Im gesamten Berliner Einzelhandel ist am Freitag mit Einschränkungen zu rechnen: Die Gewerkschaft Verdi ruft Beschäftigte in der Hauptstadt sowie im Großhandel in Berlin und Brandenburg zu einem ganztägigen Warnstreik auf.
Warnstreik in Berlin: Einzelhandel legt Arbeit nieder
Hintergrund ist ein festgefahrener Tarifkonflikt. Die Verhandlungen am Montag blieben ohne Ergebnis. Höhepunkt der Aktionen soll eine zentrale Kundgebung um 11.30 Uhr am Wittenbergplatz sein.
Das Angebot der Arbeitgeber sieht zunächst sechs Monate ohne mehr Geld vor. Danach sollen die Löhne um 2,0 Prozent steigen – in Berlin ab Dezember 2026, in Brandenburg sogar erst 2027. Eine weitere Erhöhung um 1,5 Prozent ist erst nach drei weiteren Monaten ohne Anpassung geplant.

Für Verdi ist dieses Angebot völlig unzureichend. Die Gewerkschaft fordert eine tabellenwirksame Lohnerhöhung von sieben Prozent, mindestens aber 225 Euro pro Monat. Außerdem soll ein Mindeststundenlohn von 14,90 Euro eingeführt werden, dazu höhere Ausbildungsvergütungen und eine kurze Laufzeit des Tarifvertrags von zwölf Monaten.
Verdi will mehr Lohn für Einzelhandelsangestellte
Besonders kritisch sieht Verdi den unteren Lohnbereich: Selbst nach den vorgeschlagenen Erhöhungen würde der niedrigste Stundenlohn nur bei 14,39 Euro liegen und damit unter dem gesetzlichen Mindestlohn von 14,60 Euro ab 2027. Für viele Beschäftigte drohten deshalb reale Einkommensverluste.
Verhandlungsführerin Conny Weißbach verweist auf die Gewinne großer Handelskonzerne. „Die großen Einzelhandelskonzerne wie z. B. Kaufland, Lidl, Rewe, Edeka oder Ikea melden Jahr für Jahr milliardenschwere Gewinne.“ Diese würden von den Mitarbeitern in Filialen und Lagern erwirtschaftet. Mit dem Warnstreik wolle Verdi deshalb gezielt Druck aufbauen.
Streik trifft vor allem Berlin – Brandenburg noch eingeschränkt
Der Streikaufruf im Einzelhandel richtet sich ausschließlich an Beschäftigte in Berlin. In Brandenburg gilt noch bis zum 30. Juni die sogenannte Friedenspflicht, weshalb dort noch nicht gestreikt werden darf. Im Großhandel hingegen sind Mitarbeiter in beiden Bundesländern betroffen.

Neben den üblichen Protesten setzt Verdi auch auf ungewöhnliche Aktionen: Bei der Kundgebung am Wittenbergplatz soll ein Streiklied uraufgeführt werden. Der Song entstand gemeinsam mit der Berliner Liedermacherin Bernadette La Hengst und greift Forderungen, Alltagserfahrungen und Probleme der Beschäftigten auf.
Was bedeutet der Streik für die Berliner?
Für Kunden bedeutet das: Es kann in einzelnen Filialen zu längeren Wartezeiten oder eingeschränktem Service kommen. Lange Schlangen an den Kassen und leere Regale – vor allem in den Frischeabteilungen – sind möglich.
Der Handelsverband Deutschland (HDE) gibt sich dennoch gelassen. Man erwarte keine größeren Auswirkungen, da viele Unternehmen vorbereitet seien und interne Abläufe angepasst hätten.


