Streetart

Wer hätte das gedacht? Deutsche Bahn und BVG feiern Berliner Graffiti

Die beiden Verkehrsbetriebe unterstützen echte Streetart, lehnen jedoch illegale Schmierereien ab.

Author - Sharone Treskow
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Auch die BVG ist Streetart gegenüber grundsätzlich nicht abgeneigt.
Auch die BVG ist Streetart gegenüber grundsätzlich nicht abgeneigt.Pemax/Imago

Berlin ist vollgekritzelt. Hauswände, Rollläden, Brücken – die Liste ist endlos. Auch im Bereich der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und der Deutschen Bahn (DB) ist alles vollgesprüht. Weniger schön sind natürlich die angesprühten Züge. Wofür BVG und DB jedoch überraschend offen sind, ist die Streetart rund um ihre Gleise. Sie sehen die bunten Bilder an Brücken und Co. als Kunstform – als netten Anblick für ihre Fahrgäste – und unterstützen sie unter gewissen Bedingungen sogar. Wer hätte das gedacht?

Deutsche Bahn lobt Streetart als „wertvollen Beitrag“

Diese Erkentnis geht aus einer Anfrage des Abgeordneten Björn Wohlert (CDU) an die Senatskanzlei hervor. Konkret wollte er wissen, wie DB und BVG beispielsweise zu den vielen Graffitis an den Brückenköpfen in Reinickendorf stehen, beispielsweise am Eichborndamm. Dazu muss man sagen: Hierbei handelt es sich hauptsächlich um echte Streetart, keine kleinen Kritzeleien.

Diese Streetart sieht man an der Revaler Straße in Berlin-Friedrichshain.
Diese Streetart sieht man an der Revaler Straße in Berlin-Friedrichshain.Hohlfeld/Imago

Das sieht auch die Deutsche Bahn so und antwortet überraschend positiv: „Die DB InfraGO AG, als Eigentümerin der Anlagen, begrüßt künstlerische Gestaltungen der Brückenköpfe und Widerlager. Sie werden [...] als wertvoller Beitrag zur Erhöhung der Aufenthaltsqualität sowie zur Förderung der lokalen Identifikation angesehen.“

Die Deutsche Bahn freut sich über Streetart. Im Bild: die Lichtenberger Brücke.
Die Deutsche Bahn freut sich über Streetart. Im Bild: die Lichtenberger Brücke.Sascha Steinach/Imago

Das heißt jedoch nicht, dass jeder überall im Bereich der DB die Sprühflasche zücken darf! „Hinsichtlich der Durchführung gibt es eine Reihe von Anforderungen, die zu beachten sind und auf Nachfrage zur Verfügung gestellt werden.“ Interessierte Künstler sollen sich mit ihren Gestaltungskonzepten bitte zur Freigabe an die DB wenden: unter DB.DBImm.GestattungenOst@deutschebahn.com.

BVG will keine Kritzeleien, sondern richtige Kunst

Auch die BVG ist für echte Streetart offen, jedoch nicht für Schmierereien. „Die BVG hat Streetart an einigen Objekten erfolgreich als geeignete Maßnahme für eine optische Aufwertung genutzt. Jedoch lässt sich dies nicht pauschalisieren, denn leider sind die Reinigungskosten für nicht genehmigte Graffitis auf Fahrzeugen und Gebäuden weiterhin sehr hoch“, heißt es in ihrem Statement. „Die BVG prüft und entscheidet daher jeden Einzelfall.“

Auf solche Graffiti steht die BVG nicht besonders. Lieber richtige Streetart, die vorab genehmigt wurde.
Auf solche Graffiti steht die BVG nicht besonders. Lieber richtige Streetart, die vorab genehmigt wurde.Joko/Imago

Der Senat schließt sich der Einschätzung der DB und BVG an, dass professionelle Streetart eine „Aufwertung darstellen kann“, aber in jedem Einzelfall eine Abstimmung mit der DB und der BVG erfolgen muss.

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