Das beschauliche Gosen, kaum 30 Kilometer vom Berliner Zentrum entfernt, ist ein kleiner Ort mit großer Vergangenheit. Vor 75 Jahren wurde die DDR-Auslandsspionage gegründet. Und ausgerechnet hier im Südosten, richtete die Stasi einen ihrer wichtigsten, geheimen Rückzugsorte ein.
Geheimer DDR-Bunker für den Krisenfall
Die Hauptverwaltung Aufklärung (HV A), zuständig für die Spionage im Ausland, baute in Gosen nicht nur ihre zentrale Ausbildungsschule auf. Sie ließ auch einen geheimen Bunkerkomplex errichten, tief unter der Erde, abgeschottet vor neugierigen Blicken.
Der Atombunker sollte als „Ausweichführungsstelle“ dienen, ein streng geheimer Kommandoposten für Krisenfälle. Im Ernstfall sollte von hier aus die Auslandsspionage koordiniert werden. Gebaut wurde er 1984 für Spionagechef Markus Wolf, ein Betonmonument der DDR, das jahrzehntelang im Verborgenen lag.

Luxuswünsche trieben Baukosten in die Höhe
Heute ist der einst streng geheime Ort für Besucher zugänglich, zumindest zeitweise. Ab dem 25. April startet die Anlage wieder in die Saison. Zu dem 32 Hektar großen Areal gehörten einst nicht nur Bunkeranlagen, sondern auch eine Schwimmhalle, Friseursalon, Schießstand, Kinosaal oder Agenten-Internat.
„Mit fünf Führungen startet das Museum in die achte Saison“, erklärt Jörg Diester vom Verein Bunker-Dokumentationsstätten. Bis Ende November können Besucherinnen und Besucher an ausgewählten Tagen in die Welt des Tricksens, Täuschens und Tarnens der DDR-Agenten eintauchen. Eine Anmeldung im Internet wird empfohlen.
Der Verein verspricht zum Jubiläumsjahr der Auslandsspionage nicht nur Einblicke in die Anlage selbst, sondern auch in die dazugehörigen Geheimakten. Darin finden sich Berichte über Zwangsverkäufe von Grundstücken und über den „kreativen Widerstand querulanter Anwohner“. Auch Luxuswünsche einzelner Stasi-Leute tauchen auf, die den Bau verzögerten und die Kosten auf rund zehn Millionen Ost-Mark trieben.

Nach dem Ende der DDR verfiel der Bunker zunächst in einen Dornröschenschlaf. Jahrelang stand die Anlage leer, vergessen unter der Erde. Erst seit 2019 wird sie als Lernort genutzt. Rund 3500 Interessierte haben den Bunker seitdem besucht. Allein in der vergangenen Saison kamen mehr als 480 Gäste an acht Veranstaltungswochenenden.
Wer also wissen will, wie die Stasi sich ihren Rückzugsort für den Ernstfall vorstellte, muss nicht weit reisen.


