Im April war der Aufschrei groß: Die Deutsche Bahn kündigte an, ab Ende Juni die vier Görlitzer Bahnbrücken wegen Korrosionsschäden für immer zu sperren. Damit wäre eine wichtige Verbindung zwischen Treptow-Köpenick und Kreuzberg weggefallen. Bei einer Begehung von Bezirksämtern, Deutscher Bahn und Senat wurde jetzt versucht, einen Ausweg aus dem Dilemma zu finden. Denn die Brücken sind vielgenutzt. Bis zu 624 Fußgänger sind pro Stunde auf den Verbindungswegen zwischen Kreuzberg und Treptow unterwegs, haben die Initiatoren der Bürgerinitiative „Görli Bahndamm retten!“ gezählt.
Senat, Bezirk und Bahn einigen sich auf Erhalt der Brücken
Jetzt gibt es neue Hoffnung für Tausende Berliner. Nach Wochen der Proteste bewegt sich etwas. Die Görlitzer Bahnbrücken sollen erhalten bleiben. Darauf haben sich der Berliner Senat, das Bezirksamt Treptow-Köpenick und die Deutsche Bahn grundsätzlich verständigt.
Petra Nelken, Sprecherin der Senatsverkehrsverwaltung, bestätigte die Einigung gegenüber rbb24. Denn die Sperrung der historischen Bauwerke hätte einen beliebten Fuß- und Radweg abrupt zerschnitten. Ziel sei es, die denkmalgeschützten Brücken zu sichern und die Wege langfristig nutzbar zu halten.
Schuld an der Korrosion soll der von Treptow-Köpenick gebaute Radweg sein, hießt es. Das dafür genutzte Sand-Kies-Gemisch soll die Entwässerung erschweren, erklärte ein Bahn-Sprecher.
Jetzt geht es in die Analye. Zunächst muss der Belag auf den Brücken entfernt werden. Erst dann können Fachleute den tatsächlichen Zustand der Konstruktionen untersuchen. Die Deutsche Bahn will dafür zeitnah Vertreter des Bezirks und der zuständigen Senatsverwaltung zu einem Vor-Ort-Termin einladen.
Brücken während der Untersuchungen komplett gesperrt
Während der Untersuchungen werden die Brücken vorerst nicht begehbar sein. „Für die Zeit der Begutachtung und für die Dauer der Arbeiten können die Brücken zunächst nicht mehr betreten werden“, sagte die Sprecherin der Verkehrsverwaltung gegenüber rbb24.
Gleichzeitig arbeiten Bahn und Bezirksamt an einer Übergangslösung. Sie prüfen eine Vereinbarung, mit der die Zwischenräume zwischen den Brücken offen bleiben könnten. So soll der Grünzug auch während der laufenden Untersuchungen weiter genutzt werden können.
Für viele Anwohner ist das eine gute Nachricht. Denn der ehemalige Bahnpassage ist längst mehr als nur ein Weg. Er verbindet Kreuzberg und Treptow auf direktem, autofreiem Weg. Berufspendler nutzen ihn täglich. Kinder laufen hier zur Schule oder zur Kita. Jogger drehen ihre Runden. Hundebesitzer gehen Gassi. Spaziergänger genießen die grüne Trasse mitten in der Stadt.

Die vier Brücken gehören der Deutschen Bahn. Drei überspannen Straßen, eine führt über den Landwehrkanal. Ursprünglich waren sie Teil einer Eisenbahnstrecke. Doch seit 1986 rollen hier keine Züge mehr.
Erst sieben Jahre später kam wieder Bewegung auf das Gelände. Treptow-Köpenick hat das gelände von der Bahn gemietet, die Brücken werden seit 1993 als Fuß- und Radweg genutzt. Die Brücken selbst blieben allerdings immer in der Verantwortung der Bahn.
Bahn kündigte Mietvertrag – Politik und Anwohner protstierten
Genau das wurde zuletzt zum Problem. Die Deutsche Bahn hatte den Mietvertrag zum 30. Juni gekündigt. Als Gründe nannte sie den schlechten Zustand der Bauwerke und wirtschaftliche Erwägungen. Bereits Anfang Mai bestätigte ein Bahnsprecher die geplante Sperrung wegen massiver Korrosionsschäden.
Die Ankündigung löste heftige Kritik aus. Anwohner, Initiativen und Lokalpolitiker machten Druck. Offenbar mit Erfolg. Auf Treptower Seite hat das Bahngelände zuletzt an Bedeutung gewonnen. Der dortige Spielplatz wurde 2025 umfassend saniert und erweitert. Neue Spielangebote für Kinder entstanden. Zusätzlich gibt es inzwischen eine Calisthenics-Anlage für Sportbegeisterte.





