Marode Universität

Ungewisse Zeiten für Studenten: TU-Bibliothek wegen Sicherheitsmängeln gesperrt

Die Universitätsbibliothek bleibt bis zum 12. Juni geschlossen, während unzureichende Sicherheitsstandards die Zukunft des gesamten Campus infrage stellen.

Author - Sebastian Krause
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Die Türen zum Hauptgebäude der TU Berlin sind verschlossen.
Die Türen zum Hauptgebäude der TU Berlin sind verschlossen.Fabian Sommer/dpa

Nächster Schlag für Tausende Studenten in Charlottenburg: An der Technischen Universität Berlin läuft weiter kaum etwas nach Plan. Nach dem seit Anfang Mai gesperrten Hauptgebäude muss jetzt auch die gemeinsame Universitätsbibliothek von TU und Universität der Künste vorübergehend schließen.

Bibliothek ist seit Freitagabend gesperrt

Die Hochschule teilte mit, dass das Gebäude seit Freitagabend bis einschließlich 12. Juni nicht genutzt werden kann. Grund ist eine defekte Zylinderkopfdichtung an einer Netzersatzanlage, die bei einer Sachverständigenprüfung entdeckt wurde. Das Aggregat ist aus Sicht der TU sicherheitsrelevant, weil es im Notfall die Stromversorgung wichtiger Anlagen übernimmt. Bis zur Reparatur bleibt das Haus deshalb aus Sicherheitsgründen dicht.

Gebäude darf bis auf Weiteres nicht betreten werden

Für die TU ist das der nächste Rückschlag in einer ohnehin angespannten Lage. Denn das Hauptgebäude an der Straße des 17. Juni ist bereits seit dem 9. Mai vollständig geschlossen. Damals hatten Bauaufsicht und Berliner Feuerwehr bei einer Begehung erhebliche bauliche Mängel sowie „bauliche Auffälligkeiten“ festgestellt.

Die Einschränkungen an der Technischen Universität in Berlin werden sich noch bis zum Sommersemester hinziehen.
Die Einschränkungen an der Technischen Universität in Berlin werden sich noch bis zum Sommersemester hinziehen.imago/imageBROKER/Karl-Heinz Spremberg

Seitdem darf das Gebäude bis auf Weiteres nicht mehr betreten werden. Betroffen sind Büros, Lehrveranstaltungen, Veranstaltungen sowie dort ansässige externe Dienstleister. Einen Termin für die Wiedereröffnung gibt es bislang nicht.

Folgen werden auch im Sommersemester zu spüren sein

Wie stark die Folgen für den Uni-Alltag sind, zeigte TU-Präsidentin Fatma Deniz. „Zum Sommersemester werden wir das noch nicht aufkriegen“, sagte sie dem RBB. Laut TU mussten zuletzt rund 350 Lehrveranstaltungen pro Woche in andere Räume verlegt werden oder digital stattfinden. Für viele Studenten bedeutet das seit Wochen: improvisierter Stundenplan, lange Wege, Online-Ausweichbetrieb – und jetzt auch noch eine geschlossene Bibliothek.

Zum Sommersemester werden wir das noch nicht aufkriegen.

Fatma Deniz, TU-Präsidentin

Die Sperrung trifft nicht irgendein Gebäude. Die gemeinsame Universitätsbibliothek von TU und UdK in der Fasanenstraße ist einer der wichtigsten Lernorte auf dem Campus, normalerweise mit umfangreichen Beständen, digitalen Angeboten und Dauerbetrieb. Erst seit dem 4. Mai sind die Bibliotheken von TU und UdK wieder rund um die Uhr geöffnet. Ausnahmen gelten nur an Feiertagen oder bei angekündigten Schließzeiten. 2022 wurde der Bibliotheksverbund sogar als „Bibliothek des Jahres“ ausgezeichnet.

Krisenstab soll die Probleme am Campus lösen

Zu dem neuen Problem mit der Bibliothek erklärte Deniz: „Ich habe sofort den Krisenstab einberufen und umgehend alle notwendigen Maßnahmen eingeleitet, um den Defekt schnellstmöglich zu beheben und die volle Betriebssicherheit wiederherzustellen.“ Eine Reparatur sei beauftragt.

„Uns ist bewusst, dass die Schließung insbesondere für unsere Studierenden und Forschenden mit sehr großen Einschränkungen verbunden ist“, so Deniz. „Gleichzeitig sehen wir angesichts der sicherheitsrelevanten Funktion der Netzersatzanlage keine verantwortbare Alternative. Wir bitten daher um Verständnis für diese Maßnahme.“

TU will das gesamte Campus-Problem angehen

Die TU betont inzwischen, dass sie nicht mehr nur auf einzelne Störungen reagiert, sondern das gesamte Campus-Problem systematisch angehen will. Die neu gegründete „Planungs-Taskforce Brandschutz“ der TU Berlin prüfe stufenweise jedes einzelne Gebäude.

„Nur so ermöglichen wir eine belastbare Strategie und Abarbeitung der Mängel.“ Dahinter steckt auch die Erkenntnis, dass die Probleme tiefer reichen als ein einzelner Defekt oder ein einzelnes marodes Haus.

Wie ist Ihre Meinung dazu? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com