Die Erde bebt wieder bei Neapel. Am frühen Donnerstagmorgen erschütterte ein Beben der Stärke 4,4 die Region rund um die Phlegräischen Felder. Ein kurzer Moment – aber einer, der Millionen Menschen in Angst versetzt. Denn unter ihren Füßen schlummert Europas gefährlichster Supervulkan. Und die Vulkanaktivität nimmt zu – mit möglicherweise schlimmen Folgen für ganz Europa und die Welt.
Phlegräische Felder: Der Supervulkan bei Neapel erwacht
Das italienische Geophysik‑Institut registrierte das Beben um 5.50 Uhr, nur drei Kilometer tief. Das Epizentrum lag im Golf von Pozzuoli, direkt vor der Küstenstadt. Minuten später folgte ein Nachbeben. Für die Bewohner ist das längst Alltag.
Die Phlegräischen Felder liegen nur wenige Kilometer von Neapel entfernt. Ein dicht besiedeltes Gebiet, über eine Million Menschen leben dort. Und unter ihnen ein Vulkan, der schon einmal das Klima der Erde veränderte. Vor rund 40.000 Jahren schleuderte er so viel Asche in die Atmosphäre, dass sich die Temperaturen weltweit abkühlten. Weitere Ausbrüche folgten – vor 29.000 und 15.000 Jahren.
Jetzt steigt die Aktivität wieder. Und zwar schneller als je zuvor.
Seit 2005 beobachten Forscher einen gefährlichen Trend: mehr Gas, mehr Hitze, mehr Druck. Der Boden hebt sich – inzwischen um mehr als 1,60 Meter. Immer wieder bebt die Erde. Mal leicht, mal spürbar. Und jedes Mal wächst die Sorge, dass der Supervulkan aufwacht.
Der Supervulkan: Bricht die Erdkruste bis 2035?
Vulkanologe Davide Zaccagnino und sein Team haben die Daten der letzten 20 Jahre ausgewertet, wie wissenschaft.de berichtet. Ihr Ergebnis ist brisant: Die Aktivität folgt keinem normalen Muster. Sie beschleunigt sich – und zwar superexponentiell. Ein Prozess, der sich selbst verstärkt. Ein System, das immer sensibler reagiert. Ein Vulkan, der sich einem kritischen Punkt nähert.

„Sowohl die Untergrund-Deformation als auch die Seismizität zeigt eine deutliche und persistente Beschleunigung“, so die Vulkanologen. Die Forscher sprechen von einem möglichen „Regimewechsel“. Ein Moment, in dem die Erdkruste dem Druck nicht mehr standhält. Wann dieser Kipppunkt erreicht sein könnte? Zwischen 2033 und 2035. In weniger als zehn Jahren. „Hält der gegenwärtige Trend an, wird der Supervulkan dann in eine neue dynamische Phase eintreten.“
Was dann passiert, weiß niemand. Eine kleine Eruption? Ein Riss in der Kruste? Oder nur ein abruptes Nachlassen der Aktivität? Alles ist möglich. Eine große, zerstörerische Explosion halten die Experten jedoch für unwahrscheinlich. Noch fehlen typische Warnsignale wie tiefes Magma, das sich nach oben schiebt.

Doch die Gefahr bleibt real. Denn die Region ist verletzlich. Häuser stehen dicht an dicht. Straßen, Schulen, Krankenhäuser – alles liegt in der Gefahrenzone. Und die Menschen spüren, dass sich etwas verändert. Sie haben Angst, demonstrieren, verlangen von den Behörden Hilfe. Die Beben werden häufiger. Der Boden hebt sich weiter.


