Die nächste bekannte Lebensmittelmarke aus dem Osten gerät ins Straucheln: Die Eigentümerfamilie der Halberstädter Würstchen zieht nach Jahrzehnten die Reißleine, berichtet die Bauernzeitung. Der traditionsreiche Betrieb in Sachsen-Anhalt soll verkauft werden – das Geld ist schlichtweg aufgebraucht. Erst vor kurzem war das Aus für die Eberswalder Würstchen verkündet worden.
Mittelstands-Familie zieht sich zurück
Die Familie um Seniorchef Ulrich Nitsch hat beschlossen, die Produktion in Halberstadt nicht länger fortzuführen. Prokuristin Silke Erdmann-Nitsch spricht offen von einer dramatischen Lage: Die Liquidität sei nahezu erschöpft, die Finanzierung zuletzt komplett ins Stocken geraten.
Der Hersteller, der seit DDR-Zeiten als feste Größe im Wurstregal gilt, kämpft seit Monaten mit massiven Belastungen. Energie, Fleisch und Personal sind deutlich teurer geworden, gleichzeitig schrumpft der Markt für klassische Wurstwaren. Das Unternehmen befindet sich bereits im Schutzschirmverfahren, einer Art Insolvenz in Eigenverwaltung, die greifen soll, bevor die Zahlungsunfähigkeit eintritt.
Erdmann-Nitsch betont, dass es nicht an Aufträgen mangele – im Gegenteil. Auch internationale Kunden hätten Interesse. Doch ohne frisches Kapital könne man größere Bestellungen schlicht nicht produzieren.
Feinkosthändler Käfer brachte nicht die erhoffte Rettung
Zu Jahresbeginn hatte es noch vorsichtige Hoffnung gegeben. Gemeinsam mit dem Münchner Feinkosthaus Käfer wollte Halberstädter neue Produktlinien entwickeln: Suppen, vegetarische Chili-Gerichte oder Rindfleisch in Meerrettichsoße sollten neue Kundengruppen ansprechen. Doch die Partnerschaft konnte die wirtschaftliche Schieflage nicht mehr abfedern.

Nun bleibt nur der Verkauf – Marke und Produktionsstandort sollen an einen neuen Investor übergehen. Die Unternehmensgruppe, zu der auch ein Hotelbetrieb gehört, hat laut Erdmann-Nitsch rund 150 Mitarbeiter. Umsatzzahlen nennt das Unternehmen nicht.
Das Unternehmen wurde 1883 in Halberstadt gegründet. Gründer Friedrich Heine schaffte es 1896 mit der bis dahin eher regional bekannten Spezialität namens „Halberstädter Würstchen“, den weltweiten Markt zu erschließen. Er verpackte erstmalig Würstchen in eine Konserve und machte damit die Bevorratung mit Würstchen möglich.
Mittelstandswurst in der Krise
„Sowohl der Lebensmitteleinzelhandel als auch die Produktionsbetriebe in Deutschland haben sich zusammengeschlossen. Einzelne mittelständische Unternehmen stoßen heute zu schnell an ihre Grenzen“, hieß es in der Mitteilung des Unternehmens zum Verkauf.
„Da der Konservenbetrieb sehr leistungsstark und erweiterungsfähig ist, eignet er sich für die Bevorratung, eventuell Belieferung der Bundeswehr auch europaweit. Es soll ein leistungsstarker Käufer gesucht werden.“ Die Chancen stehen gut.



