Der Fall des ermordeten Fabian aus Güstrow beschäftigt das Landgericht in Rostock weiterhin – am Dienstag wurde in dem Kriminalfall des Jahres ein weiteres Mal verhandelt. Im Fokus steht Gina H., die Ex-Freundin und jetzt wieder Partnerin von Fabians Vater. Sie brachte sich selbst in den Fokus, weil sie es war, die die Leiche des kleinen Fabian mitten auf einem Feld bei Klein Upahl fand. Ein merkwürdiger Zufall? Vor Gericht ging es jetzt auch darum, wie Gina H. nach dem Fund der Leiche reagierte und wie die Polizisten vor Ort ihr Verhalten wahrnahmen.
Fabians Mutter Dorina L. am Dienstag nicht vor Gericht
Eigentlich will Dorina L., die Mutter des kleinen Fabian aus Güstrow, an jedem der Prozesstage vor dem Landgericht Rostock teilnehmen. Sie wolle Gerechtigkeit für Fabian, sagte sie in Interviews – und vor Gericht für ihren toten Sohn kämpfen.
Doch am Dienstag tauchte sie ein weiteres Mal nicht im Gericht auf, ließ sich von ihrer Anwältin Christine Habetha vertreten. Der Grund: Ein weiteres Mal wurde über das Auffinden der Leiche gesprochen – und der Richter zeigte schreckliche Bilder des toten Jungen.
„Es wird wieder Bilder geben, die schwer zu ertragen sind. Wenn Sie das nicht aushalten können, dann bitte verlassen Sie den Saal“, sagte der Richter laut Berichten in der Verhandlung. Laut Prozessbeobachtern seien die Fotos, die im Gerichtssaal vorgeführt wurden, nur schwer zu ertragen gewesen. Doch nicht nur anhand von Bildern wurde die Auffindesituation von Fabians Leiche erneut zum Thema gemacht. Es wurde auch ein Polizeibeamter vernommen, der zu den ersten Ermittlern am Tatort gehörte.

Der 46-Jährige sollte am 14. Oktober nach Klein Upahl fahren, weil eine Anruferin den Fund einer leblosen Person meldete. Am Ortseingang von Klein Upahl seien der Beamte und eine Kollegin dann auf Gina H. und eine Begleiterin getroffen. Die beiden hätten in ihrem orangefarbenen Geländewagen gesessen, der später auch beschlagnahmt und untersucht wurde und in dem zahlreiche DNA-Spuren sichergestellt werden konnten. Gemeinsam fuhren sie an die Stelle, an der die Frauen die Leiche entdeckt hatten.
Polizeibeamte ließen sich von Gina H. zu Fabian führen
Vor Ort hätten sich die Polizeibeamten von Gina H. schildern lassen, wie genau sie die Leiche gefunden hatten. Besonders eine Aussage der 30-Jährigen brannte sich bei dem Polizisten offenbar ins Gedächtnis. „Sie hat vorher gesagt, dass ihre Spuren da unten sind, weil sie mit ihrem Hund den Körper gefunden hat.“, sagte der Polizist. Mehrfach habe sie darauf hingewiesen, dass sie beim Auffinden der Leiche schon einmal am Ufer des Tümpels gewesen sei. Er habe das zuerst nicht hinterfragt.

Doch mit etwas Abstand wirke die Aussage seltsam. „Im Nachhinein kam uns das ein bisschen komisch vor. Als Polizisten wissen wir sowas ja“, sagt der Polizeibeamte laut Berichten vor Gericht. „Es machte uns ein bisschen stutzig, dass das von allein kommt.“ Als die Polizisten sich zum Fundort der Leiche begaben, seien die Frauen aber im Auto geblieben. Und wie wirkten Gina H. und ihre Begleiterin auf den Beamten? Eher aufgeregt, nicht traurig, sagte er. „Was ich erwartet hatte, war eine Niedergeschlagenheit. Das hat sich vor Ort nicht so dargestellt. Beide wirkten nicht getroffen, nicht geschockt.“
Bilder des toten Fabian waren schwer zu ertragen
Dabei hätte hier jeder einen Schock verstanden: Auf die Frage von Anwältin Christine Habetha, die die Mutter des getöteten Fabian in der Nebenklage vertritt, ob der Polizist den kleinen Fabian erkannt hätte, antwortete er mit „Hätte ich nicht, nein.“.
Bilder der Leiche, die im Gerichtssaal gezeigt wurden, werden von Prozessbeobachtern als erschütternd geschrieben. Nur Teile des Kopfes und der linke Arm seien nicht schwarz und verbrannt gewesen. „Es war schon sehr offensichtlich, dass der Körper nicht mehr lebt“, sagte der Polizeibeamte laut einem Bericht des Focus.


