Erster Mensch im All

65 Jahre nach Gagarins Triumph: Wo steht die russische Raumfahrt heute?

Am 12. April 1961 flog der Sowjetbürger Juri Gagarin als erster Mensch ins All. Eine Sensation! Von solchen Erfolgen kann die Raumfahrtnation Russland heute nur träumen.

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Der sowjetische Kosmonaut Juri Gagarin, der erste Mensch im All.
Der sowjetische Kosmonaut Juri Gagarin, der erste Mensch im All.Imago

Als Juri Gagarin vor 65 Jahren, am 12. April 1961, an Bord der „Wostok 1“ die Erde umrundete, war das nicht nur eine technische Sensation. Der erste Mensch im All – ein Sowjetbürger – verschaffte Moskau im Kalten Krieg einen Prestigeerfolg, der die USA heftig traf. Im Wettlauf um die Präsenz im Weltraum hatte der  „Sputnik“-Schock von 1957 – der erste Satellit im All – die Amerikaner bereits aufgeschreckt. Doch nach Gagarins 108-minütigem Flug war klar, dass die Sowjetunion die Raumfahrt dominierte. Wo steht die Raumfahrtnation Russland heute?

Der Triumph-Flug von Juri Gagarin wird gefeiert

Am Sonntag wird der Internationale Tag der bemannten Raumfahrt gefeiert, der auf Gagarins Flug zurückgeht. Und die Mondumrundung der Nasa-Astronauten der „Artemis 2“-Crew, die am Freitagnachmittag wieder wohlbehalten auf der Erde landeten, schürt in Russland Sehnsüchte nach den Erfolgen der Vergangenheit.

Der „Artemis 2“-Erfolg der amerikanischen Raumfahrtbehörde macht jedoch deutlich: Beim Wettlauf zum Mond haben die USA und China Russland längst auf der Strecke gelassen.

Der Held wird hübsch gemacht: Wartungsarbeiter reinigen am 8. April das Denkmal des sowjetischen Kosmonauten Juri Gagarin in Moskau.
Der Held wird hübsch gemacht: Wartungsarbeiter reinigen am 8. April das Denkmal des sowjetischen Kosmonauten Juri Gagarin in Moskau.Igor Ivanko / AFP

Die USA planen bereits für 2028 eine Landung auf dem Mond. China arbeitet mit Hochdruck an einer eigenen bemannten Mondmission bis 2030. Russland hingegen kämpft mit Rückschlägen und Verzögerungen.

Der russische Raumfahrtexperte Georgi Trischkin urteilt nüchtern: Russland sei nicht einmal in der Lage, seine eigenen Mondsondenpläne zu erfüllen. Der Abstand werde eher wachsen.

Russlands Raumfahrt kämpft mit vielen Problemen. Tatsächlich verschiebt die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos immer wieder Expeditionen, nachdem ihre erste unbemannte Mondmission seit 1976 kläglich gescheitert war. Die Sonde „Luna-25“ zerschellte im August 2023 an der Mondoberfläche – eine teure Schlappe, nachdem sogar Indien zuvor eine Sonde dort mit Erfolg gelandet hatte.

Geld für den Ukraine-Krieg fehlt in der Raumfahrt

Die Gründe für Russlands Probleme sind vielfältig. Der Angriffskrieg gegen die Ukraine verschlingt enorme Mittel, die der Raumfahrt fehlen. Zusätzlich spürt das Land den Druck westlicher Sanktionen.

Doch Trischkin sieht die Ursachen tiefer: „Die Branche befindet sich in einer Stagnationsphase, die mit einem Personalüberhang, untragbaren Schulden bei den wichtigsten Unternehmen und einer Unterfinanzierung in allen Bereichen einhergeht“, schreibt er in einer Analyse für die Denkfabrik Carnegie.

Die Sojus-2.1b-Rakete mit der Mondlandestation Luna-25 hebt im August 2023 im Weltraumbahnhof Wostotschny im Fernen Osten Russlands ab. Es wurde ein Misserfolg.
Die Sojus-2.1b-Rakete mit der Mondlandestation Luna-25 hebt im August 2023 im Weltraumbahnhof Wostotschny im Fernen Osten Russlands ab. Es wurde ein Misserfolg.Staatliche Raumfahrtkorporation Roskosmos via AP/dpa

Zwar hält Russland an seinen Mondplänen fest. Roskosmos-Chef Dmitri Bakanow träumt sogar davon, dass Kosmonauten von dort aus zum Mars fliegen. Trischkin allerdings meint, das Land habe den Anschluss verpasst und könne allenfalls noch technische Lösungen für eine künftige Mondstation beisteuern – etwa bei der Nutzung von Kernenergie für den Betrieb einer solchen Anlage.

Russlands Mond-Pläne werden bescheidener

Tatsächlich kündigte der Atomkonzern Rosatom in Moskau an, kleine atomare Reaktoren für eine künftige Mondbasis entwickeln zu wollen, die zehn Jahre autonom laufen könnten. Auch ein atomarer Raketenantrieb sei möglich.

Roskosmos-Chef Dmitri Bakanow
Roskosmos-Chef Dmitri BakanowAlexander Nemenov / AFP

Zum Erfolg der vier Nasa-Astronauten, die den Mond nun umrundet haben, sagt der Kosmonaut Alexej Subrizki in Moskau, dass dies Ansporn für eine bemannte Mission womöglich in Kooperation mit anderen sein sollte. „Solche Errungenschaften unserer Partner in der Raumfahrt zwingen uns, uns selbst in diese Richtung zu bewegen und womöglich sogar die Schritte zu beschleunigen“, sagt er vorsichtig.

Teil der bemannten Mond-Mission von China?

Naheliegend für eine Zusammenarbeit wäre China. So unterzeichneten beide Länder 2025 eine Absichtserklärung für den gemeinsamen Bau eines Mondkraftwerks bis zum Jahr 2036.

Peking arbeitet seit Jahren zielstrebig an seinem Mondprogramm. 2024 gelang es der „Chang’e 6“-Mission als erster in der Geschichte, Bodenproben von der Rückseite des Mondes zur Erde zu bringen. Und die für bemannte Mondflüge entwickelte Rakete „Langer Marsch 10“ wird bereits getestet.

Wie ist Ihre Meinung zu Russlands Plänen im All? Bitte schreiben Sie uns an leser-bk@berlinerverlag.com