„Es macht mich nur noch wütend“

Fabian aus Güstrow: Mutter Dorina L. zurück! Sie möchte Gina H. anschreien

Nach belastenden Tagen kehrt Fabians Mutter in den Gerichtssaal zurück. Jetzt spricht sie offen darüber, wie es ihr im Prozess geht.

Author - Florian Thalmann
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Dorina L., die Mutter des getöteten Fabian aus Güstrow, nimmt nach einigen Tagen Pause wieder am Prozess vor dem Landgericht Rostock teil.
Dorina L., die Mutter des getöteten Fabian aus Güstrow, nimmt nach einigen Tagen Pause wieder am Prozess vor dem Landgericht Rostock teil.Bernd Wüstneck/dpa

Sie setzte für mehrere Prozesstage aus – weil die Details, die über den Mord an ihrem geliebten Fabian ausgepackt wurden, zu viel gewesen wären. Doch am Dienstag saß Dorina L., die Mutter des toten Fabian aus Güstrow, wieder vor Gericht. Sie wollte die nächsten Aussagen miterleben, das hatte ihre Anwältin Christine Habetha bereits angekündigt. So verfolgte sie unter anderem die Vernehmung eines Experten zu den Daten auf dem Handy der Angeklagten Gina H. Aber: Wie geht es Fabians Mama? Hat sie die Entwicklungen um den Prozess verfolgt? Jetzt verrät sie, wie viel sie von den Verhandlungen mitbekommen hat und wie es ihr damit geht.

Fabian aus Güstrow: So geht es seiner Mama Dorina

An den Verhandlungstagen, an denen Fabians Mama Dorina L. nicht teilnahm, wurden immer wieder Bilder vom Tatort gezeigt. Fotos vom Tümpel bei Klein Upahl, an dem die Leiche des Jungen am 14. Oktober gefunden wurde. Und Fotos der Leiche selbst.

Bilder, so schlimm, dass der Vorsitzende Richter die anwesenden Zuschauer und die Pressevertreter immer wieder warnte. Und dazu aufrief, den Gerichtssaal zu verlassen, wenn man dem Anblick nicht gewachsen sein sollte. Es ist nicht verwunderlich, dass Fabians Mama Dorina L. an diesen Tagen nicht vor Gericht erschien.

Das bedeutet aber nicht, dass sie davon nichts mitbekommen hat. Das sagte sie jetzt in einem Interview mit dem YouTube-Kanal „Jens fragt nach“. „Das geht an einem nicht vorbei – und es interessiert mich natürlich auch, was mit Fabian passiert ist“, sagt Dorina L. Im Detail habe sie sich die Berichte aus der Verhandlung nicht angeschaut, nur video-Reels verschiedener Zeitungen. „Wenn ich gemerkt habe, dass mir das zu viel wird, habe ich aber wieder ausgemacht.“

Der Prozess im Mordfall Fabian aus Güstrow wird vor dem Landgericht Rostock geführt.
Der Prozess im Mordfall Fabian aus Güstrow wird vor dem Landgericht Rostock geführt.Jens Büttner/dpa

Auch mit Freunden habe sie immer wieder darüber gesprochen – und gesagt bekommen, dass es gut war, dass sie nicht an den Prozesstagen teilgenommen habe. „Ich selber weiß auch, dass ich das nicht geschafft hätte, vor Ort zu sein“, sagt Fabians Mama nun. Schon die Aussage der Polizistin zum Fundort der Leiche sei für sie sehr schwer gewesen. „Und sie hat das ja nur beschrieben.“

Polizistin sagte über Zustand von Fabians Leiche aus

Beim Prozess im Fall Fabian aus Güstrow hatte die Polizeibeamtin gesagt, dass der Leichnam von Fabian zu großen Teilen verbrannt gewesen sei. „Zum Teil waren noch Textilien zu erkennen. Ich erinnere mich noch an den Schuh.“

Und weiter: „Er war im Gesicht so stark verändert, dass wir ihn mit dem Foto nicht hätten erkennen können.“ Sie beschrieb die Leiche von Fabian „wie eine Puppe“. Die Schilderungen waren für Fabians Mama Dorina so schwer, dass sie von ihrer Anwältin zur Tür gebracht wurde, weinend den Saal verlassen musste.

Zu Hause sei der Umgang mit dem Thema während der vergangenen Prozesstage ein anderer gewesen: Wenn Freunde da sind, könne sie sofort darüber sprechen, was gerade in ihr vorgeht. „Und halt auch einfach weinen.“ Anwältin Christine Habetha bereitete Dorina L. nun auch auf die neue Verhandlung vor. Sagte ihr etwa, dass keine schlimmen Bilder mehr gezeigt werden. „Ich versuche auch, alle Termine wahrzunehmen, die ich kann“, sagt Fabians Mama.

Holger Schütt ist der Richter im Mordfall Fabian aus Güstrow. Er führt die Verhandlung und warnte die Zuschauer schon mehrfach, wenn Bilder vom Tatort gezeigt werden mussten.
Holger Schütt ist der Richter im Mordfall Fabian aus Güstrow. Er führt die Verhandlung und warnte die Zuschauer schon mehrfach, wenn Bilder vom Tatort gezeigt werden mussten.Jens Büttner/dpa

Zwar ist nicht ausgeschlossen, dass auch an den weiteren Prozesstagen furchtbare Bilder gezeigt werden müssen. Aber: Dafür gibt es bereits eine Lösung. „Wir werden es im Einvernehmen mit dem Gericht so organisieren: Wann immer die Tatorte wieder gezeigt werden müssen, wird sie den Gerichtssaal wieder verlassen“, sagte Anwältin Christine Habetha. Vor allem die Zeugen, die von der Angeklagten Gina H. angeblich schon vor dem auffinden von Fabians Leiche an den Tatort geführt wurden, wolle Dorina aber im Prozess unbedingt hören.

Fabians Mama will Gina H. einfach nur anschreien

Nun schaut Fabians Mama also auch der Angeklagten Gina H. wieder ins Gesicht. „Heute kam ganz doll die Wut hoch – und immer mehr das Bedürfnis, sie einfach nur anzuschreien“, sagte sie im Interview über den zehnten Prozesstag am vergangenen Dienstag. Doch sie wolle das Geschehen vor Gericht natürlich nicht stören.

„Es geht nun mal um Fabian und nicht darum, was ich gerade denke. Ich möchte, dass es aufgeklärt wird.“ Das Verhalten von Gina H. macht sie sprachlos. „Sie kritzelt da rum, legt sich da auch in den Sitz rein … es macht mich nur noch wütend.“

Die Angeklagte Gina H. versteckt sich hinter einem roten Hefter vor den Fotografen der Presse. Sie soll den kleinen Fabian aus Güstrow getötet haben.
Die Angeklagte Gina H. versteckt sich hinter einem roten Hefter vor den Fotografen der Presse. Sie soll den kleinen Fabian aus Güstrow getötet haben.Jens Büttner/dpa

Das wirft die Anklage Gina H. vor

Gina H. wird verdächtigt, den acht Jahre alten Fabian getötet zu haben. Sie soll ihn am 10. Oktober aus dem Haus seiner Mutter in Güstrow gelockt haben und mit ihm zu einem Feld bei Klein Upahl gefahren sein. Am Rand eines Tümpels soll sie ihn mit sechs Messerstichen getötet haben. Dann, so die Staatsanwaltschaft in der Anklage, habe sie den Tatort verlassen, sei aber später zurückgekehrt, um die Leiche des Jungen mit Grillanzünder in Brand zu stecken.

Ob sich die Tat wirklich so zugetragen hat, wird sich zeigen. Für Gina H. gilt bis zu einer Verurteilung die Unschuldsvermutung.

Haben Sie den Fall Fabian verfolgt? Schicken Sie uns Ihre Meinung per Mail an wirvonhier@berlinerverlag.com. Wir freuen uns über Ihre Zuschriften!