Lost Place im Meer

DDR‑Geisterinsel vor Rügen: Verfallene Militärstation kommt unter den Hammer

Ein geheimnisvoller Ort mitten auf dem Meer und ein Stück DDR-Militärgeschichte: Die verfallene Entmagnetisierungsstation der Volksmarine im Greifswalder Bodden sucht einen neuen Besitzer.

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Die ehemalige Entmagnetisierungsanlage im Greifswalder Bodden vor Rügen
Die ehemalige Entmagnetisierungsanlage im Greifswalder Bodden vor RügenChristian Thiel/imago

Im Greifswalder Bodden vor Rügen wird eine ungewöhnliche Immobilie versteigert. Die ehemalige Entmagnetisierungsstation der DDR-Marine, eine künstlich errichtete Plattform mitten im Wasser, kommt am 4. Juni in Hamburg unter den Hammer. 39.000 Euro müssen Interessenten mindestens bieten – für ein marodes Relikt aus den Zeiten des Kalten Krieges.

DDR-Militäranlage in der Ostsee

Gebaut wurde die Anlage bereits um 1954. Auf rund 600 Holzpfählen, die in etwa zehn Metern Tiefe in den Meeresboden gerammt wurden. Auf der Betonplattform mit Holzbohlen – abgeschieden zwischen der Halbinsel Reddevitz und der Insel Vilm gelegen – entstanden ein Wohnhaus und ein Maschinenhaus. Erreichbar ist sie ausschließlich über den Wasserweg. Heute ist hier ein Biosphärenreservat.

Zu DDR-Zeiten diente die Plattform der Volksmarine als Entmagnetisierungsstation. Über Kabelschleifen am Meeresboden wurden die Magnetfelder von Schiffen gemessen und reduziert, um sie gegen magnetisch auslösende Minen und Torpedos weniger anfällig zu machen. Matrosen waren auf der Anlage stationiert, sie überwachten Generatoren, bedienten die Technik und kontrollierten die Messungen. Meist waren drei Soldaten auf der Station und jeweils für ein oder zwei Wochen im Dienst. Alles, was gebraucht wurde, kam per Schiff.

Vögel haben sich auf der früheren Entmagnetisierungsstation breitgemacht. Ihr Kot trägt dazu bei, dass die Anlage weiter verkommt.
Vögel haben sich auf der früheren Entmagnetisierungsstation breitgemacht. Ihr Kot trägt dazu bei, dass die Anlage weiter verkommt.CHROMORANGE/imago

Wind, Wellen und Vögel machten die Station marode

Nach der Wiedervereinigung verlor die Station ihre Funktion. Die Bundeswehr hatte eine eigene Entmagnetisierungsstation in Wilhelmshaven und übernahm die DDR-Plattform nicht. Zurück blieb ein Bauwerk, das langsam verfiel.

Heute ist der Zustand trostlos und marode, wie in den Unterlagen des Auktionshauses Norddeutsche Grundstücksauktion zu lesen ist: Setzungsrisse, verrostete Stahlteile, zerstörte Fenster sowie Schäden durch Wind, Wellen und Wetter, Vogelkot und Vandalismus. Algen wachsen an den Mauern empor. Besichtigt werden kann die ehemalige Militärplattform nicht.

Die DDR-Militäranlage im Greifswalder Bodden ist komplett marode, zerstört durch Wind und Wetter, Vogelkot und Vandalismus.
Die DDR-Militäranlage im Greifswalder Bodden ist komplett marode, zerstört durch Wind und Wetter, Vogelkot und Vandalismus.Jens Koehler/imago

Wie viele Lost Places fasziniert auch dieser: Im Jahr 2001 erwarben ein Architekt und ein Maschinenbauingenieur die Plattform und gaben ihr den Namen „Ostervilm“. Vorgesehen war eine Nutzung für Kunst und Ausstellungen. Auf der Insel befindet sich bis heute eine frei aufgestellte Skulptur des Architekten, eine etwa 1,3 Tonnen schwere Keramikglocke. (Sie ist nicht Teil der Auktion.) Die geplanten Projekte scheiterten jedoch an baulichen, logistischen und rechtlichen Hürden. Später kursierten Ideen für Freizeitnutzungen – sogar von einem Bordell soll die Rede gewesen sein.

Findet der Lost Place aus DDR-Zeiten einen Käufer?

Nun also steht die ehemalige Entmagnetisierungsanlage zur Auktion. Rund 710 Quadratmeter Land- und Wasserfläche umfasst das Objekt, dazu etwa 250 Quadratmeter Nutzfläche. Ein Nutzungsvertrag mit dem Wasser- und Schifffahrtsamt Stralsund besteht, das jährliche Entgelt liegt bei gerade einmal 75 Euro.

Wer mitbieten will, muss sich registrieren und Unterlagen vorlegen. Besichtigungen der DDR-Militäranlage auf See sind wegen des maroden Zustands ausgeschlossen, Interessenten müssen sich auf die Auktionsunterlagen verlassen.

Ob sich ein Käufer für das marode Objekt findet? Entscheiden wird sich das am 4. Juni in Hamburg, ab 11 Uhr im Haus der Patriotischen Gesellschaft. Die Auktion ist öffentlich zugänglich. Der Zuschlag erfolgt traditionell nach dem dritten Hammerschlag.