Ab dem 30. April geht es los!

DDR-Star Gerit Kling bekommt im Berliner KURIER die Kolumne „Gerits Welt“

Jetzt feiert sie ihr Debüt nicht auf der Bühne, sondern im Berliner KURIER. DDR-Star und Schauspielerin Gerit Kling erhält ihre eigene Kolumne „Gerits Welt“.

Author - Mariella Mandurino
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Schauspielerin Gerit Kling bekommt eine Kolumne im Berliner KURIER. Sie startet ab dem 30. April online und in der gedruckten Ausgabe.
Schauspielerin Gerit Kling bekommt eine Kolumne im Berliner KURIER. Sie startet ab dem 30. April online und in der gedruckten Ausgabe.Jordis Antonia Schlösser

Vor 36 Jahren fiel die Grenze, die das Land zerrissen hatte. Und mit ihr fiel auch die Mauer aus Sehnsucht und Abschottung. Als sich 1990 Ost- und Westdeutschland wiedervereinigten, fielen sich Familien in die Arme und tanzten auf dem Beton der Berliner Mauer.

Für Einige war es „nur“ ein historischer Moment. Für Andere der Beginn eines ganz neuen Lebens. Auch Schauspielerin Gerit Kling (60) erlebte den Mauerfall hautnah mit. Aufgewachsen in der DDR, später mit ihrer Schwester Anja Kling (56) in den Westen geflohen, hallen die Erinnerungen daran bis heute in ihr nach.

Über all das schreibt sie nun exklusiv in ihrer neuen Kolumne „Gerits Welt“, die ab dem 30. April jeden zweiten Donnerstag im Berliner KURIER zu lesen ist.

Gerit öffnet ein persönliches Fenster in diese Vergangenheit und in ihr Leben danach. Zwischen Kindheit in der DDR, der riskanten Flucht und den ersten Schritten auf der Bühne erzählt sie Geschichten, die unter die Haut gehen.

„Gerits Welt“ – eine Kolumne voller persönlicher (DDR-) Erinnerungen und Geschichten

An diesem Schreibtisch in ihrem Haus in Potsdam schreibt Gerit Kling ihre Kolumnen für den Berliner KURIER.
An diesem Schreibtisch in ihrem Haus in Potsdam schreibt Gerit Kling ihre Kolumnen für den Berliner KURIER.Jordis Antonia Schlösser

Frau Kling, Sie schreiben eine Kolumne im Berliner KURIER. Warum ist jetzt der richtige Zeitpunkt dafür?

Ich habe lange in der DDR und im Westen gelebt und Erfahrungen sammeln können. Mein Beruf als Schauspielerin beinhaltet Menschen zu beobachten, mir Situationen zu merken. Ich habe zwei Bücher geschrieben und dadurch habe ich gemerkt, wie schön es ist zu schreiben.

Was macht Ihre Kolumne aus?

Ich habe Lust, mit den Kolumnen von mir zu erzählen und auf andere Dinge aufmerksam zu machen, ohne mit dem erhobenen Zeigefinger dazustehen. Ich will auch mit einer kleinen Quintessenz am Ende sagen: ‚Schaut mal, so schlimm ist das doch alles gar nicht‘ oder ‚Ich habe mich auch überbewertet und dann hatte ich eigentlich nur einen Rußfleck im Gesicht‘.

Gerit Kling als junge Frau zu DDR-Zeiten.
Gerit Kling als junge Frau zu DDR-Zeiten.Gerit Kling

Wie persönlich wird es?

Die Kolumne wird sehr, sehr persönlich. Sie heißt ‚Gerits Welt‘ und beinhaltet Geschichten aus meinem Leben, aus meinem Umfeld, aus meinen Erfahrungen.

Wenn Sie eine Botschaft aus Ihrer Kolumne mitgeben können, was sollten die Leser dann am Ende unbedingt verstehen?

Nehmt euch nicht zu ernst.

Sie sind in der DDR aufgewachsen. Was hat Sie bis heute geprägt?

Am meisten haben mich meine Lust zu improvisieren und zu träumen geprägt. Genauso Gerüche oder Freundschaften.

Gerit Kling (r.) 1991 in der Comedyserie „Total bedient“. Damals war sie gerade einmal 26 Jahre alt.
Gerit Kling (r.) 1991 in der Comedyserie „Total bedient“. Damals war sie gerade einmal 26 Jahre alt.Imago

Manchen Dinge aus der DDR werden heute falsch verstanden. Was war typisch für Ihr Leben damals? Es war schließlich eine andere Zeit und ein ganz anderes politisches System.

Wir sind im Sozialismus groß geworden. Es war alles verstaatlicht, es gab kein Privatleben. Das hatte sicherlich viele Nachteile, weil es eine Mangelgesellschaft war. Aus Mangel geht aber immer Kreativität hervor. Wir haben uns aus allem etwas gemacht. Wenn wir ein Westpaket bekommen haben, waren da alte abgelegte Klamotten, von Onkel Herbert und Tante Frieda drin. Die Klamotten waren zu groß und hässlich, aber die Stoffe waren aus dem Westen und wir haben uns daraus etwas Neues genäht. Wir waren immer erfinderisch und das ist etwas, was ich mir bis heute erhalten habe.

Wie haben Sie den Mauerfall und die Wende erlebt?

Den Fall der Mauer habe ich im Auffanglager Schwanendorf erlebt, die Wende in Schwerin. Als die Mauer fiel, waren meine Schwester Anja und ich gerade vier Tage zuvor geflüchtet, mit unserem alten Trabi. Am Tag des Mauerfalls waren wir im Auffanglager und standen 14 Stunden für unsere neuen Papiere an und da hieß es: die Mauer ist auf, alle tanzen auf der Mauer in Berlin. Das war zunächst ein Schock, wir haben nicht damit gerechnet.

Wie ging es dann weiter? 

Mit dem ersten Flieger sind wir dann von Nürnberg nach Hause geflogen, nach West-Berlin. Unser Auto, das wir für 5000 Ostmark gekauft hatten, haben wir für 50 Westmark am Flughafen verkauft, weil wir uns nicht vorstellen konnten, dass man einfach mit dem Auto wieder zurückfahren kann. Es wirkte wie ein One-Way-Ticket, es kam einem vor, als würdest du zum anderen Planeten fahren.

Gerit (l.) mit ihrer Schwester Anja Kling 1997. Bis heute haben die Schwestern ein wunderbares Verhältnis.
Gerit (l.) mit ihrer Schwester Anja Kling 1997. Bis heute haben die Schwestern ein wunderbares Verhältnis.Imago

Was passierte dann?

Ich war damals 24 Jahre alt. Anja blieb erstmal in West-Berlin Grenzgängerin und ich bin wieder zurück ans Staatstheater Schwerin gegangen. Ich habe da noch ein Jahr gearbeitet und bin danach nach Nürnberg ans Theater gegangen und wurde West-Schauspielerin.

Wie war Ihr erster Eindruck vom Westen?

Ich war total enttäuscht, als ich den Westen sah.

Wirklich?

Ja. Ich dachte, das ist das Paradies. Dass es gar nicht das Paradies war, sondern, dass es da auch Städte gab, die ziemlich oll waren, war überraschend. Natürlich gab es im Supermarkt Dinge, die wir nie gesehen haben: Obst, Kinderschokolade und Ähnliches. Ich weiß noch, dass wir damals zu Freunden nach Neukölln gefahren sind. Ich schaute immer aus dem Fenster und dachte: ‚Oh, hier ist es aber auch nicht so hübsch. Das gibt es doch jetzt gar nicht. Was haben die uns denn erzählt?‘

Gerit Kling in ihrer Küche in Potsdam: Sie wurde schon in der DDR zum Schauspiel-Star und hat sich auch im Westen durchgesetzt.
Gerit Kling in ihrer Küche in Potsdam: Sie wurde schon in der DDR zum Schauspiel-Star und hat sich auch im Westen durchgesetzt.Jordis Antonia Schlösser

Wie haben Sie die Zeit damals empfunden?

Es war toll für uns, weil wir diejenigen mit den Top-DDR-Ausbildungen waren. Alles stürzte sich auf die Jungen aus der DDR. Wir haben so unfassbar gut gearbeitet. Unser Debüt im Westen – alle rissen sich um uns. Ich habe sehr, sehr viel gedreht, auch im Ausland und habe viele Hauptrollen gespielt. Auf die Art habe ich die Welt gesehen.

Sie sind dem Osten bis jetzt immer treu geblieben. Warum war das langfristige Weggehen nie eine Option?

Ich habe viele Jahre immer wieder woanders gelebt. Nach der Schauspielschule war ich erst in Brandenburg am Theater. Dann bin ich ans Schweriner Staatstheater gekommen und später ans Theater in Nürnberg.

Und in Berlin?

Ich kam zurück nach Berlin und bin zwölfmal innerhalb der Stadt umgezogen. Mit 30 habe ich meinen Sohn bekommen. Anja und ich haben uns das Grundstück neben unseren Eltern in Wilhelmshorst gekauft. So sind wir wieder zurückgekommen und haben unsere Kinder dort großgezogen.

Nun leben Sie in Potsdam.

Dass ich mal hier lande, in diesem schönen Haus, war reiner Zufall. Nach der Scheidung von meinem damaligen Mann habe ich meinen heutigen Ehemann Wolfi kennengelernt. Meinen Anteil des Hauses habe ich Anja verkauft und bin zu Wolfi gezogen.

Seit mehr als 14 Jahren ist Gerit Kling mit ihrem Ehemann Wolfram Becker glücklich. Die Liebe zwischen dem Paar ist spürbar.
Seit mehr als 14 Jahren ist Gerit Kling mit ihrem Ehemann Wolfram Becker glücklich. Die Liebe zwischen dem Paar ist spürbar.Jordis Antonia Schlösser

Was bedeutet für Sie der Begriff Heimat?

Das ist da, wo die Eltern leben, wo ich groß geworden und zur Schule gegangen bin und wo meine Bezugsmenschen leben. Heimat hat immer mit Menschen zu tun. Potsdam und Berlin sind meine Heimat, weil ich hier sehr viel erlebt habe.

Heute leben wir in einer Konsumgesellschaft. In der DDR konnte man sich damals nicht alles kaufen.

Das kann sich sehr schnell ändern. Wir sind auf dem besten Weg dorthin. Wir leben gerade in einer sehr krassen Zeit.

Wodurch?

Durch unsere extreme Digitalisierung, durch Social Media, durch all diese Dinge, die sehr großen Einfluss auf uns nehmen. Manchmal fehlt mir das analoge Leben. Kinder wissen heute aus den Kinderschuhen, wie Computer und Handys funktionieren. Wir sind früher in den Wald gegangen und haben Bäume beklettert. Wir waren immer unterwegs und hatten wirklich ein anderes Leben. Die Jugend heute hält nur noch den Kopf nach unten.

Gerit Kling: „Ich habe die Dankbarkeit nie verloren“

Denken Sie, dass die Gesellschaft die Demut und Dankbarkeit verloren hat?

Das muss man differenziert sehen. Ich habe die Dankbarkeit nie verloren. Warum sollte ich sie verlieren? Im Gegenteil. Ich bin dankbar, wenn ich mit meinem Mann einen schönen Tag verbringe, eine schöne Reise vorhabe oder wenn mir eine gute Kolumne gelingt.

Hinter Gerit Klings beruflichem Erfolg steckt jahrezehnte lange harte Arbeit und bis heute ist sie für alles dankbar.
Hinter Gerit Klings beruflichem Erfolg steckt jahrezehnte lange harte Arbeit und bis heute ist sie für alles dankbar.Jordis Antonia Schlösser

Wie meinen Sie das?

Ich finde eher, dass die Jugend perspektivloser geworden ist. Junge Leute, und auch meine Kinder, sagen öfter, sie schaffen es gar nicht mehr, Vermögen anzusparen und sich mit 30 ein Haus zu kaufen. Die Jugend hofft, dass sie die Erbengeneration sind. An so etwas haben wir früher gar nicht geachtet. Ich habe meine Eltern nie gefragt: ‚Was erbe ich denn mal?‘ Ich finde, da geht Dankbarkeit verloren. Man nimmt den jungen Leuten aber auch die Perspektive. Das finde ich sehr bedenklich.

Kennen Sie Gerit Kling schon zu DDR-Zeiten? Welche Themen würden Sie in Gerit Klings Kolumne am meisten interessieren? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com