamtetat für 2025 312,8 Millionen Euro. Die Kirchensteuer machte davon 168,1 Millionen Euro aus.

Wie ist Ihre Meinung zum Thema? Sind Sie noch Mitglied einer Glaubensgemeinschaft? Oder überlegen Sie, auszutreten?
Bitte schreiben Sie uns:
leser-bk@berlinerverlag.com