Der vergangene Prozesstag im Mordprozess um den kleinen Fabian aus Güstrow – er hat bei allen Beteiligten Spuren hinterlassen. Der schockierende Auftritt von Fabians Oma vor Gericht sorgte für Diskussionen: Sie trat in einem Bier-T-Shirt auf und gab mehrfach an, vom Tod ihres Enkels nichts wissen zu wollen. Doch es wurde nicht der schlimmste Moment des Tages: Auch eine Polizistin sagte aus, beschrieb die Auffindesituation von Fabians Leiche. Fabians Mama Dorina L. musste den Gerichtssaal verlassen. In einem Interview beschrieb sie jetzt, was die Aussage mit ihr machte.
Fabians Mama Dorina L. muss viel Leid ertragen
Wie viel Leid muss Dorina L., die Mama von Fabian aus Güstrow, noch ertragen? Im Prozess um den Mord an ihrem Sohn tritt sie als Nebenklägerin auf, sitzt an jedem Verhandlungstag tapfer vor Gericht. Die Aussage, die eine Polizistin am vergangenen Donnerstag tätigen musste, war aber auch für die tapfere Frau nur schwer zu ertragen: In der Vernehmung schilderte die Polizeibeamtin, die an den Untersuchungen am Tatort beteiligt war, die Auffindesituation von Fabians Leiche.
Sie war an dem Tümpel bei Klein Upahl im Einsatz, an dem Fabian getötet und an dem später seine Leiche mit Brandbeschleuniger in Brand gesetzt wurde. „Der Kinderleichnam war zu einem großen Teil verbrannt“, sagte die Polizistin.
„Zum Teil waren noch Textilien zu erkennen. Ich erinnere mich noch an den Schuh.“ Man habe die Leiche noch grob identifizieren können, auch wenn das Gesicht so stark verändert war, dass man es anhand des Fotos nicht mehr hätte zuordnen können. „Es war wie eine Puppe“, so die Polizistin weiter. Die Leiche habe auf dem Rücken gelegen.

Die Beschreibung wurde zu viel für Fabians Mama Dorina L. Sie brach vor Gericht in Tränen aus, musste von ihrer Anwältin Christine Habetha aus dem Saal geführt werden. In einem Interview auf dem YouTube-Kanal „Jens fragt nach“ beschrieb sie jetzt, was die Schilderungen vom Tatort mit ihr machten. „Wo sie anfing, Fabian zu beschreiben, kamen gleich Bilder im Kopf. Das habe ich einfach nicht mehr ausgehalten.“ Sie habe so doll anfangen müssen zu weinen, dass ihre Anwältin sie aus dem Saal brachte. „Da musste ich erst mal durchatmen.“
Woher nimmt Fabians Mama Dorina L. die Kraft?
Ihr Kopf habe sofort etwas aus der Beschreibung gemacht. „Ich habe nur ganz wenig gehört – und das hat schon ganz, ganz viel in mir ausgelöst“, sagt Dorina L. „Sich das vorzustellen … Ich kann das nicht beschreiben.“ Sie sei innerlich sehr aufgewühlt gewesen, habe aber durch ihre Freunde, die sie begleiten, wieder Halt bekommen.
„Ich konnte dadurch schnell wieder zu mir finden und nachher beim weiteren Prozess auch wieder mitmachen.“ Dorina L. kehrte in den Gerichtssaal zurück, saß für den Rest des Verhandlungstages wieder auf der Nebenklagebank.

Wie hält sie das nur aus – und woher nimmt sie immer wieder die Kraft, sich all die Aussagen im Prozess um den toten Fabian aus Güstrow anzuhören? „Ich weiß es nicht – es ist immer der Gedanke an Fabi und dass ich das für Fabi durchstehen möchte“, sagt sie. „Das ist eigentlich der einzige Hintergedanke, dass ich das für Fabi mache – und was anderes gibt’s da auch nicht.“
Aus dem Wunsch nach Gerechtigkeit für ihren Sohn zieht sie die Energie: Sie hofft, dass der Mord aufgeklärt wird „und dass die Höchststrafe dann auch fällt für das, was passiert ist“, sagt sie.
So empfand Fabians Mama die Angeklagte Gina H.
Auch an diesem Verhandlungstag habe sie die Hauptverdächtige Gina H. im Gerichtssaal beobachtet. „Ich habe für mich empfunden, dass sie sehr desinteressiert war.“
Als es um Sprachnachrichten über das Sexleben zwischen Gina H. und Fabians Vater ging, habe sie wieder gekichert. Gina H. nehme, so der Eindruck der Mutter, kaum Anteil am Prozess – und versuche, Aussagen zu überhören. Gina H. muss sich in dem Verfahren verantworten, weil die Staatsanwaltschaft sicher ist, dass sie den acht Jahre alten Fabian aus Güstrow im Oktober 2025 getötet hat.


