Als Juri Gagarin vor 65 Jahren, am 12. April 1961, an Bord der „Wostok 1“ die Erde umrundete, war das nicht nur eine technische Sensation. Der erste Mensch im All – ein Sowjetbürger – verschaffte Moskau im Kalten Krieg einen Prestigeerfolg, der die USA heftig traf. Im Wettlauf um die Präsenz im Weltraum hatte der „Sputnik“-Schock von 1957 – der erste Satellit im All – die Amerikaner bereits aufgeschreckt. Doch nach Gagarins 108-minütigem Flug war klar, dass die Sowjetunion die Raumfahrt dominierte. Wo steht die Raumfahrtnation Russland heute?
Der Triumph-Flug von Juri Gagarin wird gefeiert
Am Sonntag wird der Internationale Tag der bemannten Raumfahrt gefeiert, der auf Gagarins Flug zurückgeht. Und die Mondumrundung der Nasa-Astronauten der „Artemis 2“-Crew, die am Freitagnachmittag wieder wohlbehalten auf der Erde landeten, schürt in Russland Sehnsüchte nach den Erfolgen der Vergangenheit.
Der „Artemis 2“-Erfolg der amerikanischen Raumfahrtbehörde macht jedoch deutlich: Beim Wettlauf zum Mond haben die USA und China Russland längst auf der Strecke gelassen.

Die USA planen bereits für 2028 eine Landung auf dem Mond. China arbeitet mit Hochdruck an einer eigenen bemannten Mondmission bis 2030. Russland hingegen kämpft mit Rückschlägen und Verzögerungen.
Der russische Raumfahrtexperte Georgi Trischkin urteilt nüchtern: Russland sei nicht einmal in der Lage, seine eigenen Mondsondenpläne zu erfüllen. Der Abstand werde eher wachsen.
Russlands Raumfahrt kämpft mit vielen Problemen. Tatsächlich verschiebt die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos immer wieder Expeditionen, nachdem ihre erste unbemannte Mondmission seit 1976 kläglich gescheitert war. Die Sonde „Luna-25“ zerschellte im August 2023 an der Mondoberfläche – eine teure Schlappe, nachdem sogar Indien zuvor eine Sonde dort mit Erfolg gelandet hatte.
Geld für den Ukraine-Krieg fehlt in der Raumfahrt
Die Gründe für Russlands Probleme sind vielfältig. Der Angriffskrieg gegen die Ukraine verschlingt enorme Mittel, die der Raumfahrt fehlen. Zusätzlich spürt das Land den Druck westlicher Sanktionen.
Doch Trischkin sieht die Ursachen tiefer: „Die Branche befindet sich in einer Stagnationsphase, die mit einem Personalüberhang, untragbaren Schulden bei den wichtigsten Unternehmen und einer Unterfinanzierung in allen Bereichen einhergeht“, schreibt er in einer Analyse für die Denkfabrik Carnegie.

Zwar hält Russland an seinen Mondplänen fest. Roskosmos-Chef Dmitri Bakanow träumt sogar davon, dass Kosmonauten von dort aus zum Mars fliegen. Trischkin allerdings meint, das Land habe den Anschluss verpasst und könne allenfalls noch technische Lösungen für eine künftige Mondstation beisteuern – etwa bei der Nutzung von Kernenergie für den Betrieb einer solchen Anlage.
Russlands Mond-Pläne werden bescheidener
Tatsächlich kündigte der Atomkonzern Rosatom in Moskau an, kleine atomare Reaktoren für eine künftige Mondbasis entwickeln zu wollen, die zehn Jahre autonom laufen könnten. Auch ein atomarer Raketenantrieb sei möglich.

Zum Erfolg der vier Nasa-Astronauten, die den Mond nun umrundet haben, sagt der Kosmonaut Alexej Subrizki in Moskau, dass dies Ansporn für eine bemannte Mission womöglich in Kooperation mit anderen sein sollte. „Solche Errungenschaften unserer Partner in der Raumfahrt zwingen uns, uns selbst in diese Richtung zu bewegen und womöglich sogar die Schritte zu beschleunigen“, sagt er vorsichtig.
Teil der bemannten Mond-Mission von China?
Naheliegend für eine Zusammenarbeit wäre China. So unterzeichneten beide Länder 2025 eine Absichtserklärung für den gemeinsamen Bau eines Mondkraftwerks bis zum Jahr 2036.




