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Dritter Streik in diesem Jahr: So hoch ist das Gehalt von Lufthansa-Piloten 2026

Lufthansa-Piloten verdienen überdurchschnittlich viel. Trotzdem eskaliert seit Monaten der Streit um Altersversorgung.

Author - Sharone Treskow
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Andreas Pinheiro, Präsident der Vereinigung Cockpit. Die Piloten der Airline gehören zu den Top-Verdienern – dennoch sorgen Streiks und Tarifkonflikte für neuen Ärger.
Andreas Pinheiro, Präsident der Vereinigung Cockpit. Die Piloten der Airline gehören zu den Top-Verdienern – dennoch sorgen Streiks und Tarifkonflikte für neuen Ärger.Revierfoto/Imago

Piloten bei der Lufthansa gehören zu den Top-Verdienern, und doch immer wieder wird gestreikt. Kurz nach den Osterferien legten die Flieger erneut die Arbeit nieder. Es war bereits der dritte Ausstand in diesem Jahr. Unter der Leitung eines unparteiischen Coaches treffen sich Vertreter der Lufthansa und der Gewerkschaft Unabhängige Flugbegleiter Organisation (UFO) Ende Juni zum Beziehungsgespräch. Der Streitpunkt: die Altersversorgung. Nach Ansicht der Pilotenvertretung Vereinigung Cockpit (VC) zahlt das Unternehmen zu wenig ein.

Wollen die Lufthansa-Piloten zu viel?

Das Management sieht das ganz anders. Die Lage der Airline lasse höhere Beiträge derzeit nicht zu. Seit Monaten kämpft die Premiummarke darum, aus der Verlustzone zu kommen. Personalvorstand Michael Niggemann stellte in einem unternehmensintern veröffentlichten Interview klar: „Nur weil die VC mehr Arbeitgeberleistungen fordert, können wir doch nicht die Zukunftsfähigkeit des gesamten Unternehmens weiter verschlechtern.“ Die Altersversorgung bewege sich bereits auf Spitzenniveau, auch im Vergleich zu anderen Airlines in Europa.

Lufthansa-Pilotin am Flughafen. Der Konzern findet, die Flieger wollen zu viel.
Lufthansa-Pilotin am Flughafen. Der Konzern findet, die Flieger wollen zu viel.Joaquim Ferreira/Imago

Auch Lufthansa-Airlines-Chef Jens Ritter verwies auf die guten Bedingungen für die Piloten. Diese lägen „deutlich über denen der anderen Gesellschaften in der Gruppe“. Trotzdem wird weiter gestreikt. Ein Widerspruch, so der Manager. Tatsächlich zählen die rund 4500 Piloten bei Lufthansa Airlines und Lufthansa Cargo zu den Spitzenverdienern im Konzern.

Pilotengehalt Lufthansa: Bis zu 300.000 Euro möglich

Schon der Einstieg ist lukrativ: Ein First Officer verdient laut Unternehmen rund 88.600 Euro im Jahr. Wer Karriere macht, kann deutlich mehr verdienen. Kapitäne erreichen in der höchsten Erfahrungsstufe ein Fixgehalt von bis zu 281.300 Euro jährlich. Mit Zulagen und Gewinnbeteiligung sind in Einzelfällen sogar mehr als 300.000 Euro drin.

Deutlich niedriger fallen die Gehälter bei der Konzern-Tochter Eurowings aus. Dort beginnen Co-Piloten mit etwa 70.200 Euro jährlich. Kapitäne kommen maximal auf rund 202.300 Euro – etwa 80.000 Euro weniger als bei Lufthansa. Auch hier erhöhen Zusatzleistungen wie Mehrflugstunden oder Sonderfunktionen das Einkommen.

Dreimal haben die Lufthansa-Piloten in diesem Jahr schon gestreikt (Symbolbild).
Dreimal haben die Lufthansa-Piloten in diesem Jahr schon gestreikt (Symbolbild).Marcin Golba/Imago

Wie viel ein Pilot verdient, hängt von mehreren Faktoren ab. Entscheidend sind unter anderem das geflogene Flugzeug, die Berufsjahre und die sogenannten Blockstunden – also die Zeit vom Start bis zur Landung. Ein direkter Vergleich innerhalb des Konzerns bleibt deshalb schwierig, zumal Lufthansa auch Langstreckenpiloten beschäftigt, die in der Regel besser verdienen als Kurzstreckenkollegen.

Pilotenausbildung Kosten: Einstieg ab 10.000 Euro Eigenkapital

Wer Pilot werden will, muss zunächst tief in die Tasche greifen. Eine Ausbildung an der European Flight Academy kostet rund 120.000 Euro. Allerdings hat Lufthansa die Bedingungen verbessert: Bewerber müssen heute nur noch 10.000 Euro Eigenkapital mitbringen.

Den Rest finanziert der Konzern vor. Die Rückzahlung beginnt erst, wenn Berufseinsteiger mindestens 30.000 Euro brutto im Jahr verdienen. Je höher das Gehalt, desto schneller wird die Summe zurückgezahlt. So soll der Einstieg in den Traumberuf erleichtert werden.

Lufthansa-Piloten verdienen sehr gut – müssen dafür mitunter aber auch einiges in ihre Ausbildung investieren.
Lufthansa-Piloten verdienen sehr gut – müssen dafür mitunter aber auch einiges in ihre Ausbildung investieren.Frank Hoermann/Sven Simon/Imago

Trotzdem bleibt die Branche komplex und nicht frei von Konflikten. „Es gibt bei den Piloten der Lufthansa-Gruppe eine Zweiklassengesellschaft“, sagt Luftfahrtberater Gerald Wissel dem Handelsblatt. Unterschiede zeigen sich nicht nur beim Gehalt, sondern auch bei Zusatzleistungen.

Lufthansa-Umbau sorgt für neuen Streit

Ein weiterer Streitpunkt: die strategische Neuausrichtung des Konzerns. Kurzstreckenflüge, die als Zubringer für Langstrecken dienen, sollen zunehmend von der Tochter Lufthansa City Airlines übernommen werden. Dort arbeitet das Personal zu günstigeren Konditionen – ein Dorn im Auge vieler Piloten der Kernmarke.

Früher sicherte eine Vereinbarung sogar eine Mindestgröße der Flotte und damit verlässliche Flugzeiten. Diese Regel wurde jedoch in der Corona-Krise gestrichen – sehr zum Unmut der Pilotenvertretung. Nun landet der Konflikt vor Gericht.

Die strategische Neuausrichtung des Konzerns schmeckt vielen Piloten nicht (Symbolbild)
Die strategische Neuausrichtung des Konzerns schmeckt vielen Piloten nicht (Symbolbild)Maurizio Gambarini/Imago

Hinzu kommt wachsender Druck im Arbeitsalltag. Einfluss auf Dienstpläne nimmt ab, administrative Aufgaben steigen. Dennoch gelten die Lufthansa-Piloten weiterhin als privilegiert. Für Experten ist klar: Der Konzern muss seine Tarifstruktur reformieren. Ziel ist ein System, das transparenter und langfristig tragfähig ist – für Unternehmen und Beschäftigte gleichermaßen.

Wie ist Ihre Meinung zu den Gehältern der Lufthansa-Piloten? Schicken Sie uns einen Leserbrief per Mail an leser-bk@berlinerverlag.com.