Insel in der Ostsee

Für 60.000 Euro! DDR-Militäranlage vor Rügen hat einen neuen Besitzer

Die Geisterinsel in der Ostsee vor Rügen, eine ehemalige Station der DDR-Marine, kam heute unter den Hammer.

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Die ehemalige Entmagnetisierungsanlage der DDR-Marine im Greifswalder Bodden vor Rügen
Die ehemalige Entmagnetisierungsanlage der DDR-Marine im Greifswalder Bodden vor RügenPhilip Dulian/dpa

Die ungewöhnlichste Immobilie im Greifswalder Bodden hat einen neuen Besitzer: Die ehemalige DDR‑Militärstation vor Rügen, eine verfallene Entmagnetisierungsplattform der Volksmarine, wurde heute in Hamburg versteigert. Nach 20 Geboten fiel der Hammer bei 60.000 Euro. Das Mindestgebot lag bei 39.000 Euro. Den Zuschlag erhielt das österreichische Unternehmen McCube, das auf modulare Fertighäuser spezialisiert ist. Doch was fängt man heutezutage an mit diesem zwar  einzigartigen, aber maroden Relikt aus Zeiten des kalten Krieges?

DDR-Geisterinsel in der Ostsee vor Rügen

Geradezu gespenstisch muten heute die Gebäude auf der Plattform aus Beton mitten im Meer an, die seit der Wiedervereinigung zunehmend verfallen. Türen und Fenster sind aus den Angeln gerissen, die Holzdielen teils eingestürzt. Grünspan hat sich ausgebreitet, Bauteile sind von Rost angefressen. Und die Vögel, die die Anlage längst für sich eroberten, haben mit ihrem Kot zum trostlosen Anblick beigetragen.

Lost Place im Meer vor Rügen. Die DDR-Militärstation Ostervilm, auf der noch ein alter  Campinganhänger lagert und eine Glockenskulptur (rechts) aus neueren Zeiten steht.
Lost Place im Meer vor Rügen. Die DDR-Militärstation Ostervilm, auf der noch ein alter Campinganhänger lagert und eine Glockenskulptur (rechts) aus neueren Zeiten steht.Norddeutsche Grundstücksauktionen AG

Die DDR-Militärstation in der Ostsee, südöstlich der Insel Rügen, wurde um 1954 errichtet und diente der Entmagnetisierung von Schiffen, um sie vor magnetischen Minen zu schützen. Auf rund 600 Holzpfählen im etwa zehn Meter tiefen Wasser errichtet, besteht die Anlage aus einem Wohnhaus  mit spartanischem Waschraum und einem Maschinenhaus.

Zu DDR‑Zeiten waren meist drei Matrosen im Einsatz, die Generatoren und Messanlagen überwachten. Die Versorgung mit Lebensmitteln und auch Trinkwasser erfolgte ausschließlich per Boot. Heute liegt die Plattform mitten im Biosphärenreservat Südost‑Rügen und ist weiterhin nur auf dem Wasserweg erreichbar.

Er hat die ehemalige DDR-Militärstation ersteigert: Oliver Pesendorfer,  Geschäftsführer des österreichischen Unternehmens McCube.
Er hat die ehemalige DDR-Militärstation ersteigert: Oliver Pesendorfer, Geschäftsführer des österreichischen Unternehmens McCube.Georg Wendt/dpa

Hochzeiten auf der maroden Militärstation?

Ein Lost Place, der faszniniert. Im Jahr 2001 erwarben ein Architekt und ein Maschinenbauingenieur die Plattform und gaben ihr den Namen „Ostervilm“. Unter anderm Kunstausstellungen waren geplant. Auf der Insel steht auch heute noch eine Skulptur des Architekten, eine etwa 1,3 Tonnen schwere Keramikglocke. Die geplanten Projekte scheiterten jedoch an baulichen, logistischen und rechtlichen Hürden. Später kursierten Ideen für Freizeitnutzungen – sogar von einem Bordell soll die Rede gewesen sein.

Die nun versteigerte Fläche umfasst rund 710 Quadratmeter Land‑ und Wasserfläche, die Nutzfläche der Gebäude beträgt etwa 250 Quadratmeter. Der jährliche Vertrag mit dem Wasser‑ und Schifffahrtsamt beläuft sich auf 75 Euro. Versteigert wurde das Objekt vom Auktionshaus Norddeutsche Grundstücksauktionen in Hamburg.

Was wird nun mit der außergewöhnlichen Immobilie geschehen? Der neue Besitzer Oliver Pesendorfer, Chef von McCube, sagte, er könne sich vorstellen, die zwischen der Halbinsel Reddevitz und der Insel Vilm liegende künstliche Insel als Kultur- und Veranstaltungsort zu nutzen. Auch die Ausrichtung von Hochzeiten auf der ehemaligen Militärstation sei möglich.