Der Prozess im Mordfall Fabian aus Güstrow – er ist noch lange nicht beendet. Und trotzdem kommen schon jetzt immer mehr und immer neue furchtbare Details ans Licht. Nachdem es bei den letzten Verhandlungstagen vor allem um die Auffindesituation der Leiche ging, gab es am Donnerstagnachmittag noch ein ganz besonderes Beweisstück: Vor Gericht wurden abgehörte Telefonate von Gina H. abgespielt. In den Gesprächen redete sie unter anderem über Brandbeschleuniger – und dass sie betet, den Grillanzünder nicht in ihrem Auto zu haben.
Grillanzünder spielt im Fall Fabian wichtige Rolle
Mehrfach spielte der Grillanzünder an den vergangenen Verhandlungstagen im Prozess um den Mord an Fabian aus Güstrow eine wichtige Rolle. Denn die Leiche des Jungen wurde verbrannt – und mit Brandbeschleuniger angezündet. Die Staatsanwaltschaft glaubt, dass die Angeklagte Gina H. es getan hat. Erst soll sie den Jungen an einem Tümpel bei Klein Upahl mit sechs Messerstichen getötet haben – und dann soll sie versucht haben, die Spuren mit Feuer zu zerstören.
Am Tatort wurde eine chemische Substanz gefunden, die in Grillanzündern vorkommt und einem Grillanzünder der Marke „Ja!“ ähnelt, hieß es in Berichten. Gleichzeitig wurde vor Gericht besprochen, dass eine Flasche genau dieses Grillanzünders in einer Garage von Gina H. gefunden wurde.
In der Flasche fehlten zwischen 500 und 600 Milliliter. Das ist laut einem Brandsachverständigen die Menge, die ausreichend würde, um eine Leiche zu verbrennen. Zufall? Ob Gina H. die Tat wirklich begangen hat, ist unklar. Für sie gilt bis zu einer Verurteilung die Unschuldsvermutung.

Ihr Anwalt Andreas Ohm wirkt zumindest in einem Interview nicht überzeugt davon, dass die gefundene Grillanzünder-Flasche im Fall Fabian aus Güstrow irgendeine Beweiskraft hat.
Man habe die Hypothese des Sachverständigen gehört, dass möglicherweise ein Grillanzünder der Marke „Ja!“ genutzt wurde. „Das ist ja eine ganz gängige Marke eines großen Discounters hier“, sagt er. „Ich denke mal, gerade im dörflichen Bereich hat jedes zweite Gehöft einen Grillanzünder der Marke ,Ja!‘.“ Er sehe deshalb keine Belastung zu Lasten der Angeklagten.
Gina H. besaß eine Flasche des Grillanzünders
Zwar habe Gina H. eine Flasche des Grillanzünders gehabt. „Wie sie dahin gekommen ist, wem sie gehörte, werden wir sehen. Das war ein öffentlich zugänglicher Bereich. Es ist dörflicher Bereich – wie gesagt, es steht überall Grillanzünder rum.“
Im Prozess wurde auch darüber gesprochen, dass an den Schuhen von Gina H. keine Grillanzünder-Spuren gefunden wurden. Und: Thema wurde auch, warum das Gesicht von Fabian nicht verbrannt war, während sein restlicher Körper schlimme Brandspuren hatte. Laut des Brandsachverständigen sei der Grillanzünder womöglich nicht gezielt auf seinen Kopf geschüttet worden – es würde das Phänomen erklären.

Nun bringen allerdings auch Telefonaufzeichnungen Gina H. in Bedrängnis. Denn: Ihr Telefon wurde abgehört, die Anrufe jetzt auch vor Gericht vorgespielt. Mit einem Bekannten sprach sie dabei auch über Grillanzünder. „Ich bin mir keiner Schuld bewusst, ich habe nichts getan …“, sagte sie.
Und dann: „Scheiße, nicht dass ich den Brandbeschleuniger noch im Auto hab. Ich bete dafür, dass der nicht im Auto ist, sonst hängen die mir doch gleich den Scheiß an …“ Auch ihr Bekannter sagte Gina H. laut Berichten aus dem Gericht daraufhin, dass sie nun beten müsse.
Fall Fabian: Gina H. fürchtete, man wolle ihr „irgendeinen Scheiß anhängen“
Auch in einem anderen Telefonat gegenüber einem Bekannten wurde es zum Thema. Sie vermutete hier, man wolle ihr „irgendeinen Scheiß anhängen“. „Weil sie von ihm irgendwas im Auto gefunden haben … Wo nichts ist, kann ich auch nichts wegwischen.“
Ihr Bekannter argumentierte, Spuren im Auto könne man vielleicht noch irgendwie erklären. Gina H. soll aber auch gesagt haben: „Dann fängt’s an mit der Brandbeschleunigerflasche, die ich irgendwo mal im Auto liegen hatte. Ich weiß nicht, ob die noch da liegt, ich hoffe nicht.“


