Alle Jahre wieder

Über 11.000 freuen sich! Für diese Berliner ist der 1. Mai ein ganz besonderer Feiertag

Andere gehen demonstrieren – diese Berliner gehen mit der Angelrute ans Wasser, um endlich einen alten Bekannten aufzuspüren.

Author - Norbert Koch-Klaucke
Teilen
Ein Angler sitzt am Ufer der Spree nahe der Oberbaumbrücke. Ab dem 1. Mai darf in der Hauptstadt wieder der Hecht geangelt werden.
Ein Angler sitzt am Ufer der Spree nahe der Oberbaumbrücke. Ab dem 1. Mai darf in der Hauptstadt wieder der Hecht geangelt werden.Kay Nietfeld/dpa

Für viele Berliner bedeutet der 1. Mai Demonstrationen, Kundgebungen oder einen freien Tag mit der Familie. Doch es gibt Menschen in der Stadt, für die ist der 1. Mai ein ganz besonderer Feiertag. Dann zieht es sie ans Wasser, an Seen und Kanäle. Ihr Ziel: ein alter Bekannter mit spitzen Zähnen – der Hecht.

Berliner Angler bereiten sich lange auf diesen Tag vor

Mehr als 11.000 Angler im Landesanglerverband Berlin fiebern diesem Datum entgegen. Denn ab dem 1. Mai ist Schluss mit der Schonzeit. Endlich darf wieder auf einen der beliebtesten Raubfische gegangen werden.

Einer der Petrijünger ist Karlheinz Schwarz (62) vom Sport‑ und Anglerverein Frühauf Wannsee. Für ihn ist der Tag ein echter Fixpunkt: „Der 1. Mai ist bei uns im Verein traditionell der Tag fürs Hechtangeln. Da treffen wir uns alle, das Revier liegt gleich bei uns ums Eck – ein schöner Start in die Saison, in der wir im Juni den 100. Geburtstag unseres Vereins feiern“, sagt Schwarz.

Der Hecht ist das Ziel der Berliner Angler ab 1. Mai. Er ist in den Gewässern der Hauptstadt weit verbreitet.
Der Hecht ist das Ziel der Berliner Angler ab 1. Mai. Er ist in den Gewässern der Hauptstadt weit verbreitet.Ocean Foto/imago

Schon Tage vorher wurden Ruten poliert, Rollen geölt, Schnüre geprüft. Denn der Hecht ist kein leichter Gegner. Mit seinen messerscharfen Zähnen beißt er normale Angelschnüre in Sekunden durch. Deshalb greifen die Angler zu Stahlvorfächern oder zu Schnüren aus extrem hartem Kunststoff.

Der Hecht sorgt am 1. Mai in Berlin für einen Feiertag

Der Raubfisch ist in Berlin weit verbreitet – neben Plötzen, Barschen und Aalen gehört er zu den häufigsten Arten. Und trotz seiner berüchtigten Y‑Gräten landet er gern auf dem Teller. Im Ofen zubereitet gilt er als echter Klassiker.

Angeln an der Spree mitten im Berliner Stadtgebiet: Ob diese Petrijünger hier einen Hecht landen können?
Angeln an der Spree mitten im Berliner Stadtgebiet: Ob diese Petrijünger hier einen Hecht landen können?Sven Darmer/imago

Gefangen wird der Hecht meist mit der Spinnrute. Köder raus, langsam einkurbeln – und hoffen, dass es plötzlich an der Leine kracht. Doch Vorsicht: Hat ein Hecht angebissen, kämpft er mit aller Kraft. Mit wilden Drehungen, der berühmten „Hechtrolle“, versucht er zu entkommen.

Beliebte Reviere sind unter anderem der Wannsee, der Glienicker See und der Teltowkanal. Gerade jetzt halten sich Hechte nach der Laichzeit bevorzugt in Schilfnähe auf. Dort jagen sie Fischbrut, kleine Wasservögel oder auch Nagetiere – gelegentlich sogar Artgenossen.

Hechte können über einen Meter lang werden. Große Exemplare setzen Angler häufig wieder zurück, da es sich meist um Weibchen handelt, die für den Erhalt des Bestandes wichtig sind. Vom 1. Januar bis zum 30. April galt für den Raubfisch Schonzeit, damit er sich ungestört paaren und seinen Laich in Ufernähe ablegen kann.

Wie ist Ihre Meinung zum Thema Angeln? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com