Erster Mensch im All

Geheimakte Juri Gagarin: Der schreckliche Tod des DDR-Helden

Er flog als erster Mensch der Welt vor 65 Jahren ins Weltall – und kehrte als Held zurück. Doch der Tod von Juri Gagarin wurde später zum Geheimnis.

Author - Florian Thalmann
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Juri Gagarin war der erste Mensch im Weltall – und wurde nach seinem Weltraumflug im Jahr 1961 zum Helden der Sowjetunion.
Juri Gagarin war der erste Mensch im Weltall – und wurde nach seinem Weltraumflug im Jahr 1961 zum Helden der Sowjetunion.ITAR-TASS/imago

Er wurde als Held der Sowjetunion ausgezeichnet – und auch von vielen Menschen in der DDR gefeiert: Kosmonaut Juri Alexejewitsch Gagarin. Am 12. April 1961 umrundete er an Bord der „Wostok 1“ innerhalb von 108 Minuten die Erde – ein Ereignis, das gerade erst sein 65-Jahre-Jubiläum feierte. Doch nicht nur sein Ausflug in den Weltraum beschäftigte viele Raumfahrt-Fans lange, sondern auch die Tatsache, wie er starb. Juri Gagarin verunglückte. Die wahren Umstände seines tragischen Todes kamen erst Jahrzehnte später ans Licht.

Juri Gagarin interessierte sich für das Fliegen

Juri Gagarin wurde am 9. März 1934 in Kluschino in Russland geboren – als Sohn einer Bauernfamilie. Welchen Lebensweg er bestreiten sollte, ahnte wohl niemand, als der spätere Held der Sowjetunion noch ein Kind war. Nach der Schule studierte er am Industrietechnikum in Saratow, wurde Gießereitechniker. Er interessierte sich schon während des Studiums für die Fliegerei, trat dem Aeroklub in Saratow bei und absolvierte am 3. Juni 1955 seine erste Flugprüfung.

Juri Gagarin als kleiner Junge. Er wuchs als Kind einer russischen Bauernfamilie aus. Damals ahnte niemand, dass aus ihm einmal ein Held der Sowjetunion werden sollte.
Juri Gagarin als kleiner Junge. Er wuchs als Kind einer russischen Bauernfamilie aus. Damals ahnte niemand, dass aus ihm einmal ein Held der Sowjetunion werden sollte.ITAR-TASS/imago

Zwei Jahre später führte sein Weg Juri Gagarin zu den Luftstreitkräften der Sowjetunion, wo er eine steile Karriere hinlegte und im Jahr 1960 als Kosmonaut vorgeschlagen wurde. Es folgten Ausbildungen und Prüfungen, bis Gagarin ausgewählt wurde und zur Mission seines Lebens antreten durfte.

Eine Geschichte besagt übrigens, dass er deshalb ins All flog, weil er mit einer Körpergröße von 1,57 Metern so klein war, dass die beengten Zustände in der Raumkapsel für ihn weniger ein Problem waren als für andere Kandidaten. Am 12. April 1961 ging es für ihn ins All – und nach einem Flug um die Erde landete Juri Gagarin wieder unbeschadet im Wolga-Gebiet in der Nähe von Saratow.

Für seine Ausbildung zum Kosmonauten musste Juri Gagarin hart trainieren. Berichtet wurde aber, dass am Ende seine Körpergröße den Ausschlag für seine Auswahl gab.
Für seine Ausbildung zum Kosmonauten musste Juri Gagarin hart trainieren. Berichtet wurde aber, dass am Ende seine Körpergröße den Ausschlag für seine Auswahl gab.ITAR-TASS/imago

Er wurde daraufhin nicht nur zum Helden der Sowjetunion ernannt und in den Ostblockländern gefeiert, sondern wurde zum Idol auf der ganzen Welt. Seine Worte „Ich sehe die Erde! Sie ist so wunderschön!“, die er während seines Fluges prägte, sind noch heute bekannt – genau wie die Tatsache, dass aufgrund seiner Schilderungen die Beschreibung „blauer Planet“ entstand. Mit gerade 27 Jahren war Gagarin ein Star auf der ganzen Welt. Doch sein tragisches Ende kam schneller, als viele es gedacht hätten.

Juri Gagarin sollte Ausbilder der Kosmonauten werden

In der Folge seines Weltraumfluges sollte er zum Ausbilder der Kosmonauten werden. Ein Karriereschritt, den er letztendlich nie machen konnte. Denn er verunglückte noch vorher auf tragische Weise. Juri Gagarin wollte seine Ausbildung zum Kampfpiloten beenden, die er schon vor der Ausbildung zum Kosmonauten begonnen hatte. Am 27. März 1968 nahm Gagarin an einem Übungsflug mit einer MiG-15UTI teil – und verunglückte dabei tödlich. Auch sein Flugausbilder und Copilot starb.

Die genauen Umstände des Todes waren lange ein Geheimnis, was auch dazu führte, dass sich viele Verschwörungstheorien bildeten. Von der Regierung hieß es damals nur, es habe sich um „eine unglückliche Verkettung verhängnisvoller Umstände“ gehandelt. Manche glaubten, deshalb beispielsweise, er sei vom Geheimdienst getötet worden.

Juri Gagarin trat am 12. April 1961 das Abenteuer seines Lebens an. Und starb schon einige Jahre danach viel zu früh.
Juri Gagarin trat am 12. April 1961 das Abenteuer seines Lebens an. Und starb schon einige Jahre danach viel zu früh.ITAR-TASS/imago

Erst 2011, als der Raumflug von Juri Gagarin 50-Jahre-Jubiläum feierte, wurde der Untersuchungsbericht zu der Tragödie herausgegeben. Demnach funkte Juri Gagarin nach zehn Minuten Flugzeit zum Boden und kündigte eine Rückkehr zum Flugplatz an. Das auf insgesamt vier Minuten angelegte Trainingsmanöver schien ihm also gelungen zu sein. Doch dann riss der Kontakt ab. Was geschah in der Luft?

Tod von Juri Gagarin: Was passierte im Himmel?

Das Ergebnis: Laut Untersuchung flog Gagarin womöglich ein scharfes Manöver. Womöglich, weil er einem Wetterballon ausweichen oder den Eintritt in die Wolkendecke  vermeiden wollte. Für den Wetterballon spricht, dass an der Absturzstelle auch Teile von Radiosonden gefunden worden sein sollen. Hinzu kam, dass die Wetterbedingungen nicht gut waren – und auch die Maschine in schlechtem Zustand gewesen sei. Außerdem wurde Gagarin im Bericht als „höchst unerfahrener Pilot“ bezeichnet. Eine Aussage, die zugleich am Heldenstatus des Kosmonauten kratzte.

Die Folge des Manövers: Das Flugzeug geriet in einen kritischen Zustand und konnte nicht mehr stabilisiert werden. Es stürzte zur Erde. Die Geschwindigkeit beim Aufschlag soll bis zu 670 Stundenkilometer betragen haben. Das tragische Ende eines Mannes, der auch in der DDR von vielen zum Helden erkoren wurde.

Juri Gagarin im Jahr 1965 mit seiner Frau Valentina beim Tanz bei einem Ball im Moskauer Kreml.
Juri Gagarin im Jahr 1965 mit seiner Frau Valentina beim Tanz bei einem Ball im Moskauer Kreml.ITAR-TASS/imago

Juri Gagarin bekam ein Staatsbegräbnis, seine Urne wurde an der Mauer des Kreml in Moskau beigesetzt – und ruht dort noch heute. Noch immer erinnern an den ersten Mann im All auch verschiedene Skulpturen und Denkmäler – unter anderem an der Stelle, an dem er nach seinem Flug ins All wieder auf der Erde landete.

Erinnern Sie sich an Juri Gagarin? Und wären Sie auch gern mal bei einem Flug ins All dabei? Schicken Sie uns Ihre Meinung per Mail an wirvonhier@berlinerverlag.com. Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften!