Der Bund verkauft die Insel Müggelwerder mitten im Müggelsee und im Berliner Bezirk Treptow-Köpenick herrscht Alarmstimmung. 8000 Quadratmeter Traumlage mit Wasserblick, in einer Gegend, in der der Quadratmeter rund 5000 Euro kostet: Das klingt nach dem Immobilien-Deal des Jahres. Doch auf der geheimnisvollen Insel gilt strenges Bauverbot, Naturschutz und Altlasten-Verdacht. Wer kauft so etwas – und mit welchem Plan?
Geheimnisvolle Insel mit Bilderbuch-Lage
Rund 200 Meter lang, dicht überwuchert, abgeschirmt von einem hohen Zaun – so präsentiert sich Müggelwerder heute. Wer mit der BVG-Fähre F23 über den See schippert, kann von Rahnsdorf aus einen Blick auf das mysteriöse Eiland werfen. Mehr aber auch nicht, denn die Straße auf die Insel endet abrupt hinter dem Ufer.

Zwischen wildem Gestrüpp lugen die Reste alter Gebäude hervor, eine zerfallene Hütte am Wasser ist längst zum Refugium für Wasservögel geworden. Auf dem Papier gehört das Areal seit 2005 der Bundesrepublik Deutschland und wird von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) verwaltet.
Bund schreibt Müggelwerder zum Verkauf aus
Damit soll jetzt Schluss sein. BImA-Sprecherin Christiane Worring bestätigte gegenüber rbb|24, die beiden Grundstücke Seestraße 82 und 82a „noch dieses Jahr im Rahmen eines Bieterverfahrens auf dem offenen Immobilienmarkt anzubieten“. Einen festen Kaufpreis nennt der Bund nicht. Aber Interessenten dürfen für die insgesamt 8000 Quadratmeter individuelle Angebote abgeben.
Und die könnten saftig ausfallen: Wasserlage, Traumaussicht, totale Abgeschiedenheit – auf dem gegenüberliegenden Rahnsdorfer Ufer kostet der Quadratmeter laut „ImmoScout“ stolze 5000 Euro. Hochgerechnet wären das theoretisch 40 Millionen Euro, wenn da nicht ein dicker Haken wäre.
Schnäppchen mit Haken: Bauverbot im Vogelparadies
Auf Müggelwerder darf nämlich schlicht nichts gebaut werden. Die Insel liegt im Fauna-Flora-Habitatgebiet „Müggelspree-Müggelsee“ und gleichzeitig im Trinkwassereinzugsgebiet des Wasserwerks Friedrichshagen.

Laut Bundesamt für Naturschutz tummeln sich hier alte Eichenwälder, Moorlandschaften, Biber, Fischotter und sogar die bundesweit bedrohte Trauerseeschwalbe. Teile gehören zusätzlich zum Natur- und Landschaftsschutzgebiet „Müggelsee und Fredersdorfer Mühlenfließ“. Ein klarer Fall also – sollte man meinen.
Bezirksbürgermeister Igel warnt vor Investoren
Genau deshalb ist man im Rathaus Treptow-Köpenick alarmiert. Bezirksbürgermeister Oliver Igel (SPD) findet im Gespräch mit rbb|24 deutliche Worte: „Da werden keine Schlösser gebaut. Da werden keine großen Wohnungen gebaut. Da lässt sich kein großes Geld mit verdienen.“
Seine Sorge: Ein Investor könnte später Druck auf Bezirk und Senat ausüben, um die strengen Auflagen aufzuweichen. Schließlich wurde die Insel früher schon einmal touristisch genutzt. Für Igel ist die Sache eindeutig: „Wir bauen an ganz vielen Stellen, wir stören und zerstören sehr viel Natur. Deswegen muss es Orte in dieser Stadt geben, die auch renaturiert werden.“
Trauminsel mit dunkler Vergangenheit
Wer die wilde Insel heute sieht, ahnt kaum, wie geschichtsträchtig sie wirklich ist. Um 1900 lockte hier eine Ausflugsgaststätte die Berliner an, 1938 übernahm eine Hotelgesellschaft das Areal. Im Zweiten Weltkrieg dann der traurige Bruch: Die Nationalsozialisten funktionierten das Restaurant zu einem Fremdarbeiterlager um. 1945 beschlagnahmte die Rote Armee die Grundstücke und richtete ein Hilfslazarett ein, in den Gebäuden wurden Krankenschwestern untergebracht.

Ab 1956 zogen DDR-Forschungseinrichtungen auf die Insel, später nutzte sie das Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei – bis das Areal schließlich an den Bund überging.


