Erst im August vergangenen Jahres wurde das Hotel Lugsteinhof im Erzgebirge TV-Zuschauern in ganz Deutschland in Erinnerung gerufen. Denn in dem 40 Jahre alten Hotel spielten Szenen des beliebten „Erzgebirgskrimi“. Hier kamen die Polizisten bei ihren Ermittlungen unter. „Was für eine Ironie! Die sächsische Polizei übernachtet im ehemaligen Ferienheim der Stasi“, stellte Kommissar Robert Winkler (Kai Scheve) fest. Denn das Haus aus der DDR hat eine spannende Geschichte – und laut einem Bericht der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung eine ungewisse Zukunft.
Pächter kämpft um Erhalt des DDR-Hotel Lugsteinhof
Der Grund: Der aktuelle Eigentümer des in 900 Metern Höhe gelegenen Hotels „Lugsteinhof“ in Zinnwald im Erzgebirge ist insolvent – doch der aktuelle Pächter kämpft um den Erhalt des Hauses. Sebastian Hörnig und seine LSH Betreibergesellschaft kümmern sich seit 2020 um das altehrwürdige Hotel. Das Problem: Als Makler ist die Sparkasse als größte Gläubigerin des insolventen Besitzers zuständig, berichtet die Ostdeutsche Allgemeine Zeitung.
Das Hotel soll verkauft werden. Der Wert beträgt laut Amtsgericht Cottbus 1,3 Millionen Euro, der Verkaufspreis wurde aber um eine halbe Million höher angesetzt. „Ich werde alles unternehmen, um das Hotel zu retten, und versuchen, dieses Objekt zu kaufen. Schon allein, weil es um die Sicherung von 60 Arbeitsplätzen geht“, sagte Sebastian Hörnig gegenüber der OAZ. Momentan investiert seine Betreibergesellschaft monatlich zwischen 30.000 und 40.000 Euro. „In dem Moment, in dem ich aufgebe, war es das mit dem Lugsteinhof“, sagt Hörnig weiter.

Es wäre das Ende einer Ära im Erzgebirge. Schon 1911 gab es auf dem Lugstein ein Hotel, das damals aber wesentlich kleiner war. Trotzdem beherbergte das Haus zahlreiche Prominente, darunter Box-Legende Max Schmeling. Im Jahr 1975 wurde das Hotel aber gesprengt. Danach entstand auf dem Gelände ein Ferienheim speziell für Mitarbeiter der Staatssicherheit der DDR. Die Eröffnung wurde 1978 gefeiert.
Zu DDR-Zeiten machte die Stasi Urlaub im Lugsteinhof
Nur Mitarbeiter der Bezirksverwaltungen der Stasi hatten damals Zugang. In der Ferienanlage gab es für die Gäste, die dort meist 14 Tage Urlaub verbrachten, allerlei Luxus. Vollverpflegung, Kegelbahn, Schwimmhalle, Sauna, sogar ein Friseur war vor Ort. Nur Mitarbeiter durften neben den Gästen auf das Gelände, darunter auch Menschen, die sich um die Unterhaltung der Stasi-Feriengäste kümmerten.

Und: Im Gebäude gab es sogar eine Abhöranlage! Damit konnte der gesamte Telefonverkehr in der Region gelauscht werden, heißt es bei der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung. Selbst viele Mitarbeiter wussten davon aber nichts, verriet der ehemalige Geschäftsführer Jochen Löbel schon vor Jahren in der Sächsischen Zeitung. Der heutige Pächter Sebastian Hörnig ist sich der besonderen Geschichte bewusst. „Wir scheuen uns nicht zu sagen, dass wir mal ein Hotel der Staatssicherheit waren. Es ist ja nun mal die Geschichte.“
Noch heute wird im Lugsteinhof wie in der DDR gekocht
Einige schöne Dinge aus der DDR werden im Hotel Lugsteinhof auch heute noch gepflegt – etwa die Küche. „Hier gibt es auch Jägerschnitzel à la DDR. Wir kochen komplett ostdeutsch. Der Chef vom Skiverband FIS hat sogar seine Frau aus Österreich einfliegen lassen, weil er hier so ein gutes Leberragout bekommen hat“, erzählte er im Interview.
Rund 60 Mitarbeiter kümmern sich um das Wohlbefinden der Gäste. Bleibt nur zu hoffen, dass noch viele Menschen den Urlaub im Lugsteinhof genießen können – und hier nicht bald ein Kapitel der Hotelgeschichte der DDR endet.




