Deutsche Geschichte

Wo Markus Wolf Defa-Filme schaute: Der Stasi-Bunker von Gosen

Die verborgene Anlage der DDR-Auslandsspionage ist bis November wieder für Besucher geöffnet.

Author - Stefan Doerr
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Geheimer Ort hinter Stahltüren: Eine Frau geht durch die Gänge des Stasi-Bunkers.
Geheimer Ort hinter Stahltüren: Eine Frau geht durch die Gänge des Stasi-Bunkers.Wolfgang Kumm/dpa

Das beschauliche Gosen, kaum 30 Kilometer vom Berliner Zentrum entfernt, ist ein kleiner Ort mit großer Vergangenheit. Vor 75 Jahren wurde die DDR-Auslandsspionage gegründet. Und ausgerechnet hier im Südosten, richtete die Stasi einen ihrer wichtigsten, geheimen Rückzugsorte ein.

Geheimer DDR-Bunker für den Krisenfall

Die Hauptverwaltung Aufklärung (HV A), zuständig für die Spionage im Ausland, baute in Gosen nicht nur ihre zentrale Ausbildungsschule auf. Sie ließ auch einen geheimen Bunkerkomplex errichten, tief unter der Erde, abgeschottet vor neugierigen Blicken.

Der Atombunker sollte als „Ausweichführungsstelle“ dienen, ein streng geheimer Kommandoposten für Krisenfälle. Im Ernstfall sollte von hier aus die Auslandsspionage koordiniert werden. Gebaut wurde er 1984 für Spionagechef Markus Wolf, ein Betonmonument der DDR, das jahrzehntelang im Verborgenen lag.

Das Arbeitszimmer von Spionagechef Markus Wolf im Bunker, dahinter liegt das Schlafzimmer.
Das Arbeitszimmer von Spionagechef Markus Wolf im Bunker, dahinter liegt das Schlafzimmer.Wolfgang Kumm/dpa

Luxuswünsche trieben Baukosten in die Höhe

Heute ist der einst streng geheime Ort für Besucher zugänglich, zumindest zeitweise. Ab dem 25. April startet die Anlage wieder in die Saison. Zu dem 32 Hektar großen Areal gehörten einst nicht nur Bunkeranlagen, sondern auch eine Schwimmhalle, Friseursalon, Schießstand, Kinosaal oder Agenten-Internat.

„Mit fünf Führungen startet das Museum in die achte Saison“, erklärt Jörg Diester vom Verein Bunker-Dokumentationsstätten. Bis Ende November können Besucherinnen und Besucher an ausgewählten Tagen in die Welt des Tricksens, Täuschens und Tarnens der DDR-Agenten eintauchen. Eine Anmeldung im Internet wird empfohlen.

Der Verein verspricht zum Jubiläumsjahr der Auslandsspionage nicht nur Einblicke in die Anlage selbst, sondern auch in die dazugehörigen Geheimakten. Darin finden sich Berichte über Zwangsverkäufe von Grundstücken und über den „kreativen Widerstand querulanter Anwohner“. Auch Luxuswünsche einzelner Stasi-Leute tauchen auf, die den Bau verzögerten und die Kosten auf rund zehn Millionen Ost-Mark trieben.

Auch eine Küche war im Bunker eingerichtet.
Auch eine Küche war im Bunker eingerichtet.Wolfgang Kumm/dpa

Nach dem Ende der DDR verfiel der Bunker zunächst in einen Dornröschenschlaf. Jahrelang stand die Anlage leer, vergessen unter der Erde. Erst seit 2019 wird sie als Lernort genutzt. Rund 3500 Interessierte haben den Bunker seitdem besucht. Allein in der vergangenen Saison kamen mehr als 480 Gäste an acht Veranstaltungswochenenden.

Wer also wissen will, wie die Stasi sich ihren Rückzugsort für den Ernstfall vorstellte, muss nicht weit reisen.

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