Geht das zu weit?

Sie lieben toten Wal Timmy: Fans von Hope können nicht mehr schlafen

Der tote Buckelwal Timmy bewegt viele Menschen stark. Einige Fans berichten sogar von Schlafproblemen und bekunden ihre Liebe.

Author - Florian Thalmann
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Der tote Buckelwal Timmy liegt aktuell am Strand der dänischen Insel Anholt, soll bald obduziert werden. Vielen Fans lässt die Geschichte keine Ruhe.
Der tote Buckelwal Timmy liegt aktuell am Strand der dänischen Insel Anholt, soll bald obduziert werden. Vielen Fans lässt die Geschichte keine Ruhe.Marcus Golejewski/dpa

Trotz Hoffen und Bangen: Buckelwal Timmy ist – so scheint es – Geschichte. Seit Tagen liegt der verendete Wal vor der dänischen Insel Anholt. Am Donnerstag soll Timmy, der von vielen auch Hope genannt wurde, obduziert werden, Experten wollen mehr zur Todesursache erfahren. Doch obwohl das Schicksal besiegelt ist, ist die Geschichte für viele Fans des Wals noch nicht vorbei. Anhänger des Buckelwals schildern jetzt im Internet, dass sie wegen Timmy schon nicht mehr schlafen können. Geht das zu weit?

Fans können wegen Wal Hope nicht mehr schlafen

In den sozialen Netzwerken haben sich in den vergangenen Wochen gleich mehrere Fan-Gruppen gegründet, in denen sich Fans von Buckelwal Timmy oder – wie er von anderen genannt wurde: Hope – über das austauschen, was sie beschäftigt.

Hier werden aber nicht nur die aktuellsten Nachrichten zum Wal ausgetauscht, sondern auch Beiträge über die eigene Verfassung angesichts des Wal-Dramas verfasst. Es sind Beiträge, die die Frage aufwerfen, warum vielen das Schicksal von Hope so nahe geht.

Schon vor Tagen fragte etwa ein Nutzer in einer Fan-Gruppe, ob andere Mitglieder auch nicht schlafen können, weil sie ständig an den Buckelwal Hope denken müssen. Etliche Kommentare finden sich unter dem Beitrag. „Ich kann auch nicht schlafen, weil ich hoffe, Timmy lebt“, schreibt eine Frau. „Er ist ein Kämpfer.“ Eine andere kommentiert: „Fühle mit dir, geht mir schon ewig so. Ich liebe ihn einfach, als wäre er ein Teil meines Lebens.“ Timmy sei letztlich ein Teil des Lebens von uns allen, schreibt sie. „Auch durch das lange Hoffen und Mitverfolgen der ganzen Tragödie.“

Der tote Wal wurde am vergangenen Wochenende an Land der dänischen Insel Anholt gezogen. Hier wartet das Tier nun auf die Obduktion.
Der tote Wal wurde am vergangenen Wochenende an Land der dänischen Insel Anholt gezogen. Hier wartet das Tier nun auf die Obduktion.Marcus Golejewski/dpa

Eine Nutzerin schreibt: „Ich kann auch nicht schlafen und weine noch immer.“ Und eine Frau kommentiert: „Ich denke Tag und Nacht an ihn und hoffe irgendwie auch, dass er frei ist, nach den ganzen Lügen.“ Und eine formuliert es so: „Ja, ihr Lieben, ich denke jeden Tag an Hope. Timmy er war ein schöner Wal.“

Andere Nutzer fotografieren sich selbst mit Timmy-Stofftieren, die sie im Bett ganz fest an sich drücken. Und auch unter zahlreichen anderen Beiträgen finden sich emotionale Kommentare wie: „Timmy, du wirst für immer einen Platz in meinem Herzen haben.“

Heftige Kritik an Fans von Buckelwal Hope

Doch es gibt nicht nur solche Stimmen. Für viele andere sind die Gedanken, die sich einige um den verendeten Wal machen, nicht mehr gesund. „Übertreiben wird in Deutschland großgeschrieben“, schreibt eine Nutzerin. In einem Kommentar heißt es: „Net ganz dicht seid ihr! Die ganz Republik lacht über euch!“

Und ein Nutzer schreibt: „Wer deshalb nicht schlafen kann, sollte ganz dringend zum Arzt. Aber am besten zu dem, der die Jacken verordnet, die hinten zugemacht werden.“

Mit einem Lastkahn hatte man den gestrandeten Wal timmy von der Ostsee in die Nordsee transportiert.
Mit einem Lastkahn hatte man den gestrandeten Wal timmy von der Ostsee in die Nordsee transportiert.Philip Dulian/dpa

Aber: Warum geht vielen das Schicksal von Timmy so unglaublich nah? Viele Experten haben versucht, eine Erklärung dafür zu finden. So sagt etwa Theologe und Biologe Rainer Hagencord vom Institut für Theologische Zoologie in Münster, dass wir Walen sehr nah seien, obwohl diese in einer ganz anderen Welt leben. „Ihr Sozialsystem und ihre Kommunikationsformen, etwa ihre Gesänge, sind uns sehr ähnlich. So ist das Mitgefühl mit dem Sterben des Tieres noch einmal ganz anders. Hier mischt sich das Erschrecken mit Ehrfurcht und Staunen darüber, dass es solche Lebewesen gibt.“

Psychiater erklärt, was hinter Hype um Hope steckt

Dr. Richard Musil ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und Chefarzt der Oberberg Fachklinik in Bad Tölz. Er berichtete in einem Interview, dass wir heute vor allem Nachrichten mit katastrophalem Ausmaß ausgesetzt seien, die für eine kollektive Ohnmacht sorgen. „Beim Wal war das auf den ersten Blick ähnlich – aber dann sind ein paar Menschen da hingefahren und haben gesagt: Ich weiß, wie wir helfen können. Hier gab es endlich die Chance, sich mal wieder einzubringen.“

Der Wal sei zudem ein Tier, das sehr positiv besetzt ist – er sei für uns eine Projektionsfläche des Guten, weshalb viele einfach mitfühlen und helfen wollen. Die Fähigkeit der Menschen zur Empathie habe sich bei Buckelwal Timmy stark kanalisiert. Zwar sei die Emotionalisierung bei manchen Menschen vielleicht schon bedenklich, sagt der Experte. „Aber grundsätzlich? Ich lebe gerne in einer Gesellschaft, die Mitgefühl für einen Wal hat“, sagt er.

Was halten Sie vom Hype um Buckelwal Timmy? Schicken Sie uns Ihre Meinung per Mail an wirvonhier@berlinerverlag.com. Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften!