Sie kamen aus allen Teilen der Republik: Tausende Bauarbeiter errichteten den Palast der Republik. Hunderte von ihnen wurden zu der Feier eingeladen, als vor 50 Jahren „Erichs Lampenladen“ am 23. April 1976 im Herzen Berlins eröffnet wurde. Aber nicht nur Handwerker, Maurer und Elektriker bauten in einer Rekordzeit von drei Jahren den Palast der Republik auf. Auch Stasi-Spitzel mischen tatkräftig mit.
Ein Haus fürs Volk, an dem die Stasi mitbaut
1973 fängt alles an. Ein Jahr, das zu den besten in der DDR gehörte. Der Arbeiter-und-Bauernstaat wird unter Staatschef Erich Honecker Mitglied in der UN-Vollversammlung. Damit bekommt die DDR endlich die internationale Anerkennung.
Im Sommer 1973 finden im Osten Berlins die X. Weltfestspiele der Jugend und Studenten statt, die kurz einen Hauch von Offenheit ins Land bringen. Als krönender Abschluss wird im November der Grundstein für den Palast der Republik gelegt.

Honeckers Botschaft bei dem Festakt ist klar. „Dieser Palast soll ein Haus des Volkes werden. Er soll dienen als Stätte wichtiger Kongresse, als ein Ort verantwortungsbewusster Beratungen der höchsten Volksvertretung unseres Arbeiter- und Bauern-Staates und als Forum internationaler Begegnung“, sagt er.
Und auch für die DDR-Bürger da sein. „Unsere sozialistische Kultur wird in diesem Palast ebenso eine Heimat finden wie der Frohsinn und die Geselligkeit unserer werktätigen Menschen“, sagt Honecker.
Damit der knapp 700 Millionen DDR-Mark teure Prestigebau gelingt, soll die Staatssicherheit für einen reibungslosen Ablauf der Bauarbeiten sorgen. Stasi-Chef Erich Mielke ist sich seiner Verantwortung voll bewusst.
Noch vor dem Baubeginn trifft die Staatssicherheit die Planungen für ihren Einsatz. Im Sommer steht der geheime Maßnahmenplan unter dem Tarnnamen „Metropole“.

„Als künftige ständige Tagungsstätte der Volkskammer der DDR und Ort bedeutender politischer und kultureller Veranstaltungen wird der Palast der Republik das markanteste Bauwerk im Zentrum der Hauptstadt sein“, steht darin. Heißt im Klartext: Der Bau und die Bauarbeiter werden lückenlos überwacht. Und an wichtigen Abschnitten baut die Stasi sogar selber mit.
Palast der Republik: Stasi überwacht Arbeiter und Künstler
Das Dokument befindet sich heute im Bundesarchiv. Laut der Akte übernahm die Stasi-Hauptabteilung XX den Palast der Republik, die in den 70er Jahren vor allem für die Überwachung des Staatsapparates, der Justiz und des Gesundheitswesens zuständig war.

Es galt etwa, „feindlichen Handlungen, Störmaßnahmen und Aktivitäten“ zu verhindern. So wurden etwa die Arbeiten der Künstler überwacht.
Über die 16 Gemälde, die Star-Maler wie Werner Tübke, Willi Sitte oder Wolfgang Mattheuer schufen und die dann im Palast-Foyer hingen, war die Stasi im Vorfeld genau informiert. Grund: Die Sorge der Stasi war groß, dass Künstler in ihren Werken „negativ-feindliche Aussagen“ unterbringen könnten.

Als Arbeiter getarnte hauptamtliche Mitarbeiter der Stasi waren während der Bauarbeiten tätig. Sie kamen unter anderem beim Einbau der technischen Anlagen und Telefonleitungen zum Einsatz.
Als Arbeiter getarnte Stasi-Leute verwanzten den Palast
Dazu gehörte auch die Einrichtung von zwei Abhör- und Überwachungsräumen mit Bildschirmen im Palast der Republik. Das gesamte Gebäude wurde verkabelt und verwanzt. Ob in den Restaurants, dem Großen Saal oder auf der Bowlingbahn – überall hörte die Stasi mit. Selbst der Volkskammersaal wurde abgehört.

Ohne die Stasi ging beim Palast der Republik gar nichts. Sie überprüfte jede Person, die sich dort um einen Job bewarb: die Bauarbeiter, später Putzkräfte, Küchenhilfen, Restaurantpersonal, Techniker. Etwa 1800 Menschen arbeiteten später im Palast der Republik.

Ganz nebenbei suchte sich die Stasi vor dem Gebäude ideale Horch- und Beobachtungsposten aus, um später die Palast-Besucher bespitzeln zu können. So waren spezielle Stellplätze auf dem Parkplatz vor dem Haupteingang für Fahrzeuge der Stasi reserviert. Die Kommandozentrale des MfS befand sich im gegenüberliegenden Marstall.
Palast der Republik: Stasi hatte auf Parkplatz Beobachtungsposten
Mielkes Wachregiment „Feliks Dzierzynski“ übernahm die Sicherung des Gebäudes und der Baustelle. „Neben den Vorbeugungen gegen staatsfeindliche Angriffe soll auch die vorbeugende Kriminalitätsbekämpfung gewährleistet werden“, stand in dem Stasi-Plan.



