Abriss im Dezember

Köpenicker Kleingärtner rausgeklagt: Jetzt ist die grüne Oase eine Müllkippe

Ratten, Schutt, Chaos. In Berlin-Köpenick verrottet eine entmietete Kleingartenanlage zur Müllhalde. Anwohner sind wütend, Behörden greifen spät ein.

Author - Stefan Henseke
Teilen
Die Lauben in der KGA Mühlenfließ wurden im Dezember abgerissen, doch der ganze Schutt blieb liegen.
Die Lauben in der KGA Mühlenfließ wurden im Dezember abgerissen, doch der ganze Schutt blieb liegen.Stefan Henseke

Mitten in Köpenick sieht es aus wie auf einer Müllkippe. Wohin man schaut: Schuttberge, Bretterreste, alte Kühlschränke, kaputtes Kinderspielzeug, Plastikmüll, in einer Ecke vergammeln sogar zwei alte Motorroller. Die Nachbarn in den Wohnhäusern ringsherum sind sauer. Denn das hier war mal eine grüne Oase, bis neue Eigentümer die Kleingärtner rausklagten – im Dezember wurde alles abgerissen.

Berlin-Köpenick: Im Dezember machten Bagger alles platt

„Kurz vor Weihnachten rückten die Bagger an“, sagt Lars Krüger, der in der benachbarten Puchanstraße wohnt und vom Balkon aus direkt auf das Chaos schauen muss.

Doch kurz darauf seien die Bauarbeiter wieder verschwunden – und hätten den Schutt zurückgelassen. Alles sieht nach fluchtartigem Abzug aus. Von einigen Lauben stehen sogar noch Außenwände.

Man kann sich noch vorstellen, wie idyllisch es hier mal war. Die Kleingartenanlage Mühlenfließ lag direkt am Ufer des Flüsschens Alte Erpe, das an der Köpenicker Baumgartenisnel in die Alte Spree mündet. Auf Google Maps sind die Lauben noch eingezeichnet. Jeweils ein schmales Gärtchen, mit einer kleinen Hütte direkt am Ufer.

„Gerd’s Biergarten“ steht noch an einer Wand, hinter der die Alte Erpe verläuft. Gerd wurde rausgeklagt, jetzt verrottet alles.
„Gerd’s Biergarten“ steht noch an einer Wand, hinter der die Alte Erpe verläuft. Gerd wurde rausgeklagt, jetzt verrottet alles.Stefan Henseke

Schon 2020 wurden die Pächter rausgeklagt, zuletzt wohnten in den Lauben illegal Obdachlose. Eine Hamburger Immobilienfirma soll Eigentümer des Grundstücks sein, sagen Nachbarn. Sollen hier teure Wohnungen in Wasser- und Waldnähe hochzogen werden?

Doch derartige Pläne dürften schwer umsetzbar sein. „Die private KGA Mühlenfließ in der Friedrichshagener Straße 56 ist im Flächennutzungsplan des Landes Berlin als Grünfläche ausgewiesen“, teilt die zuständige Stadträtin Claudia Leistner (Grüne) auf eine Anfrage des Bezirksverordneten Denis Henkel (AfD) mit.

Das Gelände ist überhaupt nicht gesichert

Die KGA sei keine Wohnungsbau- oder Gewerbefläche, heißt es, die bezirklichen Bereichsentwicklungsplanungen wiesen auch nichts Gegenteiliges aus. Eine Bebauung ist deshalb nicht zulässig.

Als sich Anwohner im vergangenen Jahr schon einmal über die Zustände in der Kleingartenanlage im Rathaus beschwerten, beruhigte Bezirksbürgermeister Oliver Igel (SPD) die aufgebrachten Bürger. In einer E-Mail schrieb er, dass kein förmliches Verwaltungsverfahren mit Zwangsmitteln angestrebt werde, da die kooperative Zusammenarbeit mit dem Eigentümer bislang Erfolg verspräche.

Inmitten der Schuttreste vergammlen zwei Motorroller.
Inmitten der Schuttreste vergammlen zwei Motorroller.Stefan Henseke

Das sieht inzwischen aber anders aus. Laut Entwicklungstadt.de wurden die Eigentümer aufgefordert, die Abfälle gemäß § 28 Absatz 1 des Kreislaufwirtschaftsgesetzes ordnungsgemäß zu beseitigen. Doch die Eigentümer ließen eine Frist bis Ende März verstreichen.

Jetzt habe das Umwelt- und Naturschutzamt ein Verwaltungsverfahren eingeleitet, um die Entsorgung durchzusetzen. Doch man kennt die Berliner Bürokratie: So was dauert ...

Auch gefährlicher Elektroschrott wie alte Kühlschränke verrotten auf dem Gelände in Berlin-Köpenick.
Auch gefährlicher Elektroschrott wie alte Kühlschränke verrotten auf dem Gelände in Berlin-Köpenick.Stefan Henseke

Fatal: Das ganze Gelände ist überhaupt nicht gesichert. Zäune sind eingerissen, Gartenpforten stehen offen. Und jetzt passiert, was in der Stadt immer passiert, wenn irgendwo Müll rumliegt. Es kommt noch mehr dazu. Manch einer spart sich den Weg zum BSR-Hof und lädt seinen Müll hier illegal ab. Auch schon direkt am Ufer der Alten Erpe.

Berlin-Köpenick: Ratten fühlen sich im Müll wohl

Ratten tummeln sich auf dem Gelände der ehemaligen Kleingartenanlage. Zwei Tiere flüchten gerade unter Müllreste, als sich der KURIER am Sonntagvormittag auf dem Gelände umschaut. Auf den Grundstücken am gegenüberliegendem Ufer der Alten Erpe mussten Mitte März Rattenfallen aufgestellt werden.

Von den Balkonen in der Köpenicker Puchanstraße schaut man direkt auf die Müllkippe, die mal eine Kleingartenanlage war.
Von den Balkonen in der Köpenicker Puchanstraße schaut man direkt auf die Müllkippe, die mal eine Kleingartenanlage war.privat

Die Hausgemeinschaft aus der Puchanstraße 29 hat jetzt an Bürgermeister Igel geschrieben: „Man tut sich schwer damit, dass unsere Hausgemeinschaft als ‚Problem oder Auslöser für Schädlingsbefall‘ wahrgenommen und mit Kosten belastet wird, obwohl unser Grundstück aufgeräumt und gepflegt ist, während es in unmittelbarer Nachbarschaft bekannte Herausforderungen gibt, deren Beseitigungen nicht vorwärts gehen“.

Was sagen Sie zu diesem Thema? Schreiben Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com. Wir freuen uns auf Zuschriften.