Berlin-Treptow

Beliebter Kiezweg in Gefahr – und die Entscheidung, die alles verändert

Hoffnung für Anwohner von Treptow-Köpenick: Die Görlitzer Bahnbrücken sollen trotz Korrosionsschäden erhalten bleiben. Senat, Bezirk und Bahn arbeiten an Lösung.

Author - Stefan Henseke
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Die Görlitzer Bahnbrücken, die von Kreuzberg nach Treptow führen, sollen jetzt doch erhalten werden.
Die Görlitzer Bahnbrücken, die von Kreuzberg nach Treptow führen, sollen jetzt doch erhalten werden.Jürgen Held/imago

Im April war der Aufschrei groß: Die Deutsche Bahn kündigte an, ab Ende Juni die vier Görlitzer Bahnbrücken wegen Korrosionsschäden für immer zu sperren. Damit wäre eine wichtige Verbindung zwischen Treptow-Köpenick und Kreuzberg weggefallen. Bei einer Begehung von Bezirksämtern, Deutscher Bahn und Senat wurde jetzt versucht, einen Ausweg aus dem Dilemma zu finden. Denn die Brücken sind vielgenutzt. Bis zu 624 Fußgänger sind pro Stunde auf den Verbindungswegen zwischen Kreuzberg und Treptow unterwegs, haben die Initiatoren der Bürgerinitiative „Görli Bahndamm retten!“ gezählt.

Senat, Bezirk und Bahn einigen sich auf Erhalt der Brücken

Jetzt gibt es neue Hoffnung für Tausende Berliner. Nach Wochen der Proteste bewegt sich etwas. Die Görlitzer Bahnbrücken sollen erhalten bleiben. Darauf haben sich der Berliner Senat, das Bezirksamt Treptow-Köpenick und die Deutsche Bahn grundsätzlich verständigt.

Petra Nelken, Sprecherin der Senatsverkehrsverwaltung, bestätigte die Einigung gegenüber rbb24. Denn die Sperrung der historischen Bauwerke hätte einen beliebten Fuß- und Radweg abrupt zerschnitten.  Ziel sei es, die denkmalgeschützten Brücken zu sichern und die Wege langfristig nutzbar zu halten.

Schuld an der Korrosion soll der von Treptow-Köpenick gebaute Radweg sein, hießt es. Das dafür genutzte Sand-Kies-Gemisch soll die Entwässerung erschweren, erklärte ein Bahn-Sprecher.

Jetzt geht es in die Analye. Zunächst muss der Belag auf den Brücken entfernt werden. Erst dann können Fachleute den tatsächlichen Zustand der Konstruktionen untersuchen. Die Deutsche Bahn will dafür zeitnah Vertreter des Bezirks und der zuständigen Senatsverwaltung zu einem Vor-Ort-Termin einladen.

Brücken während der Untersuchungen komplett gesperrt

Während der Untersuchungen werden die Brücken vorerst nicht begehbar sein. „Für die Zeit der Begutachtung und für die Dauer der Arbeiten können die Brücken zunächst nicht mehr betreten werden“, sagte die Sprecherin der Verkehrsverwaltung gegenüber rbb24.

Gleichzeitig arbeiten Bahn und Bezirksamt an einer Übergangslösung. Sie prüfen eine Vereinbarung, mit der die Zwischenräume zwischen den Brücken offen bleiben könnten. So soll der Grünzug auch während der laufenden Untersuchungen weiter genutzt werden können.

Für viele Anwohner ist das eine gute Nachricht. Denn der ehemalige Bahnpassage ist längst mehr als nur ein Weg. Er verbindet Kreuzberg und Treptow auf direktem, autofreiem Weg. Berufspendler nutzen ihn täglich. Kinder laufen hier zur Schule oder zur Kita. Jogger drehen ihre Runden. Hundebesitzer gehen Gassi. Spaziergänger genießen die grüne Trasse mitten in der Stadt.

Eine der Görlitzer Brücken führt über den Landwehrkanal.
Eine der Görlitzer Brücken führt über den Landwehrkanal.Joerg Carstensen/Funke Medien Services/imago

Die vier Brücken gehören der Deutschen Bahn. Drei überspannen Straßen, eine führt über den Landwehrkanal. Ursprünglich waren sie Teil einer Eisenbahnstrecke. Doch seit 1986 rollen hier keine Züge mehr.

Erst sieben Jahre später kam wieder Bewegung auf das Gelände. Treptow-Köpenick hat das gelände von der Bahn gemietet, die Brücken werden seit 1993 als Fuß- und Radweg genutzt. Die Brücken selbst blieben allerdings immer in der Verantwortung der Bahn.

Bahn kündigte Mietvertrag – Politik und Anwohner protstierten

Genau das wurde zuletzt zum Problem. Die Deutsche Bahn hatte den Mietvertrag zum 30. Juni gekündigt. Als Gründe nannte sie den schlechten Zustand der Bauwerke und wirtschaftliche Erwägungen. Bereits Anfang Mai bestätigte ein Bahnsprecher die geplante Sperrung wegen massiver Korrosionsschäden.

Die Ankündigung löste heftige Kritik aus. Anwohner, Initiativen und Lokalpolitiker machten Druck. Offenbar mit Erfolg. Auf Treptower Seite hat das Bahngelände zuletzt an Bedeutung gewonnen. Der dortige Spielplatz wurde 2025 umfassend saniert und erweitert. Neue Spielangebote für Kinder entstanden. Zusätzlich gibt es inzwischen eine Calisthenics-Anlage für Sportbegeisterte.

Diese Görlitzer Brücke führt nach Alt-Treptow.
Diese Görlitzer Brücke führt nach Alt-Treptow.Jürgen Held/imago

„Für uns ist klar: Die Wegeverbindungen über die Görlitzer Bahntrasse haben eine hohe Bedeutung für die Menschen in Treptow-Köpenick und Friedrichshain-Kreuzberg. Deshalb erwarte ich, dass das Land Berlin und die Deutsche Bahn die Gespräche über eine mögliche Übernahme der Brückenbauwerke mit dem klaren Ziel fortsetzen, diese wichtigen Verbindungen langfristig zu erhalten”, sagt Oliver Igel, der Bezirksbürgermeister von Treptow-Köpenick.

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