Der Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark in Prenzlauer Berg wird immer mehr zur teuersten Baustelle Berlins. Nicht nur der Neubau des Jahnstadions verschlingt mehr Millionen als geplant – auch der Abriss der alte Arena aus DDR-Zeiten. Was viele befürchten, tritt nun ein: Bei der Umgestaltung des Friedrich-Ludwig-Jahnsportparks zum Standort für den Inklusions-, Schul- und Vereinssport greift der Senat jetzt zum Rotstift. Rund 51 Millionen Euro will er einsparen!
Jahnstadion: So explodieren die Kosten
Es wird weggebaggert, was das Zeug hält. Vom alten Jahnstadion ist kaum noch etwas übrig. Im Februar verschwanden mit einem großen Knall zwei Lichtmasten der Arena aus DDR-Zeiten. Bis Ende 2026 soll alles komplett weg sein.
Sprengstoff enthält auch das Papier, das die Senatsbauverwaltung jetzt im Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses vorlegte. In dem Jahresbericht zum Stand beim Jahnstadion und der Umgestaltung des dazugehörigen Sportparks knallt es gewaltig, vor allem bei den Kosten. Denn diese krachen weiter nach oben.

Etwa beim Abriss der alten Arena: Laut der geprüften Bauunterlagen soll dieser insgesamt 20,4 Millionen Euro kosten. Rechnet man aber die Einzelposten zusammen, die auch in dem Bericht stehen, kommt man auf eine ganz andere Summe – auf fast 22,4 Millionen Euro.
An den Mehrkosten von zwei Millionen Euro sind vor allem die zusätzlichen Asbestfunde während der Abrissarbeiten schuld. Laut Bericht kostete die Schadstoffbeseitigung 1,6 Millionen Euro.
Jahnstadion: Beim Neubau explodieren die Kosten
So richtig explodieren die Kosten beim Neubau des Jahnstadions. Die Arena mit über 20.000 Plätzen, die nach jetziger Planung erst 2029 fertig sein wird, sollte 2019 noch etwa 97 Millionen Euro kosten.
In dem aktuellen Bericht schätzt jetzt die Senatsbauverwaltung, dass der Neubau 207 Millionen Euro verschlingen wird. Interne Prognosen gehen sogar von Summen weit über 260 Millionen Euro aus. Der Hauptgrund: die ständig steigenden Bau- und Materialkosten.

Weil das größenwahnsinnige Stadionprojekt des Senats immer teurer wird, will er nun an anderer Stelle sparen – ausgerechnet bei dem Umbau des Friedrich-Jahn-Sportparks, der 119 Millionen Euro kosten soll. Die Bürgerinitiative Jahnsportpark wertet das als Skandal.
Denn genau die Umgestaltung des Sportparks sollte am stärksten dem Behinderten-, Schul- und Vereinssport in Berlin dienen. „Hier wird gerade ein Eigentor mit Ansage geschossen: Während das überdimensionierte Profistadion immer teurer wird, sollen ausgerechnet Inklusions- und Breitensport auf die Ersatzbank geschickt werden“, sagt Alexander Puell von der Bürgerinitiative Jahnsportpark.
Teures Jahnstadion: Für Schulsport-Projekte fehlt Geld
Der Senat beruft sich auf die drastischen Sparauflagen im Berliner Landeshaushalt, die auch das Jahnstadion betreffen. Denn Ende vergangenen Jahres hatte man beschlossen, dass der Abriss, der Neubau des Jahnstadions und die Umgestaltung des Sportparks nicht mehr als insgesamt 300 Millionen Euro kosten dürfen. Doch rechnet man diese Geldsummen aus dem jüngsten Senatsbericht zusammen, liegen die Gesamtkosten schon jetzt bei 348,4 Millionen Euro.
In dem Papier steht daher auch ganz genau, wo der Rotstift beim Sportpark angesetzt werden soll. Ein Bürogebäude (Kosten: 17 Millionen Euro) und eine Tennishalle sollen wegfallen. Eine Multifunktionshalle wird kleiner gebaut. „Durch diese Einsparungen reduzieren sich die Kosten von 119 Millionen Euro auf 68 Millionen Euro“, steht in dem Senatsbericht.

Die Bürgerinitiative Jahnsportpark misstraut dem Sparplan von 51 Millionen Euro. „Das ist doch eine Luftnummer“, sagt Sprecher Philipp Dittrich. „Die Tennishalle ist schon lange aus der Planung heraus. Nimmt man das Bürogebäude für 17 Millionen Euro aus dem Rennen, bleiben noch 34 Millionen Euro. Und diese Summe spart man garantiert nicht ein, wenn man eine Multifunktionshalle von 2500 auf 1500 Plätze verkleinert. Dazu muss man kein Bauexperte sein.“



