Er ist zurück auf Berlins Straßen: der Trabant, das DDR-Auto schlechthin. Die Zahl der zugelassenen Trabis steigt wieder an – langsam, aber kontinuierlich. Zu Jahresbeginn waren laut Kraftfahrt-Bundesamt bundesweit 41.862 „Renn-Pappen“ offiziell zugelassen. Vor einem Jahr waren es 415 Fahrzeuge weniger, der Tiefpunkt lag 2014 bei nur 32.311. Der Trend zeigt also klar nach oben.
Doch was steckt hinter dem Comeback?
„Ein großer Teil der steigenden Zahlen kommt durch sogenannte Garagenfunde“, erklärt Michael Kaiser, Trabi-Kenner und Vorsitzender des Trabant-Club-Berlin e.V. Gemeint sind Fahrzeuge, die Jahrzehnte lang stillstanden und nun wieder flottgemacht werden.

„Wir haben vor zwei Wochen einen Trabi aus Dresden geholt, der 30 Jahre in einer Garage stand. Der Besitzer wird jetzt 75, wir bauen den Wagen gerade wieder auf. In ein, zwei Wochen geht er zum TÜV – und dann hebt auch dieser Trabi wieder die Statistik an.“
Solche Geschichten seien kein Einzelfall. Viele ältere Besitzer hätten ihre Fahrzeuge nach der Wende abgestellt, ohne sie zu verkaufen oder zu verschrotten. Jetzt fänden sich Enthusiasten, die den Trabant mit viel Herzblut wieder auf die Straße bringen.
Einfach, ehrlich, reparierbar
Ein zentraler Grund für das Comeback: der unkomplizierte Aufbau des Autos. „Der Trabant ist einfach zu reparieren. In DDR‑Zeiten bekam man die Reparaturanleitung gleich mit dem Auto“, sagt Kaiser. „Wenn man ein bisschen technisches Verständnis hat, muss man nicht in die Werkstatt, man kann fast alles selbst machen.“ Gerade im Zeitalter hochdigitalisierter Autos mit empfindlicher Elektronik sei das für viele ein echter Reiz.
Natürlich spielt auch Nostalgie eine große Rolle. Viele Halter stammen aus dem Osten, sind mit dem Trabant aufgewachsen und erfüllen sich im Ruhestand einen alten Traum. Doch der Trabi spricht längst nicht nur ältere Jahrgänge an.

„Wir haben auch viele junge Leute im Club, die einfach Spaß daran haben, mit diesen kleinen Knatterdingern unterwegs zu sein“, sagt Kaiser. „Das sind keine Alltagsautos mehr – das sind gepflegte Oldtimer, die man bei schönem Wetter fährt.“
Ähnlich wie bei alten Mercedes- oder VW-Modellen gehe es um Werterhalt, nicht um Alltagstauglichkeit. Nahezu alle zugelassenen Trabis gelten inzwischen als Oldtimer. Das bringt Vorteile bei Steuer, Versicherung und Umweltzonen.
Und die Ersatzteilversorgung ist überraschend gut: Auch mehr als drei Jahrzehnte nach Produktionsende gibt es weiterhin Teile – ein entscheidender Faktor für die Haltbarkeit des Trends.
Vom Witzobjekt zum Kulturgut
Früher wurde der Trabant oft belächelt. „Da standen Leute am Straßenrand und hielten sich die Nase zu“, erinnert sich Kaiser. Heute habe sich das Bild komplett gedreht. „Der Trabant ist Industriekulturgut“, sagt er. „Die Leute freuen sich, wenn sie einen sehen. Und wenn wir mit mehreren Fahrzeugen unterwegs sind, bekommen wir fast nur positive Reaktionen.“

Und die Szene wächst: Oldtimer‑Treffen mit ostdeutschen Fahrzeugen finden mittlerweile fast jedes Wochenende in Berlin und Brandenburg statt.
Kein Massen-Comeback, aber stabiles Wachstum
Ein explosionsartiger Boom sei dennoch nicht zu erwarten. Die Zahl steigt nur langsam – auch weil immer weniger Fahrzeuge überhaupt existieren. Doch Fachleute sind sich einig: Das Potenzial ist noch nicht ausgeschöpft. „Wir waren schon mal bei nur 32.000 zugelassenen Trabis“, sagt Kaiser. „Jetzt sind wir wieder über 41.000 – und da kommt sicher noch mehr.“




