Immer mehr zeigt sich, dass unter den selbsternannten Walrettern viele Dilettanten waren. Menschen, die helfen wollten – und am Ende alles nur schlimmer machten. Was nun Walexperte Jeffrey Foster von der „Free Willy“-Crew enthüllt, wirft ein neues Licht auf die dramatischen Stunden vor Timmys Freilassung. Und auf das Leid des Buckelwals.
Falsch vermessen: Die Barge war für Timmy viel zu klein
Die gescheiterte Rettungsaktion begann mit einem folgenschweren Fehler. Timmy wurde nicht richtig vermessen, die Barge war deshalb zu klein, zu eng. Der Wal konnte sich kaum bewegen, geschweige denn drehen. In der Nacht vor der Freilassung verletzte sich das Tier schwer, berichtet Jeffrey Foster in BILD.
Jetzt schildert Foster erstmals detailliert, was sich auf hoher See abgespielt haben soll. Der Walretter leitete die Aktion selbst. In einem Protokoll beschreibt er die dramatischen letzten Stunden mit Timmy.
Demnach verschlechterte sich die Lage bereits in der Nacht zum 1. Mai. Hoher Wellengang erschütterte die Barge. Bei einer Krisensitzung beschlossen die Beteiligten, Timmy vorsorglich mit einem Satellitensender auszustatten. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Barge bereits mehr als 300 Seemeilen zurückgelegt — Richtung Skagerrak.
Gegen 10 Uhr untersuchten Foster und zwei Taucher den Buckelwal. Das Ergebnis schockierte offenbar selbst die Retter. Timmy hatte mehrere Verletzungen: Risswunden am Kopf, Abschürfungen rund um das Blasloch, eine große Wunde an der Schwanzflosse und eine aufgescheuerte Körperseite.
Die Sorge wuchs: Würde Timmy überhaupt noch eine weitere Nacht überleben?

Auch der Sender wurde zum Problem. Das Gerät war eigentlich für Robben gedacht — nicht für einen Buckelwal. Laut Foster musste improvisiert werden. Mit Feuerwehrschläuchen und Epoxidharz befestigte das Team den Tracker schließlich notdürftig.
Währenddessen wurde die See immer rauer. Immer wieder soll Timmy gegen die Metallwand der Barge geschlagen sein. Die „Free Willy“-Experten drängten laut Foster deshalb auf eine sofortige Freilassung. Doch daraus wurde nichts.
Wegen einer stark befahrenen Schifffahrtsroute wurde die Aktion verschoben. Gleichzeitig zeigte sich das nächste Problem: Timmy war zu groß. Der Wal konnte sich nicht drehen. Foster beschreibt chaotische Zustände. Mehrere Personen hätten gleichzeitig Anweisungen gegeben. Absprachen seien ignoriert worden. Die geplante Befreiung wurde schließlich abgebrochen.
Über Sandsäcke schleifte man Timmy in die Nordsee
Am Abend beschlossen die Beteiligten einen neuen Plan. Die Barge sollte langsam Fahrt aufnehmen. Timmy sollte zum Heck bewegt und notfalls mit einem Schlepper hinausgezogen werden.
Doch am Morgen des 2. Mai lief offenbar alles anders. Schon gegen 6.30 Uhr legte die Crew plötzlich ab. Foster konnte noch auf die „Robin Hood“ gelangen. Sein Team blieb jedoch zurück. Deshalb verweigerte Foster laut BILD die Mitarbeit an der Aktion.
Vom Schlepper aus musste er dann zusehen, wie Timmy vor der Küste von Skagen aus der Barge gezogen wurde — offenbar mit deutlich mehr Kraft als vereinbart. Über Sandsäcke schleifte man den Buckelwal schließlich in die Nordsee.
Beim Auftauchen wirkte Timmy zunächst orientierungslos. Danach stabilisierte sich das Tier offenbar wieder. Die Satellitendaten zeigten später, dass der Wal noch mehrere Tage durch den offenen Ozean schwamm.
Aufgebläht: Jetzt droht Timmy zu explodieren
Am 15. Mai wurde Timmy tot vor der dänischen Insel Anholt gefunden. Bis heute ist unklar, woran der Buckelwal starb.
Unterwasseraufnahmen, die den toten Buckelwal Timmy zeigen sollen, werfen neue Fragen auf. Die Bilder zeigen deutliche Verletzungen am Körper des Tieres. Besonders auffällig: tiefe, längs verlaufende Kerben an der Schwanzflosse, der sogenannten Fluke.





