Schule & Bildung

Schulschwänzer aufgepasst: Berlin greift deutlich härter durch – mit neuem Schulgesetz

Wer sich zu oft krankmeldet, muss bald zum Amtsarzt: Berlin verschärft das Schulgesetz – und geht härter gegen Schwänzer vor.

Author - Sharone Treskow
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Berliner Schulen bekommen mehr Macht, um gegen Schwänzen vorzugehen (Symbolbild).
Berliner Schulen bekommen mehr Macht, um gegen Schwänzen vorzugehen (Symbolbild).Freepik/Magnific

Seien wir mal kurz ehrlich: Jeder von uns hat sicherlich mal den einen oder anderen Schultag geschwänzt. Aber überhandnehmen sollten die „blauen Tage“ natürlich nicht, denn dann beginnt die Bildung darunter zu leiden. Deshalb geht Berlin jetzt härter gegen seine Schulschwänzer vor.

Schulgesetz wird verschärft: Berlin will Schwänzer künftig zum Amtsarzt schicken

Wer sich in Berlin regelmäßig krankmeldet und fehlt, könnte bald genauer überprüft werden: Die schwarz-rote Koalition will das Schulgesetz ändern und damit schärfer gegen Schulschwänzen vorgehen. Hintergrund ist ein bekanntes Problem: Schulabsentismus gilt als häufigster Grund dafür, dass Jugendliche keinen Abschluss schaffen. Schulen sollen deshalb künftig mehr Möglichkeiten bekommen, zweifelhafte Krankmeldungen zu überprüfen.

Wer als Schulschwänzer verdächtigt wird, muss bald zum Amtsarzt (Symbolbild).
Wer als Schulschwänzer verdächtigt wird, muss bald zum Amtsarzt (Symbolbild).Freepik/Magnific

Konkret geht es um Fälle, in denen Schüler oft fehlen und Zweifel bestehen, ob tatsächlich eine Erkrankung vorliegt. Besteht ein entsprechender Verdacht, sollen die Schulen künftig das Gesundheitsamt einschalten können. Amtsärzte könnten dann prüfen, ob eine gesundheitliche Ursache vorliegt – oder ob es sich um Schwänzen handelt. Der Bildungsausschuss des Abgeordnetenhauses will die Änderung noch in dieser Woche beschließen.

Berlin verschärft Regeln gegen Schulschwänzen

Im Gesetzentwurf ist klar geregelt: „Die zuständige Schulbehörde kann eine Untersuchung der Schülerinnen und Schüler, bei denen begründete Zweifel am Fernbleiben vom Unterricht aus gesundheitlichen Gründen bestehen, durch das zuständige Gesundheitsamt anordnen.“ Damit erhalten Schulen erstmals eine konkrete Handhabe gegen sogenannte Schwänzer mit Attest.

Eine frühere Formulierung sorgte allerdings für große Unruhe. Ursprünglich sollte festgehalten werden, dass „auf die besonderen Belange chronisch kranker Schülerinnen und Schüler sowie solcher mit Behinderungen besonders Rücksicht zu nehmen ist“. Viele betroffene Eltern fühlten sich dadurch unter Generalverdacht gestellt.

Krank oder nur keine Lust? Bei begründetem Zweifel können Berliner Schulen bald härter durchgreifen (Symbolbild).
Krank oder nur keine Lust? Bei begründetem Zweifel können Berliner Schulen bald härter durchgreifen (Symbolbild).Freepik/Magnific

Die Koalition reagierte: In der neuen Fassung wird jetzt ausdrücklich klargestellt, dass die Regelung nicht für chronisch kranke Schüler und Kinder mit Behinderungen gilt. Damit soll verhindert werden, dass diese Gruppen unnötig unter Druck geraten.

Amtsärzte sollen Zweifelsfälle klären

Ganz neu ist die Idee nicht. In anderen Bundesländern, etwa Baden-Württemberg, werden Amtsärzte bereits eingeschaltet, wenn Zweifel an Krankmeldungen bestehen. Auch in Berlin hatten Schulen zuletzt immer wieder beklagt, dass sie in solchen Fällen kaum Möglichkeiten haben.

Die Bildungsverwaltung sieht deshalb eine wichtige Lücke geschlossen. Ohne die Gesundheitsämter fehle „eine wichtige Instanz zur Sicherstellung fundierter und sachgerechter Entscheidungen im Schulkontext“. Die Teilnahme an einer angeordneten Untersuchung soll verpflichtend sein, außerdem wird eine entsprechende Datenübermittlung geregelt.

Wie häufig solche Fälle tatsächlich vorkommen werden, ist noch unklar. Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch geht davon aus, dass es pro Schule eher Einzelfälle bleiben dürfte – möglicherweise nur wenige pro Jahr.

Sind die Gesundheitsämter darauf vorbereitet?

Trotz ohnehin knapper Ressourcen zeigen sich die Gesundheitsämter gelassen. „Wir gehen davon aus, dass wir mit den vorhandenen personellen Ressourcen auskommen werden“, erklärt die Sprecherin der Berliner Amtsärzte, Nicoletta Wischnewski, dem Tagesspiegel. Sollte der Bedarf steigen, rechnen die Behörden mit zusätzlichem Personal.

Die Amtsärzte begrüßen die Gesetzesänderung sogar. Sie erwarten, dass sich damit Schulabsentismus reduzieren lässt. Gleichzeitig könnten sie betroffenen Kindern und Familien bei Bedarf auch konkrete Hilfsangebote machen.

Die Berliner Amtsärzte sind gerne bereit, Schüler am Schwänzen zu hindern (Symbolbild).
Die Berliner Amtsärzte sind gerne bereit, Schüler am Schwänzen zu hindern (Symbolbild).Freepik/Magnific

Auch aus den Bezirken kommt Zustimmung. Reinickendorfs Amtsarzt Patrick Larscheid bezeichnet Schuldistanz als ernstes Problem und verweist auf die bereits bestehende Zusammenarbeit zwischen Gesundheitsämtern und Bildungsverwaltung: „Wir haben da eine zugewiesene Rolle, die wir selbstverständlich annehmen, weil die Kinder, die es betrifft, jede erdenkliche Hilfe brauchen“, sagt er dem Tagesspiegel.

Mit der geplanten Gesetzesänderung will Berlin also nicht nur kontrollieren, sondern auch unterstützen – und verhindern, dass Jugendliche durch Schulverweigerung dauerhaft den Anschluss verlieren.

Haben Sie früher viel die Schule geschwänzt? Schicken Sie uns einen Leserbrief per Mail an leser-bk@berlinerverlag.com.