Der letzte große Auftritt von Buckelwal Timmy an der dänischen Küste: Er hat begonnen! Nachdem der Wal erst wochenlang immer wieder in Deutschland strandete, dann vermeintlich gerettet und in die Nordsee geschleppt wurde und letztendlich vor der dänischen Insel Anholt verendete, wird das Tier nun zerlegt. Seit dem späten Nachmittag sind die Profis am Werk, schneiden Timmy bei der Obduktion in Stücke. Die Experten wollen die Ursache für seinen Tod ergründen. Aber: Was passiert mit Timmys Überresten? Vermutlich bekommt der Wal ein überraschendes zweites Leben.
Buckelwal Timmy wird in Dänemark obduziert
Als Timmy noch in Deutschland auf einer Sandbank lag und man damit rechnete, dass der Buckelwal stirbt, gab es bereits viele Ideen. So hieß es zwischenzeitlich, das Deutsche Meeresmuseum Stralsund und die Universität Rostock hätten Interesse am Skelett des Meeressäugers angemeldet.
Doch daraus dürfte nun nichts werden: Wochenlang gammelte Timmy am Strand vor der dänischen Insel Anholt – und bei der Obduktion richten sich nun noch einmal alle Augen auf den toten Wal.
Am späten Nachmittag rückten die Fachleute an und schnitten erst Löcher in den Körper, um das Fäulnisgas aus dem Inneren abzuleiten und die Gefahr einer Explosion zu reduzieren. Dann fingen sie an, den Körper zu zerlegen, schnitten sich durch die riesigen Fettschichten des Wals. Beobachter schilderten, dass sich Innereien und große Mengen Blut am Strand verteilten.
Der angekündigte schreckliche Geruch blieb allerdings aus, zumindest für die Augenzeugen – womöglich, weil der Wind günstig stand. Erste Erkenntnisse gibt es Stand jetzt noch nicht, im Magen des Wals wurde laut ersten Berichten allerdings ein Fischernetz gefunden.

Die Untersuchungen werden sicher noch eine ganze Weile dauern. Doch viele fragen sich schon jetzt: Was wird aus den Überresten des Wals, wenn er vollständig zerlegt ist? In Dänemark hat man Erfahrung mit der Entsorgung von Walkadavern, denn hier stranden regelmäßig Meeressäuger. Ein Sprecher des Unternehmens Daka Dänemark, das sich in der Vergangenheit schon um die Entsorgung toter Wale kümmerte, schilderte gegenüber t-online, dass die Kadaver in drei Komponenten geteilt werden.
Das passiert jetzt mit Buckelwal Timmy
Das Wasser werde gereinigt und in den Fjord geleitet, sagte er. Das Fett sammelt man hingegen separat, es wird in Biodiesel umgewandelt. Buckelwal Timmy könnte also ein zweites Leben als Treibstoff bekommen! Ob es für die Fans des Wals, den viele auch Hope nannten, eine gute Nachricht ist, darf allerdings bezweifelt werden.
„Und alles andere – Knochen, Sehnen und Haut – wird zu einer Art Mehl verarbeitet, die als Biomasse zur Verbrennung in einer Zementfabrik endet", sagt der Fachmann weiter. Timmy leistet so also einen kleinen Beitrag zu künftigen Bauprojekten.

Das Unternehmen habe allerdings keinen Auftrag für die Entsorgung bekommen – es handelt sich dabei lediglich um eine Experteneinschätzung. Am Strand wurden schon vor der Obduktion des Wals Container aufgestellt, vielleicht gibt es für die Einzelteile von Timmy auch eine andere Verwendung.
Dass aus dem Wal vermutlich Biodiesel hergestellt wird, liegt aber nahe: „Nach dem Sezieren bekäme das für Mecklenburg-Vorpommern zuständige Tierkörperbeseitigungsunternehmen SecAnim den Auftrag, die fachgerechte Entsorgung des Walkörpers zu übernehmen“, hieß es damals zur Zukunft von Timmys Überresten.
Wal Timmy: Aus allen Tieren wird etwas gemacht
Der Chef des Unternehmens erläuterte aber in einem Interview, dass nur der Grundstoff für Biodiesel hergestellt wird. „Rund zehn Prozent eines Tieres bestehen aus Fett – bei einem Wal vielleicht etwas mehr. Dieses Fett ist verwertbar für die Biodieselindustrie“, sagte er. Aus einem Wal von Timmys Größe könne man etwa 900 Liter Biodiesel herstellen.
Und das wäre nicht unüblich gewesen. „Wir machen aus allen Tieren etwas, die wir verarbeiten. Das ist nicht nur vernünftig, sondern auch gesetzlich vorgeschrieben. 100 Prozent eines Tieres werden verwertet.“


