Die heftigsten Ausschreitungen zum 1. Mai in Berlin gab es wohl 1987: Straßenschlachten, brennende Autos, Plünderungen, Barrikaden und sogar zeitweise ein Rückzug der Polizei. Die Lage ist in den vergangenen Jahren deutlich besser geworden. Trotzdem sollten Berliner, die nicht auf Trubel stehen – und nicht wollen, dass ihre Autos eventuell zerkratzt, mit Steinen beworfen oder angezündet werden – bestimmte Hotspots meiden. Wo sollte man BMW und Co. lieber nicht abstellen? Der KURIER hat bei der Gewerkschaft der Berliner Polizei (GdP) nachgefragt.
Am 1. Mai kommt es immer wieder zu Sachbeschädigungen
GdP-Sprecher Benjamin Jendro erklärt uns vorab: „Es kann rund um die Versammlungslagen in der Walpurgisnacht und am 1. Mai stets sogenannte Allgemeinverfügungen geben, in denen auch bestimmte Bereiche ausgewiesen sind, in denen nicht geparkt werden darf.“
Jendro versichert: „Grundsätzlich sind wir mit diversen Einsatzkräften im Stadtgebiet unterwegs, um die Sicherheit zu gewährleisten, Straftaten wie Sachbeschädigungen zu verhindern und begangenen nachzugehen.“

Natürlich hofft die Berliner Polizei, dass sich „alle an die demokratischen Regeln halten“. Doch Jendro lenkt ein: „Die Erfahrungen zeigen leider, dass es gerade beim Abstrom der revolutionären 18-Uhr-Demo immer wieder zu Sachbeschädigungen kommt, weil dort auch viele Gewaltsuchende zusammenkommen.“
„Insofern ist das Risiko im direkten Umfeld der Demostrecke sicherlich höher, wobei es schlussendlich um jeden Bereich geht, wo Veranstaltungen und Feste stattfinden, viele Menschen unterwegs sind und Alkohol sowie andere Substanzen konsumiert werden.“
Die Strecke der revolutionären 1.-Mai-Demo
Hier kommt die geplante Strecke der besagten Demo, die am Freitag ab 18 Uhr durch Kreuzberg und Neukölln führt. Linke und linksextreme Gruppen starten am Oranienplatz und marschieren von dort über die Oranienstraße, Wiener Straße, Glogauer Straße, Pannierstraße, Sonnenallee, Weichselstraße, Karl-Marx-Straße bis zum Hermannplatz. Von dort geht es weiter über die Hasenheide bis hin zum Südstern.
Damit führt die Demo unter anderem am Görlitzer Park entlang – hier dürfte es erfahrungsgemäß ganz schön abgehen. Die Grünanlage wird zum 1. Mai auch ausnahmsweise nicht nachts verschlossen, wie es sonst seit Anfang März der Fall ist.
An all den genannten Orten und auch in den umliegenden Straßen sollte man sein Auto sicherheitshalber lieber nicht stehen lassen.
Zahlt die Versicherung, wenn das Auto am 1. Mai in Berlin abgefackelt wird?
Und was ist, wenn doch der Worst Case eintritt – und das Auto abgefackelt wird? Zahlt die Versicherung, auch wenn man am 1. Mai damit rechnen sollte? Die kurze Antwort: Ja. Auch am Tag der Arbeit übernimmt in der Regel die Teilkaskoversicherung den Schaden. Brandstiftung gilt versicherungsrechtlich als versichertes Ereignis, unabhängig davon, ob sie im Zusammenhang mit Demonstrationen oder Krawallen steht.
Wichtig: Voraussetzung ist, dass das Feuer von außen verursacht wurde. Wer nur eine Haftpflichtversicherung hat, bekommt in diesem Fall kein Geld. Anders sieht es bei Vandalismus ohne Feuer aus, etwa bei eingeschlagenen Scheiben, zerkratztem Lack oder abgetretenen Spiegeln. Solche Schäden zahlt ausschließlich die Vollkaskoversicherung.

Die Teilkasko greift hier nicht, ebenso wenig die Kfz‑Haftpflicht. Politisch motivierte Sachbeschädigung oder Ausschreitungen gelten versicherungstechnisch nicht als höhere Gewalt, sondern als klassischer Vandalismus.
Wichtig für Betroffene ist schnelles Handeln: Der Schaden sollte sofort der Polizei gemeldet, fotografisch dokumentiert und der Versicherung angezeigt werden. Vorsicht ist geboten, wenn das Auto bewusst in bekannten Brennpunkten abgestellt wurde – ältere Verträge können in solchen Fällen Leistungen wegen grober Fahrlässigkeit kürzen. Moderne Tarife schließen diesen Einwand meist aus, ein Blick in die Versicherungsbedingungen lohnt sich jedoch vor dem 1. Mai besonders.
Dafür steht die Demo am 1. Mai
Inzwischen haben die Veranstalter der Demo auch ihren Aufruf veröffentlicht: „Darum kämpfen wir am 1. Mai genau auf jenen Straßen für soziale Rechte, feministische Kämpfe und internationale Solidarität, denn der Hauptfeind steht im eigenen Land. Nicht in Moskau, nicht in Teheran, nicht in Washington – sondern hier. In den Konzernzentralen, in den Ministerien, in der Waffenfabrik von Rheinmetall im Wedding.“

In einer Plakatkampagne zum 1. Mai lauten die Mottos unter anderem „Freiheit, Frieden, Solidarität“, „Free all Antifas“ und „Meine Söhne geb ich nicht“.

Wie schlimm wird es wirklich?
Vergangenes Jahr hat es laut Polizei 73 Verhaftungen im Zuge des 1. Mais gegeben, 13 Polizisten wurden verletzt. Insgesamt waren 5800 Polizisten im Einsatz und rund 22.000 Menschen haben an der großen Demo teilgenommen.
In diesem Jahr dürften die Zahlen sich wohl in einem ähnlichen Bereich bewegen. Auch abseits der Demo dürfte viel los sein in Berlin: Vor allem bei dem guten Wetter – 24 Grad und Sonne – sind im gesamten Stadtgebiet Hunderttausende Feiernde zu erwarten.


