Es gibt Märchenfilme, die in der DDR gern geschaut wurden, die heute aber beinahe in Vergessenheit geraten wären – wenn nicht einige TV-Sender sie am Leben erhalten. Ein gutes Beispiel ist „Das blaue Licht“, ein Märchen aus den heiligen Hallen der Defa, das bereits im Jahr 1976 das Licht der Filmwelt erblickte. Am 14. März 1976 feierte der Streifen im Berliner Kino Colosseum seine Premiere, am 17. Dezember im darauffolgenden Jahr wurde er auch im Fernsehen der DDR ausgestrahlt. Wir erinnern an den wunderschönen Defa-Streifen und die Stars, die ihn zum Leben erweckten.
DDR-Märchen „Das blaue Licht“ verzaubert noch heute
In „Das blaue Licht“ aus der DDR geht es um den Bauern Hans, der als Soldat im Krieg war und nun nach Hause zurückkehrt. Er erreicht in der Nacht ein einsames Haus, in dem eine Hexe lebt. Sie gibt ihm Obdach, er hackt ihr dafür Holz. Dann bittet ihn die Hexe, für sie in einen Brunnen zu steigen und von dort das blaue Licht zu holen. Es handelt sich um einen leuchtenden Kristall. Doch weil Hans erkennt, dass die Hexe ihn hintergehen will, behält er den wertvollen Stein für sich. Und bekommt damit magische Kräfte.
Denn der Kristall kann zaubern: Er ruft ein kleines Männchen herbei, das dem Besitzer des Kristalls dienen muss. Zunächst beschafft sich Hans damit Gold aus dem Besitz der Hexe. Dann begibt er sich auf ein Abenteuer: Er will zum König gehen, um sich das ihm zustehende Sold für den Kriegsdienst zu holen. Doch es kommt zum Streit.
Warum Hans dann die eingebildete Tochter des Königs entführt, warum er kurze Zeit später plötzlich hingerichtet werden soll und wie ihn das Männchen aus der scheinbar ausweglosen Situation rettet – das erleben die Zuschauer im Film „Das blaue Licht“, der am Sonntag um 16.25 Uhr im MDR gezeigt wird.

„Das blaue Licht“ ist ein zauberhaftes Märchen nach einer Vorlage der Gebrüder Grimm, das vor allem durch die hervorragenden Schauspieler zum Leben erweckt wird. Doch die meisten der Stars, die es damals in die Kinos und später auf die Fernsehgeräte der DDR brachten, sind heute längst von der Bühne des Lebens abgetreten. Der russische Schauspieler Viktor Semjonow etwa, der die Hauptrolle des Hans spielte, starb bereits 2019 – leider viel zu früh. Er wurde nur 76 Jahre alt.
Viktor Semjonow spielte Hans in „Das blaue Licht“
Der Schauspieler war in Russland ein angesehener Künstler, stand seit 1966 etwa im Taganka-Theater auf der Bühne, einem angesehenen Schauspielhaus in Moskau. Er wirkte in etlichen Filmproduktionen mit, wobei nur „Das blaue Licht“ ihn auch in Deutschland richtig bekannt machte.
Das Theater war es, das am Ende seinen Tod verkünden musste. „Wir trauern um Viktor Semjonow und sprechen seinen Freunden und seiner Familie unser tiefstes Beileid aus“, hieß es im November 2019 aus dem Taganka-Theater. Über seine Todesursache wurde nichts öffentlich bekannt.

Ebenfalls ein echter DDR-Star war Marylu Poolman – die Schauspielerin aus den Niederlanden stand in etlichen Film- und Fernsehproduktionen vor der Kamera. Sie wurde in Amsterdam geboren, studierte Schauspiel in West-Berlin, siedelte später in die DDR über. Hier stand sie zunächst auf der Bühne, gab im Jahr des Mauerbaus dann auch ihr Debüt beim Film. „Drei Kapitel Glück“ wurde ihre Premiere vor der Kamera, später spielte sie auch beim „Polizeiruf 110“ mit, bei „Der Staatsanwalt hat das Wort“ und in „Zahn um Zahn“. Nach der Wende konnte sie ihre Karriere fortsetzen.
Marylu Poolman starb im Jahr 2004 an Krebs
Über die letzten Jahre ihres Lebens ist nicht viel bekannt. Marylu Poolman lebte zum Schluss in Leipzig in Sachsen, einer Stadt, die sie zu ihrer Wahlheimat gemacht hatte. Bis kurz vor ihrem Tod arbeitete sie. 2002 wurde sie als langjähriges Ensemblemitglied des Leipziger Schauspiels verabschiedet. 2004 war sie noch in „Nachbarinnen“ und beim „Polizeiruf 110“ zu sehen. Am 22. Mai 2004 starb Poolman. In Berichten hieß es nur, sie habe an Krebs gelitten. Poolman wurde nur 67 Jahre alt. Sie bekam eine Seebestattung.
Eine weitere wichtige Figur aus „Das blaue Licht“ ist der Räuber, dem Hans am Anfang des Films begegnet – und der ihm am Ende des Films wieder aus der Patsche hilft. Schauspiel-Star Günter Schubert aus Weißwasser war es, der in die Rolle schlüpfte. Auch er ging viel zu früh, weil der Krebs ihn erwischte. Am 2. Januar 2008 starb Schubert im Alter von 69 Jahren in der Berliner Klinik Havelhöhe – erst Wochen zuvor war die Krebserkrankung diagnostiziert worden. Dass schon sein ganzer Körper vom Krebs befallen war, erkannten die Ärzte zunächst nicht.
Günter Schubert war der Räuber in „Das blaue Licht“
Schubert startete seine Karriere am Arbeitertheater in Bad Muskau und am Theater der Bergarbeiter in Senftenberg. Später dann die Schauspielausbildung in Berlin, danach etliche Rollen auf der Bühne, in Film und Fernsehen. Günter Schubert gehörte etwa über Jahre zum Ensemble des DDR-Fernsehens, schaffte seinen Durchbruch unter anderem mit „Zur See“, „Treffpunkt Flughafen“ und „Bereitschaft Dr. Federau“. Über 200 Film- und Fernsehproduktionen schmücken seine Vita: Günter Schubert war ein ganz großer Künstler, an dessen Filme wie „Das blaue Licht“ sich noch heute viele erinnern.

Drei Schauspieler, die dem Märchen Leben einhauchten – und die viel zu früh gehen mussten. Drei Beispiele von vielen: Auch andere Künstler, die in dem beliebten Märchen vor der Kamera standen oder an ihm mitwirkten, sind bereits nicht mehr da. Fred Delmare etwa, der das Männlein spielte, starb Tage nach seinem 87. Geburtstag in einem Krankenhaus in Leipzig an einer Lungenentzündung.



