Als der Straßenverkehr unter der S-Bahn-Brücke auf der Neuköllner Niemetzstraße noch freigegeben war, gab es immer wieder schwere Unfälle. Der Grund: Die Brücke ist einfach zu niedrig! Ständig sind Lkw stecken geblieben, ein Doppeldecker der BVG wurde hier sogar mal „geköpft“. Seit 2022 gibt es hier eine Dauerbaustelle, um das Problem zu beheben. Eigentlich sollte der Verkehr hier Ende 2025 wieder rollen. Doch Berlin wäre nicht Berlin, wenn sich die Bauarbeiten nicht noch weiter verzögern würden.

Unfallschwerpunkt: Die Neuköllner Horror-Brücke
Besonders schwer wog der Unfall im Jahr 2002, als ein besetzter Doppeldeckerbus der BVG an der Brücke aufgerissen wurde. Zwei Fahrgäste wurden verletzt. 2019 krachte ein Gefahrguttransporter gegen das Bauwerk, im Januar 2020 blieb erneut ein Lastwagen hängen. Die Serie der Unfälle gefährdete zunehmend auch den Bahnverkehr über der Straße.
Angesichts der wiederholten Zusammenstöße kündigte die Deutsche Bahn bereits 2019 Konsequenzen an. Die Fahrbahn unter der Brücke sollte abgesenkt werden, zusätzlich war ein kompletter Neubau der Bahnbrücke geplant. Ziel war es, die Durchfahrt dauerhaft sicherer zu machen und weitere Unfälle zu verhindern.
Leitungsarbeiten verzögern Straßentieferlegung
Im Februar 2022 begannen schließlich die Bauarbeiten. Ursprünglich war vorgesehen, den Verkehr unter der Brücke spätestens Ende 2025 wieder freizugeben. Der Neubau der Bahnbrücke konnte inzwischen abgeschlossen werden, doch beim nächsten Schritt geriet das Projekt ins Stocken.
Der Grund für die lange Verzögerung liegt unter der Straße. Bevor die Fahrbahn abgesenkt werden kann, müssen zahlreiche Leitungen und Rohre verlegt werden. Betroffen sind unter anderem Anlagen von Stromnetz Berlin sowie der Berliner Wasserbetriebe. Laut einer Senatsantwort an den Grünen‑Abgeordneten André Schulze (Stand März 2026) sollen deren Arbeiten voraussichtlich erst Ende 2026 abgeschlossen sein.

Erschwerend kommt hinzu, dass die beteiligten Unternehmen nicht parallel arbeiten können. Wegen des begrenzten Platzes dürfen Strom‑ und Wasserleitungen nicht gleichzeitig verlegt werden. Die Stromleitungen können deshalb erst dann angefasst werden, wenn die Wasserbetriebe ihre Arbeiten komplett beendet haben. Auch Telefon‑, Gas‑ und Fernwärmeleitungen folgen erst anschließend.
Straße soll frühestens im Sommer 2027 öffnen
Nach aktuellem Stand sollen die eigentlichen Straßenbauarbeiten erst im Mai 2027 beginnen. Ab Ende Juli 2027 soll die Niemetzstraße dann wieder unter der Brücke hindurch befahrbar sein. Als weitere Gründe für die Verzögerungen nennen die Berliner Wasserbetriebe unter anderem einen kalten Winter, der den Baufortschritt zusätzlich gebremst habe.
Anwohner leiden unter Sperrung
Die jahrelange Sperrung wirkt sich spürbar auf das Umfeld aus. Laut Neuköllner Bezirksamt liegen zahlreiche Beschwerden von Anwohnern aus den umliegenden Straßen vor. Besonders problematisch ist, dass durch die Bauarbeiten auch die Saalestraße gesperrt ist.

Der Verkehr weicht derzeit vor allem über die Braunschweiger Straße aus. Das erhöhte Verkehrsaufkommen hat dort laut Bezirksamt auch Folgen für die Sicherheit. Besonders betroffen ist der Schulweg der Kinder der nahe gelegenen Löwenzahngrundschule, der durch den Umleitungsverkehr gefährlicher geworden ist.
Als kurzfristige Maßnahme wird aktuell ein provisorischer Fußgängerüberweg geprüft – als kleiner Schutz in einem Kiez, der mit den Folgen der Dauerbaustelle noch lange leben muss.


