Mitten in Köpenick sieht es aus wie auf einer Müllkippe. Wohin man schaut: Schuttberge, Bretterreste, alte Kühlschränke, kaputtes Kinderspielzeug, Plastikmüll, in einer Ecke vergammeln sogar zwei alte Motorroller. Die Nachbarn in den Wohnhäusern ringsherum sind sauer. Denn das hier war mal eine grüne Oase, bis neue Eigentümer die Kleingärtner rausklagten – im Dezember wurde alles abgerissen.
Berlin-Köpenick: Im Dezember machten Bagger alles platt
„Kurz vor Weihnachten rückten die Bagger an“, sagt Lars Krüger, der in der benachbarten Puchanstraße wohnt und vom Balkon aus direkt auf das Chaos schauen muss.
Doch kurz darauf seien die Bauarbeiter wieder verschwunden – und hätten den Schutt zurückgelassen. Alles sieht nach fluchtartigem Abzug aus. Von einigen Lauben stehen sogar noch Außenwände.
Man kann sich noch vorstellen, wie idyllisch es hier mal war. Die Kleingartenanlage Mühlenfließ lag direkt am Ufer des Flüsschens Alte Erpe, das an der Köpenicker Baumgartenisnel in die Alte Spree mündet. Auf Google Maps sind die Lauben noch eingezeichnet. Jeweils ein schmales Gärtchen, mit einer kleinen Hütte direkt am Ufer.

Schon 2020 wurden die Pächter rausgeklagt, zuletzt wohnten in den Lauben illegal Obdachlose. Eine Hamburger Immobilienfirma soll Eigentümer des Grundstücks sein, sagen Nachbarn. Sollen hier teure Wohnungen in Wasser- und Waldnähe hochzogen werden?
Doch derartige Pläne dürften schwer umsetzbar sein. „Die private KGA Mühlenfließ in der Friedrichshagener Straße 56 ist im Flächennutzungsplan des Landes Berlin als Grünfläche ausgewiesen“, teilt die zuständige Stadträtin Claudia Leistner (Grüne) auf eine Anfrage des Bezirksverordneten Denis Henkel (AfD) mit.
Das Gelände ist überhaupt nicht gesichert
Die KGA sei keine Wohnungsbau- oder Gewerbefläche, heißt es, die bezirklichen Bereichsentwicklungsplanungen wiesen auch nichts Gegenteiliges aus. Eine Bebauung ist deshalb nicht zulässig.
Als sich Anwohner im vergangenen Jahr schon einmal über die Zustände in der Kleingartenanlage im Rathaus beschwerten, beruhigte Bezirksbürgermeister Oliver Igel (SPD) die aufgebrachten Bürger. In einer E-Mail schrieb er, dass kein förmliches Verwaltungsverfahren mit Zwangsmitteln angestrebt werde, da die kooperative Zusammenarbeit mit dem Eigentümer bislang Erfolg verspräche.

Das sieht inzwischen aber anders aus. Laut Entwicklungstadt.de wurden die Eigentümer aufgefordert, die Abfälle gemäß § 28 Absatz 1 des Kreislaufwirtschaftsgesetzes ordnungsgemäß zu beseitigen. Doch die Eigentümer ließen eine Frist bis Ende März verstreichen.
Jetzt habe das Umwelt- und Naturschutzamt ein Verwaltungsverfahren eingeleitet, um die Entsorgung durchzusetzen. Doch man kennt die Berliner Bürokratie: So was dauert ...

Fatal: Das ganze Gelände ist überhaupt nicht gesichert. Zäune sind eingerissen, Gartenpforten stehen offen. Und jetzt passiert, was in der Stadt immer passiert, wenn irgendwo Müll rumliegt. Es kommt noch mehr dazu. Manch einer spart sich den Weg zum BSR-Hof und lädt seinen Müll hier illegal ab. Auch schon direkt am Ufer der Alten Erpe.
Berlin-Köpenick: Ratten fühlen sich im Müll wohl
Ratten tummeln sich auf dem Gelände der ehemaligen Kleingartenanlage. Zwei Tiere flüchten gerade unter Müllreste, als sich der KURIER am Sonntagvormittag auf dem Gelände umschaut. Auf den Grundstücken am gegenüberliegendem Ufer der Alten Erpe mussten Mitte März Rattenfallen aufgestellt werden.



