Was ist Heimat? Wo ist unsere Heimat? Diese Fragen zu beantworten, ist gar nicht so einfach. Dabei müssen wir es doch eigentlich wissen. Schließlich hatten wir alle das schöne Fach Heimatkunde in der Schule.
Wissen wir überhaupt, was Heimat ist?
Der KURIER will es aber ganz genau wissen. Denn es ist an der Zeit, einmal ehrlich darüber zu reden, was Heimat eigentlich wirklich für uns ist. Schließlich ist der Begriff gerade wieder in aller Munde. Man spricht von Heimat und Heimatgefühl, weil dies nach Geborgenheit, Wärme, Frieden und Zufriedenheit klingt.
Nach all dem, was wir gerade in schwierigen Zeiten wie diesen dringend brauchen und nach dem wir uns so sehr sehnen – egal, ob wir aus dem Osten, dem Süden, dem Norden oder dem Westen dieses Landes kommen.
Laut Duden ist Heimat ein „Land, Landesteil oder Ort, in dem man [geboren und] aufgewachsen ist oder sich durch ständigen Aufenthalt zu Hause fühlt (oft als gefühlsbetonter Ausdruck enger Verbundenheit gegenüber einer bestimmten Gegend)“. Eine sachliche und recht nüchterne Aussage.
Fragt man die Menschen, bekommt man jedoch noch etwas anderes zu hören. Für sie ist Heimat mehr als ein Dorf oder eine Stadt, in der man geboren wurde, in der man seine Kindheit und seine Jugend erlebte. Mehr als nur ein Fleck auf der Erde, auf dem man gerade zu Hause ist.
„Meine Heimat ist zuallererst in mir. Ich bin mein Zuhause, in dem ich mich wohlfühlen muss“, erklärt RTL‑Moderatorin Inka Bause („Bauer sucht Frau“) dem KURIER. Besser kann man es nicht sagen.
Osten oder Westen: Nicht überall ist Heimat gleich
Inka Bause, 57 Jahre alt, wurde in Leipzig geboren. Im Osten Berlins wuchs sie auf. In der DDR war sie ein Star. Und heute gehört die Sängerin und Moderatorin im wiedervereinten Deutschland zu den gefragtesten Prominenten.
Ihre gefühlvolle Antwort auf die Heimatfrage erstaunt. Denn nicht allen Menschen, die im Osten Deutschlands aufgewachsen sind, fällt es leicht zu sagen, wo denn nun ihre Heimat ist.

Letztendlich definiert sich dieser Begriff bei vielen auch über die Herkunft. Aufgewachsen im Osten bedeutet oft, dass man sich erklären oder rechtfertigen muss.
Bei den Menschen, die zwischen Bayern und Hamburg ihre Heimat aufbauten und die partout nicht anerkennen wollen, dass Menschen, die zwischen Erzgebirge und Kap Arkona ihr Zuhause haben, ebenfalls eine Lebensleistung erbracht haben.
Warum für Ostdeutsche die DDR Heimat ist
Laut einer Umfrage der Bundesstiftung Aufarbeitung der SED‑Diktatur erklären 60 Prozent der Ostdeutschen, dass ihre Lebensleistung ungenügend gewürdigt wurde und man immer mehr vergisst, dass es dem Mut vieler DDR‑Bürger zu verdanken war, dass es zum Mauerfall kam. Anfangs erklärten die Ostdeutschen noch trotzig, dass die DDR ihre Heimat sei. Mittlerweile sagen viele das mit großem Stolz.

Mit der Erklärung der DDR zur Heimat meinen die meisten nicht, dass sie auch das SED‑Regime verherrlichen, das vier Jahrzehnte lang im Osten Deutschlands herrschte.
Denn zwischen Mauer, Stasi und Stacheldraht gab es auch noch ein anderes Leben. Eine andere ostdeutsche Heimat: mit Familie. Mit Musik. Mit Essen. Mit Werten. Mit schönen Dingen. An all das erinnern wir uns, all das ist geblieben, während die DDR‑Staatsmacht vor 35 Jahren verschwand.
„Was gut ist, setzt sich durch“, sangen einst die Puhdys für ein Berliner Bier aus dem Osten. Ihr Frontmann Dieter „Maschine“ Birr (82) sagte einmal dazu im KURIER: „Der erste Kuss, die erste Liebe, das erste Rockkonzert: Wenn sich heute Menschen im Osten gerne an ihre Jugend in der DDR erinnern, hat das nichts mit Politik, sondern mit ihrem Leben zu tun.“





