Sprachnachrichten enthüllen es

Mordfall Fabian aus Güstrow: Hielt sein Vater Gina H. für verdächtig?

Neue Sprachnachrichten im Fall Fabian bringen den Vater unter Druck. Hielt er Gina H. selbst für verdächtig? Der Prozess nimmt eine Wende.

Author - Florian Thalmann
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Im Fall Fabian aus Güstrow muss sich Gina H. vor Gericht verantworten. Fabians Vater stellte sich im Prozess bereits hinter die Angeklagte, doch eine Sprachnachricht sorgt nun für Risse in dem Bild.
Im Fall Fabian aus Güstrow muss sich Gina H. vor Gericht verantworten. Fabians Vater stellte sich im Prozess bereits hinter die Angeklagte, doch eine Sprachnachricht sorgt nun für Risse in dem Bild.Bernd Wüstneck/dpa

Im Prozess um den Mord an dem kleinen Fabian aus Güstrow ging es in den vergangenen Wochen längst nicht nur um die angeklagte Gina H., sondern mehrfach auch um den Vater von Fabian. Der Grund: Matthias R. hatte damit für Aufsehen gesorgt, dass er sich vor Gericht hinter die Tatverdächtige stellte. Die beiden seien wieder ein Paar, hieß es – und er habe sie immer wieder in der Haft besucht. Das Problem dieser Aussagen kommt jetzt ans Licht: Beim neuesten Verhandlungstag wurde auch eine Sprachnachricht vorgespielt, die klar belegt, dass er seine damalige Ex-Partnerin für verdächtig hielt!

Fall Fabian: Sprachnachrichten von Gina H. vorgespielt

Wie an den meisten anderen Prozesstagen im Fall Fabian wurden auch am Dienstag Sprachnachrichten von Gina H. vorgespielt. Sie waren anscheinend das wichtigste Kommunikationsmedium der 30-Jährigen, bevor sie von den Ermittlern im Fall Fabian als Tatverdächtige eingeordnet und Anfang November festgenommen wurde. Aber auch Nachrichten, die sie bekam und Nachrichten von Fabians Vater Matthias R. spielten in dem Prozess schon eine Rolle. Und die verraten viel über das Verhältnis der beiden.

Eine neue Sprachnachricht sorgt jetzt für Aufsehen: Fabians Vater Matthias R. soll sie am 14. Oktober per Snapchat an die Schwester von Gina H. verschickt haben. Es war der Tag, an dem Fabians Leiche an einem Tümpel bei Klein Upahl gefunden wurde.

„Ich wollte nur noch sagen, S., dass deine Schwester ganz schön verdächtig ist in dem Fall“, sagte er laut Berichten in der Nachricht. „Nur als Info. Schönen Abend noch.“ Eine brisante Aussage, stellte sich Fabians Vater bisher doch hinter Gina H.

Fabians Mutter Dorina L. mit ihrer Anwältin Christine Habetha vor Gericht. Sie nimmt als Nebenklägerin am Prozess um den Mord an ihrem Sohn teil.
Fabians Mutter Dorina L. mit ihrer Anwältin Christine Habetha vor Gericht. Sie nimmt als Nebenklägerin am Prozess um den Mord an ihrem Sohn teil.Bernd Wüstneck/dpa

Während seiner Aussage vor Gericht gab er etwa bekannt, dass er und Gina H. wieder ein Paar seien. Schon vor Monaten hatten sie sich getrennt – die Ermittler vermuten in der Trennung das Motiv für den Mord an Fabian. Denn: Nachdem die Beziehung in die Brüche ging, kam Matthias R. wieder verstärkt mit seinem Sohn Fabian in Kontakt.

Er wollte dieses Verhältnis nicht aufs Spiel setzen, indem er die Beziehung zu Gina H. wieder aufnahm – und ließ sie deshalb offenbar abblitzen. „Erbost über die nun endgültig erscheinende Trennung“ soll sie die Tat begangen haben, heißt es in der Anklageschrift.

Anklage wirft Gina H. Mord an Fabian vor

„Sie handelte ziel- und zweckgerichtet, um durch die Tötung einen Streitpunkt mit Matthias R. zu begraben und diesen wieder für sich gewinnen zu können“, so die Staatsanwaltschaft weiter. Und Matthias R.? „Ich stehe offen und ehrlich hinter ihr“, sagte er etwa während der Verhandlung.

Während des Verfahren wandte er sich laut Prozessbeobachtern auch einmal direkt an die Angeklagte, sagte: „Ich glaube dir.“ Schon während ihrer Zeit in der Untersuchungshaft kümmerte sich Fabians Vater um die Pferde von Gina H – und scheint das auch weiterhin zu tun.

Die Aussagen brachten die Staatsanwaltschaft auch schon dazu, den Vater in den Fokus zu nehmen. „Der Vater wurde hier als Zeuge vernommen. Die Staatsanwaltschaft sah sich dann am Ende des Prozesstages offenbar veranlasst, ein Ermittlungsverfahren gegen ihn einzuleiten wegen falscher Aussage vor Gericht“, sagte Anne Kruse, Sprecherin des Landgerichtes Rostock, in einem Interview mit dem Youtube-Kanal „Jens fragt nach“. „Das Verfahren läuft noch – wie das ausgeht, muss man dann sehen.“

Auf die weitere Verhandlung im Fall Fabian wirke sich das aber nicht aus. „die Kammer muss sowieso bei jeder Aussage gewichten: Ist sie glaubhaft oder ist sie nicht glaubhaft?“ Alle Beweismittel, die es gibt – von früheren Aussagen bis Sprachnachrichten – müssen dabei betrachtet werden.

Gina H. bei der Verhandlung im Fall Fabian am Dienstag vor Gericht. Sie wird verdächtigt, den acht Jahre alten Jungen getötet zu haben.
Gina H. bei der Verhandlung im Fall Fabian am Dienstag vor Gericht. Sie wird verdächtigt, den acht Jahre alten Jungen getötet zu haben.Bernd Wüstneck/dpa

Wie im aktuellen Fall: Dass Matthias R. Gina H. laut seiner Sprachnachricht an die Schwester der Angeklagten für Verdächtig hielt, sorgt für Risse in dem Bild, das er scheinbar vermitteln wollte. Auch andere Nachrichten zeigen das immer wieder.

So warf er ihr einmal vor, ihn zu kontrollieren. Eine Nachricht vom aktuellen verhandlungstag zeigt das sehr gut. „Bist du heute durch die Gegend gefahren und warst nicht den ganzen Tag auf Arbeit?“, fragte Gina H. ihn laut Berichten in einer Sprachnachricht. Er antwortete, er sei nur kurz bei Aldi gewesen, um etwas zum Trinken zu holen. Sie fragte daraufhin: „Und warum erzählst du mir das nicht?“

Für Gina H. gilt im Fall Fabian die Unschuldsvermutung

Gina H. wird vorgeworfen, den kleinen Fabian aus Güstrow am 10. Oktober 2025 unter einem Vorwand aus dem Haus seiner Mutter gelockt zu haben. Sie soll mit ihm zu einem Feld bei Klein Upahl gefahren sein, dort liefen sie zum Ufer eines Tümpels.

Hier tötete sie ihn laut Staatsanwaltschaft mit mindestens sechs Messerstichen im Bereich des Oberkörpers. Anschließend entfernte sich sie zunächst vom Tatort, kehrte aber später zurück.

Die Ermittler sind sicher: Nach der Rückkehr „übergoss die Angeklagte die Kleidung des Leichnams mit einem im Auto mitgeführten flüssigen Grillanzünder und entzündete diesen“. Für Gina H. gilt bis zu einer Verurteilung die Unschuldsvermutung.

Haben Sie den Fall Fabian verfolgt? Schicken Sie uns Ihre Meinung per Mail an wirvonhier@berlinerverlag.com. Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften!