Am Freitag wurde der Prozess um den Mord an dem kleinen Fabian aus Güstrow fortgesetzt – dieses Mal mit einer besonders spannenden Aussage. Vor dem Landgericht Rostock wurde ein Zeuge vernommen, der entscheidende Details zur Aufklärung des Falles beitragen sollte: Ein Mann namens Christian D., den die Angeklagte Gina H. schon am Abend vor dem Fund zu Fabians Leiche an einem Tümpel bei Klein Upahl geführt haben soll. Wie lief der Abend ab – und was verrät die Aussage des Mannes über die Tatverdächtige?
Warum suchte Gina H. gezielt am Tümpel nach Fabian?
Über den Zeugen hatte es schon lange vor dem Beginn des Gerichtsprozesses im Mordfall Fabian aus Güstrow Berichte gegeben – Medien schrieben, Gina H. hätte am Abend vor dem Fund der Leiche bereits einen Bekannten zu dem Tümpel bei Klein Upahl geführt, an dem die verbrannten Überreste des kleinen Fabian aus Güstrow lagen. Der schreckliche Verdacht in den Berichten: Wollte Gina H. gezielt dafür sorgen, dass die DNA einer anderen Person am Tatort gefunden wird?
Bei dem Zeugen handelt es sich um einen Mann namens Christian D., der nun im Prozess vor Gericht vernommen wurde. Er schilderte, was genau sich am Tag vor dem Fund der Leiche ereignete. Bisher ist unklar, in welchem Verhältnis D. und Gina H. standen – vor Gericht wurde auch darüber gesprochen. Laut dem Zeugen seien sie nur freundschaftlich verbunden gewesen. Gina H. soll ihm aber Avancen gemacht haben. So verlas Christine Habetha, die Anwältin von Fabians Mutter Dorina, eine Nachricht, die Gina H. vor einem Reitausflug geschickt haben soll: „Ich gehe gleich mit Cleo reiten, die darf ich wenigstens reiten.“

Am 13. Oktober soll Gina H. dem Zeugen vorgeschlagen haben, sich mit ihr auf die Suche nach Fabian zu machen. Sie schlug die Gegend bei Klein Upahl vor. „Ich will jetzt nicht bei der Polizei anrufen und die da hinschicken“, soll sie gesagt haben. In der Gegend sei sie im Winter mit Fabian und ihrem Sohn zum Schlittenfahren gewesen. „Ich habe es nicht weiter hinterfragt“, sagte der Zeuge jetzt vor Gericht. Weder sei das Gebiet zum Rodeln geeignet, noch habe Fabian eine Möglichkeit gehabt, dorthin zu gelangen. Der Zeuge, der auch Jäger ist, habe seine Wärmebildkamera für die Suche eingepackt und zu Gina H. gefahren.
Fall Fabian: In der Nacht fuhren sie gemeinsam zum Feld
Gemeinsam fuhren sie zu dem besagten Feld, konnten aber mit der Kamera nichts entdecken. Christian D. habe daraufhin weiterfahren wollen – doch von Gina H. kam der Vorschlag, zum Tümpel zu gehen. Sie sei vorweggegangen, zielstrebig bis zum Rand des Tümpels. Die klare Aussage des Zeugen dazu: „Im Nachhinein würde ich sagen: Sie wusste genau, wo sie hingeht.“ In dem Moment habe er ihr Verhalten allerdings nicht hinterfragt.
Durch die Wärmebildkamera habe er auch am Tümpel nichts erkannt. Sie gingen weiter zum Ufer des Tümpels, dann sei Gina H. plötzlich stehen geblieben und habe gesagt: „Da ist was.“ Sie leuchtete mit der Taschenlampe, Christian D. habe daraufhin etwas Schwarzes erkannt. Er hielt den Fund zunächst für abgelegte Rohre, sagte er. „Ich konnte nicht genau sehen, was es ist, wo ich heute noch froh drüber bin.“ Gina H. sei sich allerdings sicher gewesen: „Das ist Fabian, das ist er.“

Christian D. habe daraufhin nur noch einen Wunsch gehabt: Er wollte weg. „Ich wollte da auch nicht mit reingezogen werden“, sagte er vor Gericht. Das werfe er sich heute noch vor. Im Auto habe Gina H. dann die Polizei rufen wollen, doch D. fragte, was sie den Beamten erzählen sollen, warum sie mitten in der Nacht auf dem Feld waren. Für ihn sei der Fund von Fabians Leiche ein Schock gewesen. Er habe selbst Kinder in dem Alter – und bereue, nicht in der gleichen Nacht die Polizei alarmiert zu haben.
Zeuge brach wegen Fabian Kontakt zu Gina H. ab
Nach dem nächtlichen Ausflug und dem Fund von Fabians Leiche am nächsten Tag brach er den Kontakt zu Gina H. ab. Er habe gespürt, dass ihre Suche ein Ziel verfolgte – und ihr gesagt, dass sie ihn in Ruhe lassen soll. Vielleicht trug zu seinem Gefühl auch ein Moment bei, den auch der Staatsanwalt im Prozess um den Mord an Fabian als unlogisch einstufte. Mitten in der Nacht hielt Christian D. den toten Fabian aus Güstrow für eine Ansammlung von Rohren.



