Buckelwal Timmy liegt noch immer tot im Wasser in der Nähe der dänischen Insel Anholt – und das schon seit Tagen. Am Wochenende nun soll ein wichtiger Schritt gemacht werden, um den Fall des gestrandeten, geretteten und dann doch gestorbenen Wals endgültig aufzuklären. Das Tier wird an Land gezogen und obduziert, so zumindest der Plan. Doch der Eingriff ist nicht nur gefährlich, sondern auch kompliziert. In einem Interview legte ein Wal-Experte das Protokoll des Ekels offen und verriet, was an dem Wal gemacht wird.
Buckelwal Timmy könnte noch immer explodieren
Er strandete, dann wurde er gerettet – und nun liegt Buckelwal Timmy vor der dänischen Insel Anholt im Wasser. Die Geschichte des Wals, die Deutschland über Wochen bewegte, nimmt und nimmt kein Ende. Aktuell besteht noch immer die Gefahr, dass das riesige Tier explodiert, denn aufgrund der Fäulnisgase im Inneren bläht sich Timmy immer weiter auf. Am Wochenende soll der Meeressäuger obduziert werden. Mit dabei wird auch Meeresbiologe Peter Teglberg Madsen (50) sein.
Er verriet in einem Interview mit dem SPIEGEL bereits, dass der Eingriff gefährlich sein, dass Timmy wie eine Bombe entschärft werden müsse und das Tier dafür „entgast“ wird. Der Wal wird also angeschnitten, damit das Fäulnisgas im Inneren entweichen kann (KURIER berichtete).
„Der Gestank ist überwältigend, aber daran gewöhnt man sich“, sagte Madsen im Interview. Mehrere Stunden soll der Eingriff dauern und sehr anstrengend sein. Aber: Was passiert während der Obduktion und was wird mit Timmy gemacht?

Laut Madsen gibt es genau dafür ein vorgeschriebenes Protokoll. Zuerst soll der Wal auf äußere Verletzungen untersucht werden, dann wird Timmy ausgemessen und das Geschlecht bestimmt. Laut Medienberichten wurde der Mythos, dass Timmy tatsächlich ein männlicher Wal ist, schon entzaubert: Tatsächlich soll es sich um ein weibliches Tier handeln. „Nach dem Entgasen schneiden wir mit einem Wal-Spatel, also einem langen, breiten Messer durch die zentimeterdicke Blubberschicht und trennen das Fleisch von den Knochen“, erklärt Wal-Experte Madsen.
Forscher arbeiten sich durch Timmys Fett und Fleisch
Dann herrscht Arbeitsteilung am toten Wal. Der Meeresbiologe erklärt, dass sich ein Tierarzt die Augen und das Gehirn des Wals vornimmt, ein anderer arbeitet sich nach und nach durch die inneren Organe und knöpft sich Leber, Niere und den meterlangen Verdauungstrakt des Tieres vor. „Von allen Organen werden Proben entnommen und im Labor auf Krankheiten untersucht.“

Vor Krankheiten müssen sich auch die an der Untersuchung beteiligten Wissenschaftler schützen: Jeder, der sich dem Wal nähert, könne sich mit Viren und Bakterien infizieren. Die Obduktion muss deshalb in kompletter Schutzausrüstung stattfinden.
Das große Finale der Wal-Obduktion: Zum Schluss nehmen sich die Experten das Herz von Timmy vor. Das liegt gut verborgen im Inneren des Körpers, sodass sich die Wissenschaftler erst vorarbeiten müssen. Es soll bei einem Wal dieser Größe rund 50 Kilogramm wiegen, erklärt Madsen. Er rechnet damit, dass bei der Obduktion Parasiten gefunden werden und Plastik und Fischernetze im Magen.


