Nach dem Abrissstopp gibt es eine neue Perspektive für das SEZ. Ausgerechnet am Tag, an dem der legendäre DDR-Bau an der Berliner Landsberger Allee komplett plattgemacht werden sollte, wurde nun dem Berliner Senat ein Plan für den Erhalt des einstigen Sport- und Erholungszentrums vorgelegt. Der KURIER kennt die Details. Demnach ist alles möglich, um das SEZ zu erhalten. Nur als Spaßbad wie einst in der DDR kann das SEZ vorerst nicht überleben.
Neues Bündnis kämpft für den DDR-Kultbau SEZ
SEZ-Fan Susanne Lorenz (51) ist überglücklich. Seit fast zwei Jahren kämpft sie in der Bürgerinitiative „SEZ für alle“ um den Erhalt des DDR-Baus, den der Senat abreißen lassen will, um den Bau von über 600 Wohnungen zu ermöglichen. Am 2. März sollten nun die Bagger am SEZ richtig loslegen. Doch das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg stoppte den Abrissbeginn in letzter Minute.

Stattdessen fand am heutigen Montag (2. März) im Berliner Abgeordnetenhaus eine Anhörung im Bau- und Innenausschuss zur Zukunft des SEZ statt. Dabei geht es um den Beschluss einer Machbarkeitsstudie zum Erhalt des einstigen DDR-Spaßbades. Dabei ist auch Susanne Lorenz.
Die Bürgerinitiative „SEZ für alle“, deren Sprecherin Lorenz ist, gehört zum neuen Bündnis „SEZ neu denken“. Darin sind auch die Bürgerinitiative „Gemeingut“, Verbände, Architekten und Vertreter des Bezirks, die den Plan zum Erhalt des Sport-Erholungszentrums erarbeitet und diesen nun im Abgeordnetenhaus dem Berliner Senat vorgelegt haben.
So soll das SEZ erhalten bleiben
Der Plan überrascht: „Das SEZ muss gar nicht abgerissen werden, um auf dem Areal neue Wohnungen zu bauen“, sagt SEZ-Kämpferin Lorenz. Bis zu 500 Wohnungen könnten neben dem DDR-Bau entstehen.
Laut Plan sollen dafür vier Hochhäuser (um die 60 Meter hoch) gebaut werden. Und so bleibt auf dem Areal auch noch genug Platz für das SEZ. „Das SEZ kann gut saniert werden“, sagt Bezirksbaustadtrat Florian Schmidt (Grüne). Es sei ein „Mythos, dass das SEZ total verfallen sei und nicht mehr saniert werden könne“.

Laut dem Plan sollen die Hallenstrukturen des einstigen DDR-Spaßbades erhalten bleiben. „Sie ermöglichen es, dort Flächen für Sport, soziale Angebote und Kultur wirtschaftlich in den Bestand zu integrieren, die der Bezirk dringend braucht“, so Baustadtrat Schmidt.
So könnte das SEZ für Veranstaltungen (bis 2000 Personen und mehr), Konzerte und Kulturproduktionen, Sport-Events, Workshops und Konferenzen, Schulveranstaltungen, Märkte, Ausstellungen und Messen genutzt werden. Bis zu 620.000 Euro könnten durch Vermietungen eingenommen werden, steht in dem Plan.
SEZ soll neuen Kiez mit Energie versorgen
Eine weitere Einnahmequelle: Das SEZ wird zum Energieversorgungszentrum für den neuen Kiez. „Die großzügigen Kellerbereiche werden beispielsweise für Abwasserwärmerückgewinnung und andere innovative Techniken zur nachhaltigen Energiegewinnung für das Quartier genutzt“, steht in dem Plan.
Der wirtschaftliche Nutzen: Die Betriebskosten des SEZ werden gesenkt. Die Plan-Macher rechnen sogar mit einem jährlichen Gesamtumsatz von fast zwei Millionen Euro.
Laut dem Plan soll es für das SEZ mehrere Betreiber geben. Das können kommerzielle und gemeinnützige Betreiber sein, so Baustadtrat Schmidt. Alles ist möglich – nur vorerst kein Bäderbetrieb im SEZ. „Es ist unstrittig, dass dafür eine Finanzierung gefunden werden müsste“, sagt Schmidt.

Geldgeber scheinen nicht in Sicht. Trotzdem sollen die Grundstrukturen wie Schwimmbecken erhalten bleiben. „So kann man, wenn sich die Lage ändert, das Schwimmen gegebenenfalls zurück ins SEZ bringen“, sagt Bezirksbaustadtrat Schmidt.
Wie teuer das gesamte Projekt wird, soll eine Machbarkeitsstudie klären. Dafür will der Bezirksbaustadtrat die Wohnungsbaugesellschaft WBM (die bisher das SEZ abreißen soll) und den Senat gewinnen. Notfalls macht der Bezirk diese Studie im Alleingang.

Druckmittel hat der Bezirk genug: die bevorstehenden Wahlen und den verhängten Abrissstopp für das SEZ. Die Sperre könnte bis Oktober dauern, so Bezirksbaustadtrat Schmidt. Die Folge: Der vom Senat geplante Wohnungsbau auf dem SEZ-Areal kommt gehörig in Verzug. Das kann für das Land Berlin teuer werden.



