Der vergangene Prozesstag im Fall Fabian aus Güstrow: Er dürfte bisher einer der schlimmsten des gesamten Verfahrens gewesen sein. Denn gleich mehrere Sachverständige tauchten bei ihren Aussagen vor Gericht tief in die Spurenanalyse an Fabians Leiche ein. Zuerst sagte der Gerichtsmediziner aus, erklärte die Verletzungen an den sterblichen Überresten des Jungen. Am Nachmittag enthüllte dann ein Sachverständiger für Brandspuren weitere Informationen über das Feuer, das die Leiche des Jungen offenbar vernichten sollte.
Anklage: Fabian mit Brandbeschleuniger angezündet
Schon kurz nach dem Auffinden der Leiche wurde klar: Die sterblichen Überreste des kleinen Fabian wurden angezündet. Rund um die Fundstelle der Leiche an einem Tümpel bei Klein Upahl wurde verbranntes Gras gesichtet – und Tage später bestätigten die Ermittler, dass der Täter oder die Täterin mit der Taktik offenbar Spuren vernichten wollte.
Laut Anklage soll Gina H., die Angeklagte im Mordfall Fabian, den damals acht Jahre alten Jungen getötet haben – mit mindestens sechs Messerstichen im Bereich des Oberkörpers, heißt es. Fabian soll keine Chance gehabt haben, sich zu wehren. Dann soll die mutmaßliche Täterin die Leiche mit Brandbeschleuniger angezündet haben.
Rund um das Feuer gab es jedoch ein Rätsel, das bereits bei der Verhandlung am Mittwoch thematisiert wurde - und das am Donnerstag laut Staatsanwalt Harald Nowack wichtig werden sollte. „Auffällig war, dass das Gesicht von Fabian wenig verbrannt oder gar nicht verbrannt war“, sagte er. „Wir werden noch darauf eingehen, warum das Gesicht relativ gut erhalten geblieben ist.“

Das heißt: Während der Körper von Fabian zu großen Teilen verbrannt war, blieben Teile seines Gesichtes unversehrt. „Auffällig war, dass die Körpermitte, der Bauch, sehr stark verbrannt war und der Kopf so gut wie gar nicht“, erklärte jetzt auch ein Sachverständiger für Brandspuren im Prozess. Der Experte sprach in dem Zusammenhang auch vom sogenannten „Dochteffekt“.
Dochteffekt im Fall Fabian: Das steckt dahinter
Dieser beschreibt, dass zunächst die Kleidung verbrennt, wenn ein Leichnam in Gang gesetzt wird. Anschließend verflüssigt sich das Körperfett, brennt dann weiter mit – wie bei einer Kerze, deren Flamme sich auch vom brennenden Wachs nährt.
Dafür spreche, dass es am Kopf der Leiche von Fabian kaum Verbrennungen gab – denn dort, wo keine Kleidung ist, könne es eben auch weniger Verbrennungen geben. In der weiteren Vernehmung gab der Sachverständige auch an, dass er nicht davon ausgehe, dass Fabians Gesicht gezielt mit Brandbeschleuniger übergossen wurde. „Ich würde eher sagen, dass das eher weniger benetzt wurde.“ Dafür spricht auch, dass an einer Seite des Kopfes noch Haare vorhanden gewesen seien.

Auch die Frage, wie genau die Leiche angezündet wurde, spielte eine wichtige Rolle während der Verhandlung am Donnerstag. Laut dem Sachverständigen hätte etwas mehr als ein halber Liter Brandbeschleuniger dafür gereicht. Spannend: Ein später im Gerichtssaal gezeigter Bildbericht der Polizei drehte sich auch um eine Flasche Grillanzünder der Marke „Ja!“, die bei einer Durchsuchung in der Garage von Gina H. gefunden wurde. Darin hätten, hieß es in Berichten, etwa 500 bis 600 Milliliter gefehlt.
Kein Brandbeschleuniger an Schuhen von Gina H.
Am Tatort sei außerdem ein Stoff nachgewiesen worden, der auch Bestandteil von Brandbeschleunigern ist – mit Ähnlichkeit zum „Ja!“-Grillanzünder, sagte ein Sachverständiger für forensische Chemie. Ganz identisch seien die Stoffe zwar nicht, aber das könne auch mit den Witterungseinflüssen erklärt werden.

Ein Zündmittel, also etwa ein Streichholz, habe man am Tatort nicht gefunden. Das verbrenne aber möglicherweise restlos, sagte der Sachverständige für Brandspuren bei seiner Aussage. An den Schuhen von Gina H., die untersucht wurden, konnte keine Spuren von Brandbeschleuniger nachgewiesen werden.


