Trotz einer Pro-Fahrrad-Politik hat soll der Autoverkehr im Neuköllner Schillerkiez in den letzten Jahren zugenommen haben. Deshalb greift das Bezirksamt jetzt zur Lieblingswaffe grüner Anti-Auto-Verkehrspolitik. Ein Teil des Herrfurthplatzes wird zugepollert. Am Montag beginnen die Bauarbeiten.
Experimentierfeld Herrfurthplatz in Neukölln
Der Herrfurthplatz in Neukölln ist schon seit vielen Jahren eine Spielwiese für Verkehrspolitiker. Von SPD und Grünen. Seit 2016 ist Jochen Biedermann von den Grünen Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr.
Als Call a Bike 2013 sein Berliner Fahrrad-Verleihnetz ausbaute, wurde am Herrfurthplatz die erste Station eingerichtet. Als Neukölln 2019 bundesweit die ersten Lastenradparkplätze baute, war wieder der Herrfurthplatz dran. Jetzt soll die Vorfahrt für Fahrräder endgültig zementiert werden. Die nördliche Seite des Platzes wird verpollert.

Im Schillerkiez droht Autofahrern ab 30. März neuer Ärger. Rund um den Herrfurthplatz und die Schillerpromenade starten Bauarbeiten, die in zwei Abschnitten laufen – und einen Monat lang immer wieder zu Sperrungen führen.
Besser wird es für Anwohner mit Autos aber auch nach der Umbauphase nicht werden. Die nördliche Hälfte des Herrfurthplatzes soll komplett für Autos dichtgemacht werden. Künftig heißt es dort: nur noch Fußgänger und Radler. Für viele Anwohner, die auf ihr Auto angewiesen sind, bedeutet das längere Wege, mehr Suchverkehr und weniger Flexibilität im Alltag.
Ziel ist klar: weniger Durchgangsverkehr, mehr Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer. Offiziell heißt es, man wolle den Durchgangsverkehr reduzieren und die „Aufenthaltsqualität“ steigern. Für Autofahrer wird der Kiez damit aber spürbar unkomfortabler.
Doch das ist erst der Anfang. In den kommenden Jahren wird die gesamte Mittelpromenade der Schillerpromenade neu gestaltet, ökologisch aufgewertet und barrierefrei umgebaut. Auch der Herrfurthplatz selbst bekommt ein neues Gesicht – inklusive neuer Bäume.
Der Umbau beginnt am Montag
Erster Bauabschnitt: Die nördliche Hälfte des Herrfurthplatzes (30. März – 10. April). Das Kopfsteinpflaster wird abgeschliffen, um Fahradfahrern eine bessere Verbindung zwischen den beiden Teilstücken der Fahrradstraße Herrfurthstraße zu ermöglichen. Während des Umbau ist nördliche Herrfurthplatz ist vollständig gesperrt. Der Fahrzeugverkehr wird auf der anderen Seite der Schillerpromenade zurückgeleitet.
Zweiter Bauabschnitt: Schillerpromenade und Pollersetzung (13. bis 30. April). Der nordöstliche Teil des Herrfurthplatzes sowie die östliche Seite der Schillerpromenade zwischen Herrfurthplatz und Selchower Straße werden gesperrt. Der Mittelstreifen auf der Schillerpromenade wird zurückgesetzt, damit dort eine Wendemöglichkeit für Autos entstehen kann. Wichtig: Das Parken und Befahren des gesperrten Bereiches ist nicht möglich.
Zum Schluss werden die Poller am Herrfurthplatz einzementiert, die den nördlichen Platzbereich dauerhaft für den Autoverkehr sperren.
Neukölln: Auch hier wird der Platz für Autofahrer zurückgebaut
Nicht der einzige Umbau, der im Schillerkiez zulasten des Autoverkehrs erfolgt. Noch in diesem Jahr wird eine Einbahnstraße in der Fontanestraße Richtung Norden eingerichtet – zwischen Mahlower Straße und Flughafenstraße/Columbiadamm.
Für Radler bleibt die Strecke dagegen in beiden Richtungen frei, sogar mit eigener Spur. Damit nicht genug: Eine Mittelinsel wird eingebaut, was die Straße weiter verengt.

An der Kreuzung Kienitzer Straße/Weisestraße entstehen zusätzlich Gehwegvorstreckungen, abgesichert mit Pollern. Dazu kommen neue Fahrradbügel. Weitere solcher Vorstreckungen sollen im Laufe des Jahres folgen – also noch mehr Platz für Fußgänger, weniger für Autos.
Auch die Weisestraße wurde bereits umgestellt: Dort gilt jetzt eine gegenläufige Einbahnstraßenregelung – mal Richtung Süden, mal Richtung Norden, je nach Abschnitt. Für viele Autofahrer bedeutet das vor allem eines: längere Wege, mehr Slalomfahren durch den Kiez und zusätzliche Umwege.




