Jeder, der in Berlin lebt, hat sich wohl schon mal unsicher gefühlt – bei einer Fahrt mit der U8 oder auch der U7 nach einem feuchtfröhlichen Abend. Es kann eine Gruppe Männer gewesen sein, die unberechenbar gewirkt hat. Oder eine Frau mit offensichtlichen psychischen Problemen, die einem schräge Blicke zugeworfen und wirres Zeug durch die ganze Bahn geschrien hat. Einige Berliner sind auch tatsächlich schon angegriffen worden, abgezogen worden, angegrapscht worden. Wieviele Straftaten pro Jahr in den Verkehrsmitteln und Bahnhöfen der BVG zusammenkommen, zeigt ihre neue Sicherheitsbilanz.
Straftaten im Bereich der BVG haben deutlich abgenommen
Die guten Nachrichten vorneweg: Es zeigt sich insgesamt eine positive Tendenz. Eine Fahrt mit der BVG ist sicherer geworden. Das zeigen die Zahlen der neu veröffentlichten Sicherheitsbilanz für 2025: Im Bereich der BVG wurden rund 16 Prozent weniger Straftaten registriert als im Vorjahr: von 14.974 auf 12.584 Übergriffe. Damit liegt die Zahl auf dem niedrigsten Stand seit über zehn Jahren. Seit 2015 ist sie um rund 44 Prozent gesunken.

Auch die Zahl der Vorfälle gegenüber Beschäftigten ist deutlich zurückgegangen (minus 18 Prozent). Angesichts von rund 1,1 Milliarden Fahrgastfahrten im Jahr 2025 – nahezu zurück auf Vor-Corona-Niveau – bleibt der öffentliche Nahverkehr in Berlin damit insgesamt weiter sicher.
Weniger Überfälle, Drogen und Taschendiebstähle
Auch physische Delikte seien laut Bericht im vergangenen Jahr zurückgegangen: 313 Raubtaten wurden erfasst, im Jahr davor waren es 355. Bei den Körperverletzungen sank das Aufkommen von 2861 auf 2731.
Besonders deutlich ist der Rückgang bei Straftaten mit Betäubungsmitteln. Bei den Drogendelikten sank die Zahl von 1424 auf 805. Bei den Taschendiebstählen ging die Zahl der Taten von 4105 auf 2821 zurück. Zehn Jahre zuvor waren es mehr als viermal so viele Fälle.

Parallel zur objektiven Sicherheitslage habe sich auch das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste verbessert. Bei einer Umfrage am Hotspot Kottbusser Tor zeigte sich: Hier stieg der Anteil der Fahrgäste, die sich sicher fühlen, innerhalb eines Jahres von 36 auf immerhin 58 Prozent. Natürlich ist das immer noch zu wenig – aber wer das Kottbusser Tor kennt, weiß, dass das verhältnismäßig gute Zahlen sind.
Übergriffe auf Frauen haben zugenommen
Jetzt kommt das große „Aber“: Zwei Arten von Straftaten haben laut BVG-Sicherheitsbericht zugenommen. So wuchs die Zahl der Nötigungen, die der Polizei gemeldet wurden, von 611 auf 644. Zum Vergleich: Im Jahr 2015 wurden gerade mal 329 Delikte dieser Art von der BVG registriert.

Auch die Sexualdelikte haben leider von 295 auf 314 Taten zugenommen. Das ist fast ein sexueller Übergriff pro Tag, allein im Bereich der BVG. Die Dunkelziffer dürfte noch viel höher sein. Zum Vergleich: 2015 wurden nur 73 Taten bei der BVG erfasst. Damit ist die Entwicklung bei den Deliktsarten, die häufig Frauen betreffen, ganz klar negativ.
BVG will Kriminalität mit KI bekämpfen
Vor allem Frauen können sich in Bus und Bahn immer noch nicht ganz sicher fühlen. Auch insgesamt betrachtet sind 12.584 Straftaten in einem Jahr bedenklich, so positiv die Tendenz auch sein mag. „Jeder Angriff ist einer zu viel, jede Straftat ist eine zu viel“, sagt auch der BVG-Chef Henrik Falk zu der Sicherheitsbilanz. Was gedenkt man dagegen zu tun?

Die BVG kündigte an, die Videotechnik weiter zu modernisieren, teilweise auch mit KI. So soll die Zahl der U-Bahnhöfe, in denen Kameras unübliche Bewegungsmuster in Gleis- und Tunnelbereichen detektieren, von 13 auf 20 steigen. So sollen auch Fälle wie die mutmaßliche Brandstiftung im U-Bahnhof Schloßstraße verhindert werden können, hier war der Verkehr monatelang lahmgelegt.
BVG will stillen Notruf einführen – wird das klappen?
Alle 175 U-Bahnhöfe sollen in öffentlichen Bereichen mit einem „Sicherheitsradar“ versehen werden. Im gesamten Netz können Fahrgäste bald per Handy einen stillen Notruf auslösen, wurde weiter versprochen. Bei dem miesen Netz in den U-Bahn-Tunneln ist dieses Vorhaben aber fraglich.





