Der Görlitzer Park wird neben der nächtlichen Abriegelung jetzt auch noch abgeschottet! Weil die Deutsche Bahn sich um den Zustand der vier Brücken in der Grünanlage sorgt und der Berliner Senat nicht helfen will, müssen die Bauwerke schon bald gesperrt werden. Doch wie wir alle wissen, wird vor allem in dem Kreuzberger Brennpunkt gerne mal rebelliert. Wie viel wird die Maßnahme also bringen?
Berliner werden um die Brücken trauern
Die Hauptstadt steht vor dem Verlust eines beliebten grünen Verbindungswegs: Die Deutsche Bahn will die sogenannten Görli-Brücken ab Juli 2026 sperren. Die ehemaligen Gleisanlagen sind seit 33 Jahren öffentlich zugänglich und werden als Erweiterung des Parks genutzt. Sie verbinden Kreuzberg und Treptow über den Landwehrkanal und sind bei Spaziergängern, Joggern und Radfahrern äußerst beliebt.
Dabei haben die Brücken eine bewegte Geschichte. Vom Görlitzer Bahnhof in Kreuzberg aus fuhren früher Züge unter anderem nach Wien, Breslau, Görlitz und Cottbus. Ende April 1951 wurde der letzte Vorortzug nach Königs Wusterhausen abgefertigt. Später entstand auf dem ehemaligen Bahnhofsgelände der Görlitzer Park.

Auf der Treptower Seite hingegen blieb die alte Bahntrasse erhalten. Zu ihr gehören insgesamt vier hintereinander liegende Brücken. 1993 wurden sie an den Bezirk verpachtet. Anschließend entstand dort ein öffentlicher Park, der seitdem Kreuzberg und Treptow verbindet.
Korrosionsschäden gefährden laut Bahn die Sicherheit
Doch dieses Kapitel könnte nun enden. Zum 30. Juni hat die Deutsche Bahn den Pachtvertrag gekündigt. „Grund sind Korrosionsschäden an den Brücken“, erklärte ein Bahnsprecher gegenüber der B.Z. „Feuchtigkeit hat die denkmalgeschützten Bauwerke so stark beschädigt, dass die Verkehrssicherheit gefährdet ist. Hauptursache ist der vom Bezirk auf den Brücken errichtete Radweg.“

Nach Angaben der Bahn habe das aufgebrachte Sand-Kies-Gemisch die Entwässerung erschwert und die Korrosion massiv beschleunigt. Eine sichere Nutzung sei deshalb nicht mehr gewährleistet. Die Sperrung der Brücken gilt aus Sicht des Konzerns als unumgänglich.
Politik warnt vor Kriminalität und fordert Senat
Politisch stößt das Vorhaben auf scharfe Kritik. „Dieser Plan ist völliger Irrsinn“, schimpft der Treptower SPD-Abgeordnete Alexander Freier-Winterwerb (39). „Werden die Brücken gesperrt, sind dort Drogenabhängige und Dealer ungestört. Dann wird der Park zu einem Ort der Kriminalität.“

Schon jetzt drohen Probleme, so die Sorge vor Ort. Aus dem berüchtigten Görlitzer Park kommen bereits Drogenabhängige auf die Treptower Seite. „Regelmäßig entfernt das Grünflächenamt Spritzen, Nadeln und verunreinigte Matratzen. Doch wird der Park gesperrt, fällt dieses Aufräumen weg“, heißt es aus der Bezirkspolitik.
Auch Treptow-Köpenicks Bezirksbürgermeister Oliver Igel (48, SPD) warnt vor den Folgen. „Hier wird eine neue Mauer zwischen Kreuzberg und Treptow aufgebaut“, kritisiert er. Die Brücken seien eine wichtige soziale und städtebauliche Verbindung zwischen beiden Bezirken.
Werden die Berliner sich an die Brücken-Sperrung halten?
Das Problem: Wie auch schon der Abgeordnete Freier-Winterwerb angedeutet hat, werden sich viele Berliner sicher nicht an die geplante Sperrung der Brücken halten.

Das zeigt sich bereits im restlichen Görlitzer Park. Der wird seit Anfang März dieses Jahres jeden Abend abgeriegelt. Doch die vielen Gegner dieser Anti-Kriminalitäts-Maßnahme tun alles dagegen: Die Zäune werden beschädigt, ganze Tore sind bereits geklaut worden, Schlüssel sind nachgemacht und verteilt worden.
Sinnvoller wäre es wohl, die Bauwerke zu sanieren. Doch für die längst stillgelegten Brücken will die Deutsche Bahn wohl kein Geld mehr in die Hand nehmen.
Deutsche Bahn will Berlin die Brücken schenken
Stattdessen verweist die Deutsche Bahn darauf, dass sie dem Land Berlin die Flächen schenken will! „Sie dienen keinem Bahnbetriebszweck mehr“, so der Sprecher. Gespräche über eine Übernahme der Brücken seien bislang jedoch erfolglos geblieben. Für Igel ist klar: „Jetzt ist der Senat gefordert.“ Die Brücken müssten saniert werden, damit der Park erhalten bleibt. „Dieser Aufwand sollte unbedingt betrieben werden.“





