Eichenprozessionsspinner

Giftraupen-Plage in Berlin: Live-Karte zeigt befallene Gebiete

Eine Berlinerin startete die erste interaktive Übersichts-Karte. Hier kann jeder sehen, wo die Nester des Eichenprozessionsspinners in Berlin lauern.

Author - Stefan Doerr
Teilen
Eichenprozessionsspinner-Befall an einer Eiche.
Eichenprozessionsspinner-Befall an einer Eiche.Philip Dulian/dpa

Der Eichenprozessionsspinner wird in Berlin zunehmend zur Plage. Die giftigen Raupen breiten sich rasant aus, Bezirke schlagen Alarm, ein Sommerfest des Familienzentrums Jungfernheide musste wegen der Tiere verschoben werden. Jetzt soll der Senat bei der Bekämpfung der haarigen Raupen helfen. Und mittendrin im Prozessionsspinner-Alarm steht eine Berlinerin, die kurzerhand selbst aktiv wurde.

Die erste Berlin-Karte zeigt befallene Gebiete

Seit wenigen Tagen betreibt Britta Wunderwald eine Live-Karte, auf der Berlinerinnen und Berliner Nester des Eichenprozessionsspinners melden können. Ehrenamtlich packte die 46-Jährige dieses Projekt an, wohlgemerkt. Auslöser war ein Besuch eines Schulfreundes ihres Sohnes, der plötzlich Symptome zeigte.

„Er tat mir so leid und ich wollte mich daraufhin informieren, wo die Tiere genau sind und wo es draußen noch sicher ist“, berichtet Britta Wunderwald dem Berliner KURIER. „Doch da stellte ich fest, dass es eine Übersicht für Berlin gar nicht gibt.“ Da war für Britta Wunderwald klar, dass sie das selbst in die Hand nehmen muss.

Auf der interaktiven Karte sind die befallenen Gebiete eingetragen.
Auf der interaktiven Karte sind die befallenen Gebiete eingetragen.Britta Wunderwald/Screenshot Berliner Kurier

1400 Meldungen von Raupen-Befall gemeldet

Mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz (KI) baute sie mit größtenteils KI-generiertem Code eine Karte, die jeder nutzen kann. Ganz ohne Anmeldung und ohne Daten preisgeben zu müssen, wie die 46-Jährige betont. Per GPS lassen sich Nester metergenau eintragen, optional mit Zusatzinfos wie „in der Nähe eines Spielplatzes“, damit alle in der Nachbarschaft gewarnt sind. „Im Moment sind es um die 1400 Meldungen“, sagt die Kommunikationswirtin. Und es werden täglich mehr.

Die Karte zeigt, was viele ahnten! Im gesamten Stadtgebiet sind Punkte eingetragen. Einige Berliner Hotspots sind sogar massiv betroffen. Besonders die Hasenheide in Neukölln, der Volkspark Wuhlheide, Siemensstadt in Spandau, der Schlosspark Schönhausen in Pankow und die Jungfernheide in Charlottenburg. Tempelhof-Schöneberg zählt rund 6000 Eichen, leider ein Paradies für die Raupen.

Britta Wunderwald startete in Eigeninitiative eine Übersichtskarte zur Eichenprozessionsspinner-Plage.
Britta Wunderwald startete in Eigeninitiative eine Übersichtskarte zur Eichenprozessionsspinner-Plage.privat

Sportanlagen mussten gesperrt werden

Die Bezirke reagieren, so gut es geht. In Pankow, Treptow-Köpenick und Mitte werden Nester abgesaugt, vor allem an Orten mit viel Publikumsverkehr. In Mitte mussten sogar drei Sportanlagen gesperrt werden wegen „massiven Befalls“.

Der Eichenprozessionsspinner selbst ist unscheinbar. Es ist ein graubrauner Nachtfalter, 25 bis 30 Millimeter Flügelspannweite. Doch seine Raupen haben es in sich. Ihre winzigen Brennhaare können schwere allergische Reaktionen auslösen, wie Hautausschläge, Atemnot und Augenreizungen. Und je öfter man Kontakt hat, desto heftiger wird es. Das Umweltbundesamt rät deshalb, betroffene Gebiete möglichst zu meiden.

Seinen Namen verdankt der Eichenprozessionsspinner einer Eigenart seiner Raupen. Sie wandern nachts in langen Reihen wie in einer Prozession vom Nest in die Baumkrone, um dort zu fressen.

Wie ist Ihre Meinung dazu? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com