Traditionsunternehmen

Halberstädter Würstchen: Die DDR-Kultmarke geht in die Wurst-Offensive

Mit einem erweiterten Sortiment will das Unternehmen neue Zielgruppen und Märkte erobern. Auch die internationale Expansion ist geplant.

Author - Sebastian Krause
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Halberstädter Würstchen wollen sich breiter aufstellen und neue Produkte auf den Markt bringen.
Halberstädter Würstchen wollen sich breiter aufstellen und neue Produkte auf den Markt bringen.Matthias Bein/dpa

Halberstadt geht jetzt „all in“ – und zwar bei der Wurst. Die Unternehmensgruppe Halberstädter Würstchen will sich breiter aufstellen. Das teilte der Sanierungsexperte mit, der das Unternehmen seit einem Jahr begleitet.

Diese neuen Produkte sind geplant

Geplant ist demnach, neue Produkte auf den Markt zu bringen. Künftig sollen auch Suppen im Glas, mehr Geflügel‑ sowie Brat‑ und Grillwürste hergestellt werden. Zudem wird es den Angaben nach Halal‑Produkte für internationale Märkte geben. Das sind Lebensmittel, die nach islamischem Recht für Muslime gestattet sind.

Halberstädter will neue Märkte erschließen

Der Plan dahinter ist klar: Raus aus der regionalen Ecke, rein in neue Regale – und in neue Regionen. Wie Halberstädter-Geschäftsführerin Silke Erdmann-Nitsch sagte, will die Unternehmensgruppe auch in Nord- und Süddeutschland Fuß fassen.

Im Hintergrund läuft unterdessen weiter das Ringen um Stabilität. In der Vergangenheit hatte Halberstädter mit gestiegenen Energie‑, Fleisch‑ und Personalkosten zu kämpfen. Auch der schrumpfende Wurstmarkt und der sinkende Umsatz setzten der Firma zu. Derzeit läuft ein Schutzschirmverfahren. Es soll noch vier bis sechs Wochen dauern.

Derzeit läuft bei Halberstädter Würstchen eine Schutzschirmverfahren.
Derzeit läuft bei Halberstädter Würstchen eine Schutzschirmverfahren.Michael Westermann/imago

Schutzschirmverfahren bei Halberstädter

Ein Schutzschirmverfahren ist ein besonderes Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung, das Unternehmen bei drohender Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung nutzen können, um unter gerichtlicher Aufsicht einen Sanierungsplan zu erarbeiten. Die Geschäftsführung bleibt dabei grundsätzlich am Steuer, begleitet von einem vorläufigen Sachwalter.

Das Verfahren ist also als Werkzeug gedacht, um eine Zahlungsunfähigkeit abzuwenden und den Betrieb fortzuführen. Genau darauf setzt Halberstädter jetzt, während parallel das Sortiment erweitert und neue Absatzchancen gesucht werden.

Es sollen keine Mitarbeiter entlassen werden

Für die Belegschaft gibt es in dieser Phase zumindest eine gute Botschaft. Bei dem Unternehmen arbeiten etwa 150 Menschen. Nach Angaben der Geschäftsführerin wurden keine Mitarbeiter entlassen.

Dass die Firma jetzt auf zusätzliche Produkte setzt, passt auch zu ihrer eigenen Erzählung, mehr zu sein als „nur“ Würstchen im Glas. Auf den eigenen Unternehmensseiten wird das Sortiment als breiter beschrieben – mit Fleischwaren, Fertiggerichten, Wurstkonserven und Suppen. Neu ist nun vor allem die strategische Ausrichtung: mehr Vielfalt, mehr Märkte, mehr Zielgruppen.

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