Auf diesen Verhandlungstag im Fall Fabian aus Güstrow haben viele Prozessbeobachter lange gewartet: Nach etlichen Zeugenaussagen im Prozess um den Mord an dem Achtjährigen im Oktober wurde am Donnerstag der Gerichtsmediziner vernommen, der an der Untersuchung des Leichnams von Fabian beteiligt war. Er schilderte vor Gericht eindrücklich, welche Erkenntnisse aus der Untersuchung gezogen werden konnten. Und machte damals erstmals öffentlich, woran der kleine Fabian aus Güstrow wirklich starb.
Woran starb der kleine Fabian aus Güstrow wirklich?
Bisher gab es im Fall Fabian aus Güstrow nur die doch recht kryptische Schilderung in der Anklageschrift. Die Ermittler glauben, dass Gina H., die Ex-Freundin und jetzt wieder Partnerin von Fabians Vater, den Jungen an einem Tümpel bei Klein Upahl mit sechs Messerstichen im Bereich des Oberkörpers tötete. Dann soll sich die heute 30-Jährige zunächst vom Tatort entfernt haben.
Später sei sie aber, so die Ermittler, zurückgekommen – und habe Fabians Leiche mit Brandbeschleuniger angezündet. Mutmaßlich wollte sie damit Spuren vernichten.
Woran Fabian genau starb, wurde allerdings nicht öffentlich. Bis jetzt. Denn am Donnerstag sagte Dr. med. Johannes Manhart vor Gericht aus, der Rechtsmediziner, der an der Untersuchung von Fabians Leiche beteiligt war. Ihm seien schon bei der Untersuchung vor Ort mehrere Verletzungen an Fabians Leiche aufgefallen, weshalb schnell der Verdacht aufkam, dass hier stumpfe Gewalt am Werk war.
Erst am Tag nach dem Fund der Leiche am Tümpel bei Klein Upahl wurden die sterblichen Überreste von Fabian dann auch in der Rechtsmedizin untersucht.

Der Gerichtsmediziner nannte nun auch erstmals die Todesursache: Seinen Erkenntnissen nach ist Fabian an den Stichverletzungen verblutet. Die Messerstiche seien gezielt in der Herzregion erfolgt. Und: Scheinbar wurden die Verletzungen im Liegen zugefügt – davon geht der Rechtsmediziner aus, weil die Gewaltintensität sehr hoch gewesen sei. So sei etwa das Brustbein durchstochen gewesen. Eine Verletzung, für die es viel Kraft braucht. „Theoretisch ist das auch im Stehen möglich, dann bedarf es eines hohen Impulses“, sagte der Gerichtsmediziner.
Fall Fabian aus Güstrow: Keine Abwehrspuren festgestellt
Auch weitere Erkenntnisse gibt es zu Fabians Tod. Zum einen sehen keine Spuren von Betäubungsmitteln festgestellt worden – Fabian wurde also nicht beispielsweise mit Medikamenten außer Gefecht gesetzt. Und: Es wurden keine Abwehrspuren festgestellt, heißt es in Berichten vom aktuellen Prozess. Allerdings seien die Oberarme so stark verbrannt gewesen, dass sie nicht darauf untersucht werden konnten. Die rechte Hand von Fabian wiederum sei gut erhalten gewesen.

Auch hier: Keine Spuren von Abwehr. Das passt zur Theorie der Ermittler: In der Anklage hieß es, dass Fabian bei dem plötzlichen Angriff mit dem Messer keinerlei Chance gehabt habe, sich zu wehren. Nicht klar ist, wie lange Fabian tot war, bevor die Leiche verbrannt wurde. Das Problem: Laut dem Rechtsmediziner ist es sehr selten, dass Leichen bei solchen Taten angezündet werden, weshalb es dazu nur wenig Forschungsgrundlagen gibt. Man könne nicht genau sagen, ob die Leiche unmittelbar nach dem Zufügen der Messerstiche angezündet wurde – oder doch erst eine ganze Weile danach.
Zuschauer sollten im Fall Fabian draußen bleiben
Die Aussage des Gerichtsmediziners im Prozess um den Mord an Fabian auas Güstrow sollte eigentlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden – zumindest sollte darüber beraten werden, hieß es am Tag zuvor. Christine Habetha, die Anwältin von Fabians Mutter Dorina L., hatte den Antrag gestellt.
„Ich wollte einfach einen Akzent setzen und darauf hinweisen, was hier eigentlich für Bilder gezeigt werden“, sagte sie in einem Interview. Außerdem betonte sie, die Öffentlichkeit habe bereits mehrere Gelegenheit gehabt, „zu sehen, was der Mörder getan hat. Wir wollen das Andenken von Fabian und seine Würde bewahren.“



